Kunst von Nicole Clöer im Barnstorfer Rathaus zu sehen

Ausstellung: Transformation von Naturansichten in Abstraktion

„Farben der Natur“: Lehrerin und Künstlerin Nicole Clöer aus Stuhr vor einem ihrer Werke. - Foto: Brauns-Bömermann

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Sie ist 2016 zur Europa Künstlerin von der Europa Union Leverkusen gekürt worden, ließ ihre Werke in der Wanderausstellung „Mir ist so dada im Kopf“, einer Mail-art Ausstellung von Berlin, Köln nach Zürich mitwandern und wurde in der Südsee zum Ehrenmitglied der Académie des Beaux Arts Saint-Louis in Französisch-Polynesien. Die Rede ist von der in Bremen geborenen Lehrerin und Künstlerin Nicole Clöer aus Stuhr, die am Freitagabend ihre Ausstellung „Farben der Natur“ im Rathaus in Barnstorf eröffnete.

Was die viel zu wenigen Besucher der Vernissage erlebten, kann als vollständige Transformation von Naturansichten in Abstraktion benannt werden.

„Falls Sie noch glauben, sie verstünden die Werke ohne die helfenden Titel, irren Sie“, beschrieb es Kunsthistorikerin Dr. Wiebke Steinmetz aus Ganderkesee in ihrer Einführung. Ein wenig hatte sie recht, denn Titel der Ausstellung, die Einzeltitel der Bilder und die Betrachtung brachten erst den Aha-Effekt für die Betrachter.

Bei einem Künstlersymposium 2007 in Lüben waren Titel wie „Reifer Hafer“, „Kornfeld“, „Heidebild“, „Holunderblüte“ oder „Magnolienbaum“ in der dem Pointillismus verwandten Malart entstanden.

„Nicole Clöer durchdenkt und strukturiert streng, malt und tupft in einen strengen Ordnungssystem bei einem sensiblen abgestuften Hintergrund“, erläuterte Dr. Wiebke Steinmetz. Dabei sei eine Korrektur der Punktbilder, die ornamental, gerastert, wie ein Strickmuster oder eine hoch aufgelöste Verpixelung anmuten, schwer. Sie würde das Bild zerstören.

So setzt die Kunsthistorikerin ein hohes Maß an Akribie, Ruhe, Muße, Vehemenz bei Clöer voraus. Die Gedanken, die Clöer in der Natur aus Eindrücken sammelte transformiert sie in reine Farbe, reduziert sie mittels Raster. Lässt aber nicht, wie die Pointilisten in der Summe Punkt an Punkt oder Fleck an Fleck durch das optische System der Augen der Betrachter wieder ein rationales Bild entstehen, sondern geht ein Stück weiter. Sie gibt Punkt, Raster und vor allem der Farbe viel Raum, lässt alle gemeinsam vereint auf der Leinwand den Eindruck zum jeweiligen Titel zu. Manchmal erscheint der Auftrag der Farbe formelhaft, gar nicht so gleichförmig und haptisch. Die Abstraktionen werden zu poetischem Ausdruck und die Farben erzeugen eine Stimmung im Betrachter.

Das „Kornfeld“ reduziert sich auf alle Töne in Gelb-gold, die „Heide“ in Aubergine-Abstufungen, der „Reife Hafer“ in aller Pracht der reifen Farben eines Spätsommertages.

„Isaac Newton erkannte schon: Licht ist nicht gefärbt, Farbe ist in uns, sie entsteht im Hirn“, steigt die Kunsthistoriker ein. Ganz sicher hat Clöer bei ihren Studien in Paris Bekanntschaft mit dem Informel gemacht. Der künstlerischen Haltung, die das klassische Form- und Kompositionsprinzip ablehnt. Es beschreibt vielmehr ein Prinzip der Formlosigkeit im Spannungsfeld von Formauflösung und Formwerdung.

Clöers Werke beinhalten die Suche nach optischen und emotionalen Möglichkeiten. Mit dem Ergebnis, dass geometrische Formen und Raster neue Ideen zu Raum, Materie und Energie liefern.

Wie Victor Vaserely mit geometrischen Mitteln eine eigenständige geometrische Abstraktion entwickelte, deren Variationen sogar zu optischen Bildmustern mit kinetischen Effekten führten, stimulieren die grafischen Arbeiten von Clöer den Sehapparat. Im Grunde reduziert sie ihre naturalistischen Eindrücke auf reine Farbe.

Gegen so viel Abstraktion wirken die Bienenbilder im Obergeschoss des Barnstorfer Rathauses mit Blattgold hingehauchten Flügeln, im Schwarm, als Biene oder Drohne, als Königin, bei viel Futterangebot und wenig, possierlich.

„Mir sind die Bilder zauberhaft ans Herz gegangen“, benennt es Wiebke Steinmetz. Das ist ein Stück erlebte Natur, reduziert auf das Wesentliche: Die Biene selbst, die Blumen als Nahrungsgrundlage und den Jahreskreislauf. Man riecht das Lavendelfeld in Öl-Pastell-Kreide, man hört die Bienen summen, man hört das aufploppen des blauen Blumenteppichs im Frühling bei Nicole Clöer in Stuhr, die sie additiv und simpel malte.

Hoffentlich gehen die Besucher im Rathaus erst an die Bilder nah heran, lesen dann die Titel, treten ein Stück zurück, schauen erneut und sagen: Ja, so ist es!

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