Ehemalige Krebspatienten machen Rast in Barnstorf 

Hoffnung kommt auf Rädern

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Trotz des unfreundlichen Wetters trafen die Teilnehmer der Regenbogenfahrt gestern Nachmittag gut gelaunt in Barnstorf ein.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Teilnehmer der Regenbogenfahrt wurden gestern Nachmittag vom Wetter nicht verwöhnt. Immer wieder prasselte der Regen während der rund 90 Kilometer langen Etappe von Oldenburg nach Wagenfeld auf die Pedalritter nieder. Da kam der kleine Zwischenstopp in Barnstorf wie gerufen. Im Rathaus warteten Tee und Kaffee, dazu belegte Brote als kleine Stärkung für den Schlussspurt.

„Respekt vor Ihrer Leistung“, lobte Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers in seiner kurzen Begrüßung das sportliche Engagement. Die 50-köpfige Gruppe, bestehend aus ehemaligen jungen Krebspatienten, war bereits am Sonnabend in Hamburg zu ihrer rund 600 Kilometer langen Tour aufgebrochen. Die Teilnehmer hatten sich mit der 24. Auflage der Regenbogenfahrt wieder zum Ziel gesetzt, krebskranken Kindern und ihren Eltern Mut zu machen, aber auch der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass nach einer Krebserkrankung sportliche Höchstleistungen möglich sind. Darauf wies auch Mitorganisator Alexander Bahn hin, als er sich bei der Samtgemeinde Barnstorf für die Gastfreundschaft bedankte und ein gerahmtes Erinnerungsfoto von der Gruppe an den Verwaltungschef und die ebenfalls anwesenden Vertreter der Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) überreichte.

Auf dem Gruppenfoto zu sehen war auch David Schachtschneider, der schon im vergangenen Jahr an der Tour teilnahm, diesmal aber mit Knieproblemen zu kämpfen hatte und gestern Mittag in Wildeshausen vom Rad stieg und im Begleitfahrzeug weiterfuhr. Die Sehnenreizung nahm der 22-jährige Student aus München aber recht gelassen. Vielleicht auch in dem Wissen, dass es weitaus schlimmere Blessuren oder Erkrankungen gibt.

Herzlicher Empfang vor dem Rathaus: Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers (Mitte) und Igel-Vorsitzender Johann Knake (r.) begrüßten die Teilnehmer der Regenbogenfahrt und erhielten von Mitorganisator Alexander Bahn ein Erinnerungsfoto. J Fotos: Speckmann

Wie schon sein Bruder Lukas und sein inzwischen verstorbener Vater litt auch David Schachtschneider unter dem Myelodyspalstischen Syndrom (MDS), einer Erkrankung des Knochenmarks. Die Leukämie brach bei ihm zwar nicht aus, aber auch er musste sich einer Chemotherapie und schließlich einer Knochenmarktransplantation unterziehen. Drei Jahre liegt die Behandlung inzwischen zurück. „Ich fühle mich heute gut, sogar fitter als vorher. Ein ganz neues Lebensgefühl“, strahlte der 22-Jährige gestern Nachmittag bei der Rast in Barnstorf. Für ihn sei es ein schönes Gefühl, solche langen Radtouren wieder unternehmen zu können. Diese Erfahrung wolle er gerne an andere Menschen weitergeben, die an einer Krebserkrankung leiden würden, und ihnen damit Mut machen. Es sei ein gutes Zeichen, Leute zu treffen, die solche Lebensphasen hinter sich hätten und wieder gesund seien.

Mit Interesse nahmen David Schachtschneider und seine Weggefährten zur Kenntnis, dass es in Barnstorf eine Krebsberatungsstelle gibt. Allerdings mussten die Mitarbeiter und Vorstandsvertreter des Trägervereins auch mitteilen, dass die Zukunft der Einrichtung weiterhin ungewiss ist. Die Deutsche Krebshilfe, die 90 Prozent der Kosten trägt, hat angekündigt, die finanzielle Förderung zum Ende des Jahres einzustellen. „Es liegt noch kein tragfähiges Konzept mit Ablauf des 31. Dezember vor“, erklärte Vorstandsmitglied Wilfried Heitmann.

„Das wäre eine Katastrophe für die Region“, fügte Vorsitzender Johann Knake mit Blick auf eine drohende Schließung hinzu. Der Verein werde weiter kämpfen, auch in Kooperation mit weiteren 18 Beratungsstellen in ganz Deutschland, die ebenfalls von den Fördermitteln abhängig seien. Doch zurzeit würden sich Politik und Krankenkassen nur die Bälle hin- und herschieben. Bis Ende September müsse Klarheit herrschen, allein schon wegen der Arbeitsverträge, so Knake weiter.

Dass die Zukunft weiter in den Sternen steht, bereitet vor allem Einrichtungsleiterin Andrea van Legat und ihren drei Kolleginnen große Sorgen. Aber sie haben nicht nur Angst um ihren Arbeitsplatz, sondern vor allem um die zahlreichen Patienten und deren Angehörigen. Ohne Anlaufstelle würden sich die Betroffenen in großer Not befinden, erläuterten die Mitarbeiterinnen.

Wie wichtig solche Beratungsstellen gerade im ländlichen Raum sind, das konnten gestern Nachmittag auch die weit gereisten Gäste aus ganz Deutschland bestätigen. „Eine Erkrankung ist für einen selbst schlimm, aber auch für die Familienangehörigen. Da braucht man Unterstützung“, berichtete David Schachtschneider. Seine Familie habe unheimlich profitiert von einer Beratungsstelle in München.

Die Teilnehmer der Regebogenfahrt wünschten den Barnstorfern viel Erfolg im Kampf um ihre Beratungsstelle. Im Gegenzug gab es die besten Wünsche für eine gute Weiterfahrt auf der einwöchigen Reise, die am Sonnabend in Kassel enden soll. Ein Stück des Weges bis Wagenfeld schlossen sich Samtgemeindebürgermeister Lübbers und mehrere Igel-Vertreter trotz des Regens gerne an. Da gab es noch Gelegenheit zum Austausch.

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