Zwölfte große Jahresausstellung in Donstorf

Seelenwächter und Menschenbilder mit Seele

Der Hausherr des Künstlerateliers Donstorf 73, Tietsche Burmeister (rechts), Barbara Abendroth aus Dortmund und Künstlerkollege Lars Schubert aus Dortmund bei der Eröffnung der zwölften großen Jahresausstellung. - Foto: Brauns-Bömermann

Donstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Eigentlich sind es drei Künstler, die physisch die Gäste zur zwölften großen Jahresausstellung in Donstorf begrüßen. Der Hausherr des Künstlerateliers Donstorf 73, Tietsche Burmeister, Barbara Abendroth aus Dortmund und Künstlerkollege Lars Schubert aus Dortmund. „Inka ist immer unter uns“, sagt Burmeister zum Künstlergruppenbild und de facto scheint sie hinter jeder Skulptur zu stecken, zu lächeln und zu sagen: „Ja, so habe ich es gemeint“. Gemeint sind die Werke seiner verstorbenen Frau Inka Uzoma.

Allein 18 Skulpturen trotzen gestern Hagel und Sturzregen und manche findet sich in einer passenden Welt wieder. Wie der Luftschwimmer, der plötzlich einem Wasser entgegen zu schwimmen scheint. So dynamisch ist Kunst. „Wir haben die Ausstellung schon weit vor dem Tod meiner Frau geplant und jetzt platzt unsere Kate aus allen Nähten“, vermittelt Burmeister den Gästen.

Mit den Gastkünstlern Abendroth und Schubert erweitern sich die Positionen der Künstler, doch irgendwie gibt es einen roten Faden der Akteure. Das Allgemeinmenschliche.

Abendroths „Seelenwächter“ begrüßen als übermannsgroße konische Säulen die Kunstinteressierten. Sie haben Ähnlichkeit mit Alien- Vorstellungen, der eine mit Augen nach außen gerichtet, der zweite nach innen. „Wer sonst soll unsere Seelen beschützen, wenn nicht eine Distanz von außerhalb“, meint die Künstlerin. Sie demaskiert das Hier und Jetzt mit dem Werk „Aufbruch“, indem Gesichter aus einer Metallspalte schauen und noch überlegen, ob sie den sie manipulierenden Städten und Gehäusen einmal entkommen sollen. Aus dem Hochhaus aus Metall lässt sie menschliche Gesichter schauen, die zwar rausschauen können, aber doch eingepfercht wirken.

Dann steht man einem Metallengel in Korsett gegenüber, der die Weihnachtskugeln einsperrt. Das regt zum Denken an. Oben im Atelier lädt sie die Gäste zu einem interaktiven Spiel ein: Jeder Gast soll zu einem Glückskeksspruch ein Antwortpendant ins Buch schreiben. Die Walzstahlskulpturen im Garten wirken fließen wie Wasser, reflektieren das Licht. Die Dynamik ist der Weg der Skulptur. Abendroth ist Mitbegründerin der Künstlergruppe TIBP in Donstorf.

Lars Schubert aus Dortmund verschreibt sich ganz dem Menschlichen. Er erschafft Menschenbilder mit Seele, bemüht sich aber nicht Ähnlichkeiten anzustreben mit realen Körpern, sondern malt die Körper aus der Empfindung des Körpers heraus. Ist der Kopf sehr voll, belastet er den Körper, das malt er. Er lässt Rapidographen, Pinsel, Stift auf visuelle Eindrücke reagieren. Das Empfinden führt das Zeichenmaterial. Es finden sich Bilder in Tusche, die Körper oder Teile bis zur Zerlegung zeigen, pathologisch mit quasi durchsichtiger Haut in Anlehnung von Ansichten der Körper von Gunter von Hagen.

Wenn er nicht schnelle Bilder in Öl- und Acryl und fluoreszierenden Farben malt, sondern in Schwarz-Weiß gekonnt kritzelt, durch Kleinstminiaturen große Flächen körperlich darstellt und Gestalten in Grenzbereichen der allgemeinen Vorstellung von Mensch entstehen, verschreibt er sich dem Detail und der tiefen psychologischen Interpretation. Maritime Wesen, Fabelwesen, Kopffüßler, Universum-Wesen immer mit dem Charakteristischen und Auffälligen im Fokus.

Er sagt über seine Triebfeder: „Ich bin Picasso verbunden, denke da wie Paul Klee: Kunst gibt nicht Sichtbares wieder, sondern macht sichtbar. Das was er malt, will ausgedrückt werden. Damit findet der begnadete Zeichner und Maler „Follower“. Die Zeichnungen sind überbordend, jede für sich ein Stunden-lang-Beschau-Projekt der Findung des eigenen Sinns halber. Schubert versieht seine Zeichnungen mit Kommentaren wie: „Lass das Bild doch selbst entscheiden, wie es gemalt werden will!“. Seine Werke sind Bilderrätsel, wie die eines Hieronymus Bosch.

Die Ausstellung in Donstorf ist jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, die Finissage findet am 2. Oktober ab 14 Uhr statt.

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