Stelzenbau mit Bezug zum Unterricht

Sprachcamp für Jugendliche: Es geht hoch hinaus

Praktische Arbeit im Sprachcamp: Die Jugendlichen befestigen Schuhe an den Stelzen.

Barnstorf - Die jüngsten Erfahrungen bei Sprachkursen im Barnstorfer Welthaus machen Hoffnung auf ein gutes Miteinander verschiedener Nationalitäten. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit jungen Geflüchteten aus Afghanistan und Syrien kann gelingen“, sagt Reinhold Bömer vom Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB), der die Angebote vor Ort organisiert.

„Uns gelingt die Zusammenarbeit derzeit. Diese Erfahrung ist uns angesichts der allgemeinen Angst wegen der Anschläge besonders wichtig“, erklärt Bömer anlässlich eines Sprachcamps, das bereits zum zweiten Mal in der Einrichtung an der Bahnhofstraße über die Bühne geht. Zielgruppe sind junge Menschen verschiedener Nationalitäten. Insgesamt 25 Teilnehmer im Alter von 13 bis 18 Jahren nutzen das Angebot in den Ferien. Zur Freude der Organisationen wird das interkulturelle Projekt von verschiedenen Institutionen aus der Region gefördert – von der örtlichen Sparkasse über den Landkreis Diepholz bis zum Landschaftsverband Weser-Hunte.

Finja Schlake, eine erfahrene Deutschdozentin, leitet das Sprachcamp. Es steht unter dem Titel „Hoch hinaus“ – aus gutem Grund. Denn hoch hinaus gehen nicht nur die Hoffnungen und Erwartungen der teils unbegleiteten Minderjährigen. Hoch hinaus zu gehen, und das im besten Wortsinn, das wollen die jungen Menschen auch im Laufe der zweiwöchigen Aktion rund um das Welthaus versuchen. Sie bauen unter fachlicher Anleitung zahlreiche Stelzen, und zwar für jeden ein eigenes Paar.

„Uns ist der Bauprozess ebenso wichtig wie die Choreographie der späteren Aufführung. An beiden Teilen nehmen gleichberechtigt Mädchen und Jungen teil. Sie sollen sich in diesen unterschiedlichen Rollen erleben“, erläutert Bömer den Hintergrund. Im Deutsch-Unterricht werden die praktische Arbeit und andere Themen aufgegriffen, um den Sprachschatz und die Kommunikationsfähigkeit zu vertiefen und zu verbessern.

In der zweiten Woche kommen die Jugendlichen des Zirkus Barbarella aus Barnstorf dazu, ebenfalls mit dem Motiv des Stelzentheaters. Auch sie wollen sich in dieser schwierigen Kunst profilieren. „Wenn alles gelingt“, so die Betreuer, „können alle nach den beiden Wochen eine kleine Performance auf die Beine stellen.“

Die Arbeit im Welthaus bleibt keineswegs im Verborgenen: In den Nachmittagsstunden zeigen die Stelzenläufer ihr Können im Barnstorfer Ortskern. Sie wollen für den „Huntezauber“ Werbung machen. Bei dem Fest am Sonnabend, 6. August, treten sie natürlich auch auf und werden ein wenig Zauber in die Veranstaltung bringen. Nicht die große Bühne werden sie bespielen, sondern in den verschiedenen Ecken und Winkeln für Überraschung sorgen, gegen Abend auch mit Licht.

Neben dem zweiwöchigen Sprachcamp macht der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen übrigens noch weitere Anstrengungen, um Flüchtlinge in der Gesellschaft zu integrieren. Erst kürzlich sind zwei Kurse in Barnstorf und Lemförde zu Ende gegangenen. Daran beteiligten sich 36 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 54 Jahren. Sie absolvierten 200 Unterrichtsstunden, um sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen.

In einem Zeitraum von sechs Monaten befassten sich die Menschen, die aus insgesamt elf verschiedenen Ländern stammen, mit verschiedenen Wortgruppen zu ganz alltäglichen Themen. Dazu gehörten die Vorstellung der eigenen Person, Wissenswertes für Einkäufe und Arztbesuche oder auch Orientierungshilfen in der Stadt. Ergänzt wurde der Unterricht durch sozialpädagogische Angebote, wie beispielsweise die Erstellung eines Lebenslaufes oder ein Besuch in der Bibliothek.

„Für alle Teilnehmenden war die Unterrichtszeit ein herzlich willkommenes Angebot, dem in der Regel recht tristen Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen“, bilanzierte Lehrkraft Johanna Pflüger. Gerne wären sie auch mehrmals in der Woche zum Lernen der deutschen Sprache gekommen, was jedoch organisatorisch nicht umsetzbar gewesen sei. Umso größer seien die Hoffnungen, aber auch die Chancen für die meisten Flüchtlinge, nach den Sommerferien an fortführenden Deutschkursen oder anderen Bildungsangeboten teilzunehmen.

sp

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