Wenn Menschen einen Angehörigen durch Suizid verlieren

Das quälende „Warum!?“

Wollen Menschen helfen, die ein Familienmitglied durch Suizid verloren haben: (v.l.) Ursula Dell, Anke Hoffmann und Maren Mimus von der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Barnstorf. Sie bieten am Mittwoch einen Themenabend für alle Interessierten an. - Foto: Seidel

Barnstorf - Von Anke Seidel. Wieder ein Wochenende. Wieder das quälende, nicht enden wollende „Warum!?“ Wenn Menschen einen Angehörigen durch Suizid verlieren, bedeutet das einen tiefen Einschnitt in ihr Leben und eine enorme seelische Belastung. „Der Schmerz des Verlustes geht einher mit dem Verlassensein, mit Schuldgefühlen und Schuldzuweisungen. Die Frage nach dem Warum ist ein Ringen um Verständnis für eine kaum nachvollziehbare Tat“, versucht die Selbsthilfegruppe „Agus“ (Angehörige um Suizid) diese Situation zu erklären. Hilfe finden betroffene Angehörige am Mittwoch in Barnstorf.

Im Mehrgenerationenhaus (Rudolf-Dunger-Straße) eröffnet die Selbsthilfe-Kontaktstelle die Wanderausstellung „Tabu – Suizid! Suizid – Tabu?“ Sie stellt Erkärungsmodelle dar und befasst sich mit den Auswirkungen des Suizids auf andere Menschen. Genauso reflektiert sie die Themen Trauer und Abschied, Schuld und Scham. Vor allem aber will sie Helfer in der Trauer und die Unterstützung in Selbsthilfegruppen darstellen.

Geöffnet ist die Ausstellung ab Mittwoch bis zum 30. November jeweils von 9 bis 17 Uhr. „Es wird ein kleiner Rückzugsort als Ruhemöglichkeit am Ort der Ausstellung geschaffen“, so Ursula Dell als Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle und ihre Kollegin Maren Mimus. Denn sie wissen, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema Kraft kostet – aber auch Wege aus der quälenden Sprachlosigkeit eben kann.

Jährlich sterben nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland etwa 10 000 Menschen durch Suizid. Das sind doppelt so viele wie durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen, wissen die Mitglieder von „Agus“ – und ebenso, dass in jedem dieser Fälle bis zu sieben Angehörige mit dem unvorstellbaren Schicksalsschlag klarkommen müssen. Auch im Landkreis Diepholz: „Wir haben allein in der Zeit zwischen Februar und Juni fünf Anfragen gehabt“, beschreibt Ursula Dell den Wunsch betroffener Angehöriger nach einer Selbsthilfegruppe im Landkreis. Hilfe, die laut „Agus“ bitter nötig ist: „Nach dem Suizid eines nahe stehenden Menschen scheint das Leben der Hinterbliebenen zerstört. Alles, auf das man bisher vertraute, kommt ins Wanken. Suizidtrauer ist eine schwere Lebenskrise.“ Um die Gründung einer solchen Selbsthilfegruppe im Landkreis vorzubereiten, ist die Ausstellung mit zwei Themenabenden verbunden. Der erste beginnt am Mittwoch um 17 Uhr im Mehrgenerationenhaus. Dort referiert Brigitte Klußmann über das Thema „Wann ist das Leben nicht mehr lebenswert?“ Sie ist selbst betroffene Angehörige und hat in Bremen eine Selbsthilfegruppe aufgebaut.

Weil die Platzzahl begrenzt ist, bittet die Selbsthilfe-Kontaktstelle um Anmeldung unter Telefon 05442/803670 (Anrufbeantworter). Nach diesem Vortrag für alle Interessierten folgt am Mittwoch, 23. November, um 17 Uhr ein Infoabend ausschließlich für betroffene Angehörige ab 18 Jahre. „Der Suizid muss aber mindestens drei Monate zurückliegen“, nennen Ursula Dell und Maren Mimus eine Teilnahme-Voraussetzung. Auch dafür ist eine Anmeldung notwendig.

www.agus-selbsthilfe.de

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