Dr. Sabine Schonert-Hirz gibt in Barnstorf Tipps für Umwandlung in positive Energie

Ohne Stressbalance Gefahren für die Gesundheit

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Tipps gegen Stress – nicht nur im Berufsleben – bekamen etwa 100 Teilnehmer des Abends mit Dr. med. Sabine Schonert-Hirz im Hotel Roshop in Barnstorf.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. „Dr. Stress“ – alias Dr. med. Sabine Schonert-Hirz – scheint keinen Stress zu kennen, der seelisch und körperlich krank macht. Sie scheint aus Zufriedenheit, Freude, Glück, Befriedigung und menschliche Verbundenheit ihre persönliche „Starkmacher-Suppe“ kochen zu können und gerne zu essen. Wie aus Stress positive Energie für ein Feuerwerk der Lebensfreude werden kann, der digitale Stress in den Griff zu bekommen ist und wie im Betrieb Anzeichen einer Überarbeitung mit dem Vorgesetzten ohne Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes aufgearbeitet werden können, dazu gab die viel gefragte Fachfrau Antworten in Barnstorf.

Im Rahmen der Veranstaltungen der Wirtschaftsförderung des Landkreises Diepholz referierte die in Köln geborene Ärztin vor rund 100 Interessierten im Hotel Roshop. Mit Charme und Humor nahm sie ihr Publikum mit und gab Tipps, die sofort umsetzbar waren. Ihr Rezept dabei: Erkenntnis und konsequente Umsetzung ohne Wenn und Aber – für mehr Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit ) und weniger Burnout im Arbeitsleben.

„Gesunde Mitarbeiter – gesunde Unternehmen“ war das Thema der freien Wissenschaftsjournalistin, Buchautorin und Moderatorin von Gesundheitssendungen. Ihre Sprache ist locker. Damit baut sie schnell bei den Humorvollen im Publikum die Barrieren ab: „Ich hab´ Bock auf Arbeit!“. So nennt sie Motivation. Der Stress, der dabei evolutionsbedingt durch Vorfreude aber auch durch Angst aktiviert wird, damit die Muskeln arbeiten, sei gesund, nur nicht in Überdosen. „Wer keine Stressbalance hat, lebt gefährlich“, meint die Ärztin. Der erste Schritt sei, die Symptome des Körpers zu erkennen und darauf zu reagieren: „Schlechte Konzentration, schlechte Laune, schlechter Schlaf und schlechte soziale Beziehungen.“

„Was machen Sie beim Auto, wenn der Tank leer ist?“ „Tanken!“, war die Antwort aus dem Publikum. „Genau, beim Auto sind wir nicht so blöd wie bei uns“. Ihre Antwort war „Wartung und Pflege“, das impliziere Zeit, die Fähigkeit abzuschalten und Selbstführungskompetenz

Positive Energie aus Stress: Referentin Dr. Sabine Schonert-Hirz in Barnstorf.

Die wichtigsten Basics für Leistungsfähigkeit ohne das Gefühl „Ich schaffe das alles nicht“ bei gleichzeitiger Lebensfreude seien nach wie vor 7,5 Stunden Schlaf, regelmäßige Bewegung (drei Mal 30 Minuten in der Woche), gesunde Ernährung und soziale Kontakte. „So überleben Sie Ihre Karriere und machen aus dem Belastenden das Belebende“. Multitasking, was ja auch gerne „Muttitasking“ genannt würde, da diese Überforderung vor allem Frauen anwenden, sei eine schlechte Idee. „Arbeiten Sie ihre To-dos lieber nach dem Scheibenprinzip ab, immer mit einem realistischen Nahziel gekoppelt“, empfiehlt Dr. Schonert-Hirz. Ablenken sei im Übrigen kein Abschalten.

„Viel besser ist ein Umschalten auf den „Langeweile-Modus“ oder die Muße, das persönliche „Fertig“ und endlich „Freizeit“. In dem Kontext war ihr Motto: „Eigenlob stimmt!“. Das sei richtig geschrieben, würde meinen: Ich freue mich über das, was ich geschafft habe, ich bin meinem Globalziel ein Stück nähergekommen. Eine Regel: Einmal am Tag alle Medien aus, ja alle.

Dazu ließ die Referentin die Nachbarn die Smartphones tauschen: „Na, wie fühlen Sie sich?“. Düstere Gesichter ihr gegenüber. „Ja, ist wie Kontrollverlust, oder?“. Das Gehirn sei ein Organ, wolle gefordert werden und arbeiten, sich aber zwischendurch wieder erholen. „Wir können es nicht abends an die Steckdose hängen und aufladen, sie müssen damit sorgsamer umgehen, es ist das wichtigste was wir Menschen besitzen“, so „Dr. Stress“.

Neben dem immer schneller werdenden Berufsleben sei das Privatleben eine große Einflussgröße für Stress: „Unsere Generation hat durch die immer älter werdende Gesellschaft mit dem Phänomen „Zwischen Kindern, Karriere und Pflege der Eltern“ zu pendeln. Das ist neu und komplex“. Dazu käme der digitale Stress. Durch die technische Revolution sei praktisch alles möglich. Aus der Übermotivation „Ich kann und will alles!“ werden Erschöpfung, Burnout und ernste Erkrankung. „Ich stehe in Berlin oft jungen Start-ups gegenüber, die auf der Bühne auf der Höhe ihres vermeintlichen Erfolges anfangen zu weinen und rufen: „Mutti, ich kann nicht mehr“. Die haben das Wissen, wie man gezielt und bewusst abschaltet, verloren.

Selbsterkenntnis und Fürsorgepflicht des Vorgesetzten

Das Augenmerk der Referentin lag ebenso wie die Selbsterkenntnis auf der Fürsorgepflicht des Vorgesetzten. „Nehmen Sie Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Mitarbeitern erst wahr, dann ernst und sprechen Sie ihn sofort darauf an, ohne den Hobbypsychologen zu spielen“. Durchhalten, Gebetsmühlenartige Fürsorgegespräche bis der Mitarbeiter „selbst drauf kommt“, sei das einzige Rezept mit Aussicht: „Die größte Motivation eines Mitarbeiters sind gute Sozialkontakte und gutes Arbeitsklima, Wertschätzung, Rückmeldung, Vertrauen, Respekt und Hilfsbereitschaft“.

„Das Kuscheln des Betriebes“, nannte Sabine Schonert-Hirz es spaßig und doch ernst.

Personalbetreuer Mathias van Koll der Wintershall Holding schloss sich nach dem Exkurs von „Dr. Stress“ mit der Vorstellung praktischer Umsetzung gegen Stressfaktoren und einem besseren Work-Life-Balance und den Hilfen aus dem Unternehmen an: „Wir nennen das bei uns Work & Life Service“.

Durch die Angebote stiege die Arbeitszufriedenheit, die Arbeitsleistung der Mitarbeiter und für die Wintershall der Produktivitätsgrad des sogenannten Human Capital.

Unter der Überschrift versteckten sich: Verbesserte Elternzeit, flexible Arbeitszeiten- und Plätze, betriebliche Kinderbetreuung, Teilzeit- und Heimarbeitsplätze, Vertrauensarbeitszeitregelung und bezahlte Freistellung von der Tätigkeit (Sabbatical).

„Wir beraten auch in Fragen der „eldercare“, bieten einen Reinigungs- und Bügelservice und bieten Betriebssport an“. Mathias van Kolls Fazit: „Gesundheitsmanagement lohnt sich!“

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