Radioübertragung: Gottesdienst aus Barnstorf geht „hinaus in die Welt“

Thema „Fürbitte“ zieht sich als roter Faden durch die Andacht

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Nach der Radioandacht verabschiedeten Lektorin Christiane Roth (1. von links) und Pfarrer Michael Lier (2. von rechts) das Team von Radio Bremen am Ü-Wagen: Techniker Rolf Osis, Sendebeauftragte Dr. Martina Höhns und Organist Heinrich Deboi (von links nach rechts). 

Brnstorf - Am Sonntagmorgen hieß es für die Gottesdienstbesucher: Mitmachen und Mitsingen, denn nach Barnstorf kam Besuch aus dem Bremer Funkhaus mit Empfangs- und Übertragungswagen. Das Programm Nordwest Radio von Radio Bremen übertrug live den katholischen Gottesdienst aus der Kirche St. Barbara und Hedwig in Barnstorf an die Zuhörer am Äther.

Mit ein wenig Aufregung war das für alle verbunden, denn es sollte ja alles klappen, wenn es aus Barnstorf hinaus „in die Welt“ ging. Mikrophone überall, der Ü-Wagen hinter dem Rundbau der katholischen Kirche und der mit Satelliten-Schüssel ausgestattete Wagen verrieten den Besuch.

Akribische Planung

„Ob heute alles klappt, war gar nicht so sicher“, ergänzte nach der gelungenen Übertragung die Sendebeauftragte Dr. Martina Höhns aus Bremen. Denn in der Nähe des Funkhauses von Radio Bremen musste eine Bombe entschärft werden. Das hieß: Aufnahme in Barnstorf, Weiterleitung per Satellit in den Schaltraum ins Funkhaus und dort die Weiterverarbeitung per „Autopilot“. „Dort ist jetzt kein Mensch, das wäre zu gefährlich“, meinten die Techniker Inge Schmidt und Rolf Osis im Ü-Wagen.

Ein Wagen von Radio Bremen mit Satelliten-Schüssel steht vor der katholischen Kirche. 

Auf insgesamt 19 DIN-A4-Seiten war die Übertragung des Gottesdienstes akribisch geplant, sekundengenau berechnet und beschrieben. Pastor Michael Lier, Zelebrant und Prediger in Diepholz, Barnstorf und Sulingen hatte keine Scheu gezeigt, das Pensum zu meistern. Schließlich standen ihm etwa 50 Gemeindemitglieder zur Seite. Als Lektoren hatten sich Jan-Willehad Holthaus und Christiane Roth gemeldet.

Die musikalische Leitung des Gottesdienstes hatte Organist und Kantor Heinrich Deboi, Lehrer für Deutsch und Musik an der Liebfrauenschule in Cloppenburg. „Ich freue mich sehr, an dieser wunderbaren Orgel mit Seltenheitswert spielen zu dürfen“. Er meinte damit die Orgel, die von einem holländischen Orgelbauer stammt und so ganz untypisch nur Holzpfeifen besitzt. Beim näheren Hinschauen, entpuppte sich das gesamte Instrument als reine Holzarbeit: Tasten, Register, Pedale, Korpus. Es muss sich gerade für die Radiohörer erstaunlich weich angehört haben mit diesen Voraussetzungen.

Der Rundfunkgottesdienst hatte sehr viel Tiefe: Das Thema „Fürbitte“ zog sich als roter Faden durch, es ging um Ehrenamt, ob sich das Beten lohne und die Erkenntnis, dass es gerade in diesen Tagen sehr wichtig sei, sich für den Erhalt von Frieden, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und Menschenrechte einzusetzen. Dazu gab es aus aktuellem Anlass eine Ergänzungsfürbitte: Für die Opfer des Amoklaufs in München. Pastor Lier und die Sendebeauftragte hatten sich thematisch abgestimmt und einen guten Konsens gefunden.

Eine weitere Essenz der Radioandacht aus Barnstorf war das originäre Verständnis einer Fürbitte: Die Gnade empfangen, lieben zu können. Sich mit dem Mitmenschen zu freuen, zu ängstigen, zu trauern, zu hoffen.

Nach der Ansage aus dem Funkhaus und der liturgischen Eröffnung hatte Lier die Chance genutzt, den Radiohörern Barnstorf ein wenig zu erläutern: „Die Gemeinde liegt zwischen Diepholz und Bremen an Bundesstraße und Hunte, ist ländlich geprägt, mit Schwerpunkten künstlerischem Arbeiten und christlicher Gemeinschaft“.

Der Name der Kirche beruhe auf der heiligen Barbara, der Schutzpatronin des Bergbaus. „Zwar wird in Barnstorf nicht nach Kohle oder Erzen gegraben, wohl aber Gas und Öl gefördert“, so Lier. Die zweite Schutzpatronin, die heilige Herzogin Hedwig von Schlesien, erinnere an das Schicksal der Ostvertriebenen und Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg in dieser Region das katholische Leben aufbauten. Die Antwort auf die Frage, ob Beten ein ganz besonderes Ehrenamt ist, erhielt die Gemeinde und die Radiohörer von Pastor Lier: „Aber ich kann doch noch beten“, habe er schon häufiger von alten, oft selbst kranken Menschen gehört. Das sei ihr Beitrag zur Ehrenamtlichkeit.

Und er wisse auch um die liturgischen Fürbitten in den Gottesdiensten, die oftmals nur den aktuellen Katastrophenstand der Welt und die Hilflosigkeit spiegeln. „Wir wollen füreinander da sein“, so das definierte Ziel und die Botschaft des Radiogottesdienstes. 

sbb

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