Energieverbrauch in kommunalen Gebäuden unter der Lupe

Klimaschutzkonzept soll sich in barer Münze auszahlen

Der Austausch der Fenster im Barnstorfer Rathaus hat sich bereits positiv ausgewirkt. Im Rahmen des Klimaschutzmanagements sollen in Zukunft weitere energetische Maßnahmen in kommunalen Gebäuden auf ihre Machbarkeit untersucht werden. - Foto: Archiv

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, Energieerzeugung aus erneuerbaren, umweltfreundlichen Quellen, sparsame und effektive Energienutzung: Es sind einige wesentliche Punkte aus dem Leitbild, das die Samtgemeinde Barnstorf im März 2009 auf den Weg gebracht hat. Dass es sich bei diesen allgemein formulierten Zielen nicht um leere Worte handelt, unterstreicht das im April dieses Jahres beschlossene klimapolitische Leitbild. Es gibt die Marschroute für aktives Handeln vor, das sich auf lange Sicht für die Umwelt und auch für die Kommune in barer Münze auszahlen soll.

„Die Samtgemeinde Barnstorf ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und trägt in ihrem politischen und Verwaltungshandeln durch Initiierung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu einem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Energie bei“, erklärt Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers und unterstreicht damit eine Kernaussage des sieben Punkte umfassenden Klimaschutzkonzeptes.

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, befasst sich die Verwaltung zurzeit mit der Einrichtung eines Energie- und Klimaschutzmanagements. Auf diesem Weg soll es in Zukunft möglich sein, zuverlässige Daten zu sammeln, geeignete Maßnahmen umzusetzen und deren Auswirkungen auch anschließend zu überprüfen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf kommunalen Gebäuden wie Schulen, Kindergärten und Turnhallen oder auch Rathaus und Bibliothek.

Wie sich der Stromverbrauch nachweislich senken lässt, hat die Kommune bereits bei der Modernisierung der Straßenbeleuchtung festgestellt. In den vergangenen Jahren sind in der Samtgemeinde mit Hilfe von Landeszuschüssen etliche Leuchtmittel gegen energiesparende Modelle ausgetauscht worden. Dadurch seien bereits Einsparungen erzielt worden, berichtet Lübbers.

Kümmert sich um das Klimaschutzmanagement: Dr. Oliver Nixdorf. - Foto: Speckmann

Eine ähnliche Effizienz erhoffen sich Verwaltung und Politik von weiteren Maßnahmen in den kommunalen Gebäuden. Auch hier hat sich in jüngster Zeit schon einiges getan. Die umfangreiche energetische Sanierung der Bibliothek, wo auch die Dämmung des Daches verbessert wurde, sowie die Erneuerung von Fenstern und Beleuchtung im Rathaus sollen sich auf lange Sicht auszahlen. Was den vor sechs Jahren vollzogenen Austausch der Fenster betrifft, liegen bereits konkrete Zahlen vor: „Der Heizenergiebedarf des Rathauses konnte durch diese Maßnahme durchschnittlich um 55.000 Kilowattstunden pro Jahr gesenkt werden“, berichtet der Verwaltungschef. Die energetische Sanierung der Bibliothek habe nochmals eine durchschnittliche jährliche Einsparung von 45.000 Kilowattstunden Heizenergie eingebracht.

Insgesamt könnten somit 100.000 Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr, umgerechnet 34,5 Prozent des ursprünglichen Verbrauchs, vermieden werden. Dies entspreche einer Reduzierung von 24,7 Tonnen des klimaschädlichen CO2. Neben diesem reinen Zahlenwerk sei ein weiterer, stets wenig beachteter Effekt energetischer Maßnahmen nicht zu vernachlässigen: die spürbare Verbesserung des Raumklimas und damit die Qualität des Arbeitsumfeldes.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie groß der finanzielle Nutzen ist, darüber soll in Zukunft das Energie- und Klimaschutzmanagement Aufschluss geben. Für die Umsetzung ist eine Arbeitsgruppe zuständig. Federführend ist Dr. Oliver Nixdorf. Der Leiter des Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrums nimmt bereits an einer entsprechenden Seminarreihe teil und will das Projekt in Barnstorf vorantreiben.

„Es geht nicht darum, zusätzliche Ausgaben zu verursachen, sondern Einsparpotenziale zu identifizieren und vorhandene Ressourcen zu nutzen und somit eine nachhaltige Kontrolle zu ermöglichen“, erklärt Nixdorf. Wichtig sei jedoch zunächst, bestimmte Organisationsstrukturen zu schaffen, damit Einsparpotenziale erkannt und auch benannt werden könnten. Erst dann ließen sich Maßnahmen ableiten, die sich am politischen Leitbild orientieren könnten.

Die Marschroute ist klar formuliert: Erster Schritt ist die Erfassung jedes einzelnen Gebäudes. Dazu zählen vorrangig energetische Daten wie Wärme-, Wasser- oder Stromverbrauch. Aus den Werten lassen sich Grafiken erstellen, die einen Vergleich der Liegenschaften ermöglichen. „Man sieht dann, wo etwas aus dem Ruder läuft und wo es sich lohnt, energetische Maßnahmen vorzunehmen“, sagt Nixdorf.

Das so genannte Energiemonitoring soll in einer Prioritätenliste münden, die eine Grundlage für politische Entscheidung bildet. Es sollten allerdings keine Luftschlösser gebaut, sondern machbare Ziele formuliert werden, meint Nixdorf. Investitionen und Nutzen müssten in einem vernünftigen Verhältnis stehen, das angemessen und realistisch für die Samtgemeinde Barnstorf sei.

„Ein gewisser Mehraufwand ist erforderlich, um das neue System zu etablieren“, räumen Lübbers und Nixdorf ein. Aber sie sind davon überzeugt, dass sich der Personaleinsatz sehr schnell durch Energieeinsparungen rechnet. Wenn das Konzept in den nächsten Jahren umgesetzt werde, könne die Kommune auch die Zielvorgaben der Bundesregierung erfüllen.

Die Klimaschutzziele der Bundesregierung aus dem Jahr 2007 sind auch in dem Klimaschutzkonzept verankert. Die Samtgemeinde strebt an, bis zum Jahr 2025 eine 20-prozentige Reduktion der CO2-Emissionen und eine 20-prozentige Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 zu erreichen. „Das ist durchaus machbar“, meint Nixdorf mit Blick auf das aktuelle Engagement.

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