Einstieg in die Eierproduktion

Hühnerschar mit mobiler Behausung

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„Mama, da ist noch ein Ei!“ Die kleine Rahel hilft ihrer Mutter beim Eiersuchen.

Eydelstedt - Von Gerhard Scheland. Mit 17 braunen Hühnern und einem blau gestrichenen Bauwagen begann für Friederike Schierholz und ihren Ehemann Alexander Schierholz-Prilop im März dieses Jahres das Abenteuer „Schierholzer Wiesenei“.

Vor ein paar Wochen ist die Hühnerschar um 240 Hennen gewachsen, und auf der eigens für die freilaufenden Tiere angesäten Grünfläche ganz in der Nähe des elterlichen Hofes im Wohlstrecker Ortsteil Schierholz steht ein komfortables Hühnermobil.

Unterstützung bei den Arbeiten auf dem Legehennen-Weidestück: Friederike Schierholz und Töchterchen Rahel (Mitte) mit (von links) Vater Heinrich und den Schwestern Luise, Marie und Dorothea vor dem Hühnermobil.

Für die Anschaffung hat das Ehepaar eine größere Investition getätigt, die sich für Friederike und Alexander Schierholz irgendwann rechnen soll. „Bisher war die Nachfrage nach den Eiern unserer speziell gehaltenen Hühner immer größer als das Angebot, das soll sich jetzt ändern“, begründet Alexander Schierholz-Prilop den Kauf des ersten Anhängers mit spitzem Pultdach und blauem Banner. Der 39-Jährige hatte die Idee, den neuen Betriebszweig auf dem Traditionshof in der kleinen Ortschaft Schierholz zu installieren. „Es ist ein Experiment – die Kunden entscheiden, ob es klappt“, ergänzt seine Frau.

Zum Einstieg betreibt die Familie die Eierproduktion noch im Nebenerwerb, doch für die Zukunft könnte sich die Eierproduktion zu einem echten Standbein ausweiten. „Wir wollen erst einmal feststellen, ob die Verbraucher bereit sind, für Qualitätseier etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Wenn es so ist, stocken wir die Zahl unserer Hühner weiter auf und können uns auch ein zweites und drittes Hühnermobil vorstellen“, blickt Friederike Schierholz nach vorn.

Neuer Selbstbedienungsautomat in Barnstorf

Künftig müssen die Eierkunden übrigens nicht mehr bis zum Verkaufsstand am Hofgelände in Schierholz fahren, sie sind ab sofort auch an der Westfalen-Tankstelle in Barnstorf in einem Selbstbedienungsautomaten erhältlich. „Dort steht auch die Kartoffelkiste der Wohlstrecker Jungs“, lokalisiert die 31-Jährige den Verkaufsstand für die „Schierholzer Wieseneier“.

Schon weit vor der Anschaffung des ersten baugenehmigungspflichtigen Hühnermobils hat sich das Ehepaar Schierholz-Prilop Gedanken über den Aufwand gemacht, der mit der professionellen Eierproduktion verbunden ist. Beispielsweise musste die Packstelle zertifiziert und der Betrieb ins Legehennenbetriebsregister eingetragen werden. Vollautomatisch läuft bei der Eierproduktion nichts. Der Erzeugercode wird von Hand auf die Eier gestempelt, das Mindesthaltbarkeitsdatum manuell auf die Verpackungen gedruckt und das Mindestnettogewicht von 530 Gramm für zehn Eier mit einer geeichten Waage abgewogen.

Gesunde Legehennen: Die 240-köpfige Hühnerschar der Familie Schierholz ist ständig in Bewegung.

Bei den Arbeiten wird Friederike Schierholz, hauptamtlich Berufsschullehrerin für die Fachrichtung Landwirtschaft in Sulingen, von Vater Heinrich sowie ihren Schwestern Luise und Marie unterstützt. Ihr Mann Alexander ist derzeit noch wenig zu Hause. Er ist als leitender Angestellter eines großen landwirtschaftlichen Betriebes in Osteuropa tätig. „Wenn wir uns mit unseren Wieseneiern am Markt etablieren, ist es natürlich Ziel, mehr Zeit in Schierholz zu verbringen“, erklärt der 39-Jährige.

Zu den regelmäßigen Tätigkeiten zählt für die Familie das tägliche Einsammeln der Eier aus einem mit Dinkelspelzen gefüllten Legebereich im oberen Teil des Hühnermobils. Und immer dann, wenn der Auslauf von den Hühnern abgeweidet ist, müssen die Umzäunung umgesteckt und der mobile Wagen weitergezogen werden. „Für jedes Huhn steht eine Grünfläche von gut zweieinhalb Quadratmetern zur Verfügung. Das reicht für etwa zwei Wochen. Anschließend zieht das Federvieh auf ein frisches Weidestück“, beschreibt Friederike Schierholz die Haltung ihrer Hühner.

Vorteile der Freilandhaltung

Die Berufsschullehrerin nennt mehrere Vorteile der Freilandhaltung: „Die Hühner fressen viel frisches Gras, wodurch das Ei eine intensivere Farbe bekommen und wie wir finden, auch besonders schmecken. Zudem sind unsere Tiere sehr gesund, weil sie ständig in Bewegung sind und sich im Auslauf keine Krankheitserreger und Parasiten ansammeln können. Außerdem beugen wir einer Überweidung vor, und die Hinterlassenschaften der Tiere verteilen sich gleichmäßig über die etwa 15.000 Quadratmeter große Fläche.“

Tagsüber tummelt sich die 240-köpfige Legehybrid-Schar der Rasse „Lohmann Tradition“ mit unkupierten Schnäbeln unter freiem Himmel, und bei Einbruch der Dunkelheit ziehen sich die Tiere in ihre komfortable Stallung zurück. Der Innenbereich des Hühnermobils besteht aus zwei Ebenen. Im Obergeschoss befinden sich der Zugang zu den Legenestern, Tränken, eine Futterstelle und Stangen für die Nachtruhe, während das Erdgeschoss mit einem Kaltscharrbereich ausgestattet ist, in dem sich die Tiere bei schlechtem Wetter aufhalten, scharren oder Weizenkörner picken können. „Unsere Kinder streuen gerne eine Schaufel Weizen bei den Hühnern aus, und die Hühner freuen sich, wenn sie vorbeikommen“, berichtet die zweifache Mutter.

Die 31-Jährige weiß zwar, dass ihr freilaufendes Geflügel einer ständigen Gefahr durch natürliche Feinde ausgesetzt ist, doch bisher hat es noch keine Probleme mit Fuchs oder Marder gegeben. „Die größte Bedrohung kommt für unsere Hühner aus der Luft“, weiß sie, „doch bislang hat der Habicht unseren Bestand noch nicht reduziert.“

Weitere Informationen können online abgerufen werden: www.facebook.de/schierholzerwiesenei

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