Blauen Früchte auf Traditionshof der Familie Reeßing

Heidelbeer-Saison ist offiziell eröffnet

Erich Köhne freut sich über das Pflück-Angebot.

Schierholz - Von Gerhard Scheland. Die ersten Selbstpflücker sind schon am frühen Morgen da, andere kommen etwas später. Ziel ist für alle die vier Hektar große Heidelbeer-Plantage der Familie Reeßing in der kleinen Ortschaft Schierholz, in der Nähe des Traditionshofes, sehr einsam gelegen und angelegt auf einem humosen, sauren Boden. Ausläufer des Wietingsmoores bilden dort ideale Wachstumsvoraussetzungen. Eingerahmt sind die Sonderkulturen von weitläufigen Getreide- und Maisäckern. In den nächsten vier bis sechs Wochen ist die Ruhe auf dem Areal erstmal vorbei: Donnerstag ist auf dem Hof Reeßing die Heidelbeer-Saison angelaufen.

„Und viel billiger ist die Selbstpflücke auch“, sagt Inge Köhne. Sie ist froh über das Angebot von Familie Reeßing.

„Wir kommen jedes Jahr hierher, weil uns das Selberpflücken Spaß macht“, schaut Erich Köhne nur kurz hoch und hat schon die nächsten blauen Früchtchen im Visier. „Und viel billiger ist die Selbstpflücke auch“, ergänzt Ehefrau Inge. In gut einer Stunde haben sie ihre kleinen Eimer gefüllt, ebenso wie die ebenfalls morgens aus Diepholz angereiste Hella Alt. Noch kurz auf die Waage, bezahlen, und schon hat sich das Diepholzer Pflück-Trio für mehrere Tage mit den kalorienarmen blauen Beeren eingedeckt. Ganz in der Nähe greifen auch Sabine Rethwisch aus Düste und Lilli Kröger, eine Nachbarin der Familie Reeßing, immer wieder zu und füllen ihre mitgebrachten Körbchen mit leckeren, reifen Beeren.

Geöffnet ist auch der am Rande der Plantage aufgebaute Verkaufsstand. Dort bieten Reiner Reeßing (49), seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Bianca und der jüngste Sohn Gian-Luca (7) neben pflückfrischen Heidelbeeren in 500-, 1. 000- oder 2 .000-Gramm-Gebinden auch Marmelade und Säfte aus den vitaminreichen Früchten an. Unterstützt werden die Hofbetreiber von Sohn Lukas, dem 20-jährigen Hofnachfolger der Reeßings.

Öffnungs- und Pflückzeiten sind in den nächsten vier bis sechs Wochen („je nach Witterung“) jeden Donnerstag von 8 bis 12 Uhr sowie freitags und samstags jeweils von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Mit einem weiteren Verkaufsstand ist die Familie Reeßing an drei Tagen in der Woche beim E-Center in Diepholz vertreten. Der aktuelle Wochenpreis pro Kilogramm liegt zum Saisonauftakt für Selbstpflücker bei 2,60 Euro, für gepflückte Heidelbeeren bei 7,50 Euro.

Die Familie Reeßing hat sich auf ihrem Traditionshof, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, auf den Anbau von Sonderkulturen spezialisiert – im Sommer mit dem Schwerpunkt Heidelbeeren, im Winter mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen, die auf einer Gesamtfläche von 10 Hektar wachsen. Schon in naher Zukunft möchten sich Reiner, Bianca und Lukas Reeßing ein weiteres wirtschaftliches Standbein schaffen – mit dem Anbau von Aronia Apfelbeeren. Die Jungpflanzen sind im Herbst vergangenen Jahres gesetzt worden, mit dem ersten größeren Ertrag ist 2017 zu rechnen.

„Derzeit werden die Bio-Früchte überwiegend im ehemaligen Ostblock angebaut, in Russland und Polen auf einer Fläche von jeweils 6. 000 Hektar. Bei uns wird die aus Kanada stammende Beere dagegen noch recht stiefmütterlich behandelt. Die Anbaufläche in ganz Deutschland ist gerade mal 120 Hektar groß“, weiß der Hof-Senior. „Aronia wird einerseits als natürlicher Farbstoff verwendet, gilt getrocknet oder als Saft und Tee auch als vitaminreiches Nahrungsmittel“, ergänzt Reeßing. Erntezeit ist immer im Herbst.

Im Heidelbeer-Geschäft wünschen sich die Reeßings in Zukunft einen noch größeren Vermarktungsanteil durch Selbstpflücker. Der Grund: „Trotz des deutlich höheren Verkaufserlöses ist die Ernte durch saisonale Helfer einfach zu teuer.“

Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass die Familie Reeßing die ersten Heidelbeerpflanzen in den moorigen Boden gebracht hat. Von Jahr zu Jahr wurde die Anbaufläche größer, „und neue Sorten kamen auch dazu, frühe, mittlere und späte“. Die Vermarktung läuft jetzt seit drei Jahren, immer mit einem etwa 50-prozentigen Anteil an Selbstpflücke.

Auf dem Traditionshof der Familie Reeßing  können Besucher Hand anlegen und die Früchte selber ernten. - Fotos: Scheland

Reiner Reeßing hat seine Entscheidung pro Heidelbeeren bis heute nicht bereut. „Wenn die Pflanzen den richtigen Boden haben, dann entwickeln sie sich fast von allein“, hat der Hofbetreiber festgestellt. Will heißen: Heidelbeeren sind recht pflegeleicht und anspruchslos. Alle drei Jahre müssen die Sträucher vom Altholz befreit und in Form gebracht werden, das Gras zwischen den Reihen wird während der Vegetationsphase gemulcht, und gedüngt wird nur äußerst zurückhaltend mit Holzhackschnitzeln. „Bei der Bekämpfung von Krankheiten sind wir immer bemüht, auf den Einsatz chemischer Mittel zu verzichten“, versichert Reeßing.

Anders als im zum Teil trockenen sowie heißen Vorjahr können sich Heidelbeer-Liebhaber 2016 auf große blaue Früchte freuen. „Durch die ergiebigen Regenfälle der vergangenen Wochen hatten wir eine optimale Wasserversorgung“, fällt das Resümee Reeßings schon zum Saisonstart positiv aus. Auch deswegen, weil er für die Bestäubung im recht kalten Frühjahr Hummeln eingesetzt hat. „Die arbeiten effektiver als Bienen“, begründet er die Maßnahme.

Kulturheidelbeeren sind in Deutschland übrigens nach wie vor die meistgeernteten Strauchbeeren. In der Direktvermarktung steigt die Nachfrage ebenso wie in der Selbstpflücke. Die Anbauflächen sind mit etwa 2 .100 Hektar allerdings schon seit Jahren nahezu konstant. Geerntet werden bundesweit je nach Witterung zwischen 8.000 und 12.000 Tonnen Kulturheidelbeeren jährlich. Etwa 75 Prozent der deutschen Ernte fallen bei knapp 150 Heidelbeeranbauern auf niedersächsischen Anbauflächen an.

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