Schließung stößt auf Kritik 

Sparkassen-Filialen: In Eydelstedt und Drentwede gehen die Lichter aus

Auch die Filiale an der Bahnhofstraße in Drentwede fällt dem Sparkurs der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz zum Opfer.

Eydelstedt/Drentwede - Von Thomas Speckmann. „Willkommen in einer von 16 000 Sparkassen-Geschäftsstellen!“ steht an der Eingangstür der Sparkasse in Eydelstedt. Dieser werbeträchtige Gruß hat in wenigen Wochen ausgedient. Der Standort an der Barver Straße wird nach mehr als 55 Jahren geschlossen. Aber nicht nur hier gehen Ende dieses Jahres die Lichter aus. Auch in der Nachbargemeinde Drentwede wird die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz ihren Filialbetrieb komplett einstellen.

Nach Angaben des Kreditinstituts werden die Kunden in diesen Tagen schriftlich in Kenntnis gesetzt. Die Bürgermeister der betreffenden Gemeinden sind bereits vorab von der Entscheidung unterrichtet worden – und alles andere als begeistert. Er habe schon geahnt, was da kommen würde, als er von der Sparkasse um ein persönliches Gespräch gebeten worden sei, berichtet Drentwedes Bürgermeister Theo Amelung auf Anfrage unserer Zeitung. Seine erste Reaktion auf die Schließung: „Ganz schlimm!“

Für seinen Amtskollegen in Eydelstedt kommt die Entwicklung ebenfalls nicht ganz überraschend, zumal ihm die Mechanismen nicht fremd sind. „Das ist der Zahn der Zeit“, sagt Friedrich Bokelmann, der sich als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Diepholz-Barnstorf in der Branche auskennt. Auch dort habe es vor Jahren ähnliche Diskussionen über Geschäftsstellen gegeben. Es kämen viele neue Herausforderungen auf die kleinen Banken zu. Insofern könne er den Schritt der Sparkasse durchaus nachvollziehen.

„Für manche ältere Bürger tut es mir leid“, fügt Bokelmann hinzu. Sie müssten nach der Schließung der Filiale, die am 15. Juli 1960 gegründet wurde, weitere Wege in Kauf nehmen, wenn sie ihre Bankgeschäfte erledigen wollten. Das gilt auch für die Kunden aus Drentwede, die nach den Plänen der Kreissparkasse ebenfalls in die größere Nachbarstelle nach Barnstorf kommen sollen. Da müssten künftig wohl die Angehörigen herhalten, um die Senioren zu chauffieren, befürchtet Amelung.

Service nicht mehr so gut wie früher

Ihn ärgert die Entwicklung der heimischen Geschäftsstelle, die seit dem 1. Oktober 1917 an der Bahnhofstraße besteht, schon seit einigen Jahren. Nach der Aufstellung des Geldautomaten seien Öffnungszeiten eingeschränkt und Entscheidungen weniger vor Ort, sondern zunehmend in Barnstorf oder Diepholz getroffen worden. Der Service sei nicht mehr so gut wie früher, als es noch ein intensives, persönliches Bemühen um Kunden gegeben habe, meint der Kaufmann.

Dass nun kleine Geschäftsstellen dicht gemacht werden, um Kosten zu sparen, hält Amelung für den falschen Weg. Er lenkt den Blick auf Kreisebene und regt einen Zusammenschluss der Kreissparkassen Grafschaft Diepholz und Syke an. „Das wäre wirtschaftlich“, sagt Amelung, der als Kreistagsmitglied schon häufiger mit dem Thema konfrontiert wurde. Doch der Fusionsgedanke stieß in Politiker- und Bankenkreisen bislang auf wenig Zuspruch.

Wirtschaftliche Entscheidung

Die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz begründet ihre aktuelle Entscheidung vornehmlich mit wirtschaftlichen Aspekten. Sie weist in diesem Zusammenhang unter anderem auf ein „deutlich verändertes Kundenverhalten“ hin. Das dichte Filialnetz sei in den 1960er und 1970er Jahren aufgebaut worden, als Kunden für sämtliche Basisdienstleistungen in die Filialen kommen mussten. Inzwischen würden die örtlichen Sparkassen immer weniger für alltägliche Aufgaben aufgesucht. Kunden würden ihre Geschäfte per Online-Banking oder Telefon abwickeln und könnten Kontoauszüge am heimischen Computer ausdrucken.

Ihr Bargeld haben die Kunden bislang an Automaten in Eydelstedt und Drentwede ziehen können. In Zukunft müssen sie sich anderweitig bedienen, denn mit den Geschäftsstellen verschwinden auch die Geräte. „Die Nutzerzahlen der heute dort stehenden SB-Geräte sind sehr gering. Mit einer Steigerung ist aufgrund der Lage kaum zu rechnen. Eine Aufrechterhaltung wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten“, erklärt die Sparkasse auf Nachfrage. Anders scheint die Situation an den Standorten Lembruch und Ehrenburg zu sein. Dort ist eine Umwandlung zu reinen Selbstbedienungsräumen vorgesehen.

Und was bedeutet die Ausdünnung des Filialnetzes für die Mitarbeiter? Nach Angaben der Sparkasse ist in Eydelstedt eine Teilzeitkraft beschäftigt, in Drentwede sind es zwei Teilzeitkräfte. Sie sollen in Barnstorf eingesetzt werden und dort ihre Kunden weiter betreuen, heißt es. An den verbleibenden zwei Standorten in der Samtgemeinde Barnstorf müssen sich die Mitarbeiter offenbar keine Sorgen machen. „Aktuell sind keine weiteren Schließungen geplant, auch nicht in Drebber“, teilt die Sparkasse mit.

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