100 Gäste genießen Stück vom Kuchen des Weltdurchschauers Pago Balke

Ist Liebeskummer besser als Nierensteine?

Fällt für eine Liebesarie auf die Knie: Pago Balke.
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Fällt für eine Liebesarie auf die Knie: Pago Balke.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Herzlicher Empfang für Pago Balke: Etwa 100 Gäste drängen sich im Meyer-Köster-Haus in Barnstorf, um den Vollblutsatiriker, Sänger und Schauspieler zu erleben. Im Stammpublikum sitzen auch einige neue Gesichter, die den Weltdurchschauer endlich kennen lernen und an diesem Abend in die wahre Kunst der Liebe eintauchen wollen. Das ist nämlich das aktuelle Thema des beliebten Künstlers, der mit seinem wuselnden Mitstreiter Gerhard Stengert an einer Unzahl von Instrumenten auch musikalisch zu unterhalten weiß.

Mit dem Programm „Liebeslieder“, das am Samstagabend in Barnstorf eine Quasi-Premiere feiert, da erst zum zweiten Mal aufgeführt, hätte man nach dem Genre meinen können: „Da ruht sich Pago mal aus!“. Weit gefehlt: Mit vollem Einsatz tritt der Künstler in den Ring der schönsten Sache der Welt und dem tiefsten Seelenschmerz. Es macht sich die Hoffnung breit, die unergründliche Welt der Gefühle ein wenig besser zu verstehen, vielleicht sogar mit Humor zu nehmen.

Mit dem Thema macht Balke einmal mehr deutlich, dass er nie aufhört zu lernen. Er traut sich an die unterschiedlichsten Themenfelder des Lebens heran. Ob akrobatisch, satirisch, manchmal politisch und immer poetisch. Darüber hinaus ist er ein brillanter Musiker. Er lernt mit Gerhard Stengert neben dem Programm bühnenreife Töne auf der Marimba, begleitet sich selbst an Gitarre und Cajon.

Die beiden Männer, die an diesem Abend auf der Bühne im Meyer-Köster-Haus stehen, sind Multitalente. Sie beherrschen den Blues, den Rap, den Tango, den Swing, die Ballade und auch ein bisschen Dada, Rock und Pop. Mit Zwölftonmusik und Chanson bemühen sie Größen wie Georg Kreisler, Meister des bösen Humors, über den einst gesagt wurde: „Böse Lieder immer, böse sein nie…“.

Ein wenig mutet Balke an wie ein Fischer, der sich das Fernziel setzt: „Den großen Fisch will ich haben“. Und sich dann das passende Netz dazu knüpft, auf die Jagd geht, Geduld hat und sich letztlich der Erfolg einstellt. Die Facetten der Liebe kennt sicher jeder, aber Balke geht auf die Pirsch, sammelt und verknüpft die Liebe mit Musik und Erfahrung, spannt daraus ein Programm wie eine Gebrauchsanleitung. Zahlreiche Situationen und viele Eventualitäten kaut er mit Gerhard Stengert an schnell wechselnden Instrumenten durch. Er zerteilt Wörter und gibt ihnen den Doppelsinn. Er fragt sich, wie viel Bildschirm der Mensch in einer Beziehung braucht und ob „face-to-face“ nicht netter sei als „face-to-book“? Ist Liebeskummer besser sei als Nierensteine? Und wofür steht eigentlich der Ehering? Etwa für Ringen in der Ehe?

Plötzlich fällt Pago Balke vor dem Publikum auf die Knie und traut sich in brillanter Manier an Leonard Bernsteins Weltwerk „West Side-Story“, ausgerechnet an die Liebesarie „Maria“, heran. Chapeau! Dann besingt er die klassische Rollenverteilung und mutmaßt, dass heute „the sexiest man“ ein Mann mit Kochschürze, Dreitagebart und Einfühlungsvermögen ist. „Nach der Devise „Verloben heißt Sicherstellen und Weitersuchen“ entsteht ein skurriles Lied mit Namen „Einmachglas“ zu schräger Musik und Massenmörder-Haarmann-Feeling.

Der Künstler scheint geboren, um die Welt in Schauspiel, Musik, Gesang und Humor zu erzählen, und zwar auf nachhaltige Weise ohne tierischen Ernst. Er beklagt den „Mann ohne Liebe“ nach Kreisler und bewegt sich sprachlich auf internationalem Parkett: Plattdeutsch, Französisch, Spanisch, Finnisch und Pago-Balkisch. Ranzig, meint liebestoll, geht es auf „Waschbärs Winterreise“ von Ost nach West. Wäre da nicht die Maderfalle der Jäger gewesen. Schon Schubert komponierte eine Winterreise als Liederzyklus und Ausdruck höchster Gefühle. Bei Balke transportiert die der Waschbär. Das ist Balke und sein begeistertes Publikum im Hunte-Flecken, wohin er immer wieder gerne kommt.

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