Eydelstedt und Drentwede halten an Versammlung fest

Sparkassen-Führung erteilt Bürgermeistern eine Absage

Die Bürgermeister der Gemeinden Eydelstedt und Drentwede, Friedrich Bokelmann (r.) und Theo Amelung, wollen so schnell nicht aufgeben. Sie planen nun eine Bürgerversammlung, um über die Sparkassen-Schließung zu diskutieren. - Foto: Speckmann

Eydelstedt/Drentwende - Von Thomas Speckmann. In der Samtgemeinde Barnstorf wächst der Widerstand gegen die Schließung der Sparkassen-Filialen in Eydelstedt und Drentwede. Der Samtgemeindeausschuss hat seinen Protest jetzt schriftlich formuliert, die Bürgermeister der Gemeinden wollen mit einer Bürgerversammlung zusätzlichen Druck machen. „Wir wollen einen Aufschub erreichen, damit die Geschäftsstellen nicht sofort geschlossen werden, sondern nach praktikablen Lösungen gesucht wird“, erklären Friedrich Bokelmann und Theo Amelung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die gemeinsame Bürgerversammlung soll zeitnah in einer der beiden Gemeinden stattfinden. Ort und Termin stehen noch nicht fest. Zur Erörterung der Situation hätten die Gastgeber gerne Vertreter der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz dabei. Doch der Vorstand in Diepholz hat die Einladung bereits ausgeschlagen. Die Bürgermeister hoffen, dass sich wenigstens ein Mitglied des Verwaltungsrates den Fragen der Bürger stellt.

„Wir stehen im Kontakt mit den Bürgermeistern und haben ihnen mitgeteilt, dass wir von unserer Entscheidung nicht abrücken werden. Daher sehen wir auch keinen Sinn, an einer Bürgerversammlung teilzunehmen. Alle Kunden und Bürger sind über unsere persönliche schriftliche Information und die entsprechenden Berichte in der Kreiszeitung gut informiert“, bestätigt der Sparkassen-Vorstand auf Anfrage unserer Zeitung.

Landrat Cord Bockhop soll ebenfalls eine Teilnahme an der Versammlung abgelehnt haben, berichten Eydelstedts Bürgermeister Bokelmann und sein Drentweder Amtskollege Amelung. Sie waren in der vergangenen Woche mit dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates zusammengekommen. Hoffnungen auf einen Fortbestand der kleinen Filialen, die zum Jahresende geschlossen werden sollen, sind ihnen bei dem Termin in Diepholz aber offenbar nicht gemacht worden, wie sich an ihren Reaktionen unschwer erkennen lässt.

Entscheidung scheint festzustehen 

In dem eineinhalbstündigen Gespräch mit Bockhop hätten sie den Eindruck gewonnen, dass der Entschluss der Sparkasse unumstößlich sei, berichten die Bürgermeister. Sie hätten zudem das Gefühl, dass die Sparkasse durch Einschränkung von Personal und Öffnungszeiten auf die Schwächung der kleinen Filialen hingearbeitet habe. Was früher bei der Entwicklung der Standorte geleistet worden sei, werde nun mit einem Federstrich platt gemacht, kritisiert Amelung. 

Was die Gemeindevertreter nur schwer nachvollziehen können, ist die Verfahrensweise bei so einer weitreichenden Entscheidung. Nach ihren Informationen hat sich der Verwaltungsrat erst zwei Wochen vor der öffentlichen Bekanntgabe der Entscheidung mit dem Thema befasst. In einer zweieinhalbstündigen Sitzung soll der Beschluss über sechs Filialen im Südkreis gefasst worden sein. „Das ist schon verwunderlich“, meint Bokelmann. Er habe selbst über Jahre im Aufsichtsrat der Volksbank gesessen. Dort seien solch große Themen über einen wesentlich längeren Zeitraum beraten worden.

Seit Bekanntgabe der Entscheidung Mitte Oktober hätten sie zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, so die Bürgermeister weiter. Die Kunden seien „stinksauer“. Das hätten sie auch gegenüber Bockhop erwähnt. Er habe im Auftrag des Vorstands darum gebeten, die Namen der verärgerten Kunden weiterzugeben, damit sich die Sparkasse mit ihnen in Verbindung setzen könne. Doch damit sei das Problem nicht gelöst, meinen die Bürgermeister.

Automaten seien keine geeignete Alternative

Auch das Angebot von so genannten EC-Cash-Geräten, die örtliche Geschäftsleute einrichten könnten, um ihren Kunden auf Wunsch Bargeld auszuzahlen, das anschließend über die Bank verrechnet würde, halten die Bürgermeister für keine praktikable Lösung auf dem Dorf. Dass sich die Kommunen an einem weiteren Bestand der Geldautomaten finanziell beteiligen könnten, wie es etwa in Barver diskutiert wird, lehnen die Bürgermeister ebenfalls ab. „Das können wir uns nicht leisten“, sagt Amelung. 

Und Bokelmann fügt hinzu: „Das wäre blamabel für die Sparkasse.“ Eine Bereitschaft seitens der Sparkasse, Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker vor Ort zu belassen, scheint ohnehin unwahrscheinlich. „Die SB-Automaten werden wir aufgrund der geringen Nutzung nicht erhalten können“, teilt die Sparkasse auf Anfrage mit.

Die Bürgermeister haben sich vorgenommen, in den kommenden Wochen weiter um die Geschäftsstellen zu kämpfen. In diesem Zusammenhang würden sie sich auch eine öffentliche Positionierung der politischen Vertreter wünschen, die im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz sitzen. Bokelmann: „Zumindest Politiker sollen ihr Ohr mehr an der Bevölkerung haben und nicht nur in ihrem abgehobenen Raum vor sich hin diskutieren. Aber für die ist ein Wahlergebnis wichtig und nicht die Nöte der Landbevölkerung.“

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Direkter Austausch wäre eine Chance - Von Thomas Speckmann

Thomas Speckmann

Die Schließung der Filialen in Eydelstedt und Drentwede zum Jahresende ist unausweichlich. Der Vorstand der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz hat seine Entscheidung am Montagmittag auf Anfrage unserer Zeitung noch einmal bekräftigt. Dass die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden dennoch für den Erhalt der alteingesessenen Geschäftsstellen kämpfen, um damit vielleicht noch einen Verbleib von Geldautomaten zu erreichen, ist gut und richtig. 

Bedauerlich hingegen ist, dass ihrer Einladung zur Bürgerversammlung eine Absage aus Diepholz gefolgt ist. Die Sparkasse verweist auf ihr Kundenanschreiben und bietet an, dass sich Kunden bei Informationsbedarf melden dürfen. Der Vorstand um seinen Vorsitzenden Ralf Finke würde gut daran tun, sich den betroffenen Menschen in den Gemeinden persönlich zu stellen. Die Verantwortlichen könnten die Entscheidung des Kreditinstituts erläutern und damit vielleicht auch die Chance nutzen, mehr Verständnis für ihre betriebswirtschaftliche Situation zu wecken.

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