„Zirkus des Horrors“ feiert mit stehenden Ovationen Premiere auf der Bürgerweide

Clowns in Leichensäcken

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Horror im Zirkus.

Bremen - Von Steffen Koller. Düster, geheimnisvoll und einfach verrückt: Der „Zirkus des Horrors“ feierte auf der Bremer Bürgerweide Premiere und sorgte neben Schockmomenten auch für Gänsehaut und stehende Ovationen. Wer hinter der Show einen „normalen“ Zirkus erwartet, der irrt. Das Ganze ist definitiv nichts für schwache Nerven.

Alterskontrolle beim Zirkus? Ja, das gibt es und es ist bei der Show „Inquisition – Die Folterkammer“ auch vollkommen berechtigt. Denn die zweistündige Aufführung spart nicht gerade mit grausigen, zum Teil schockierenden Szenen. Ab 14 Jahren ist der Eintritt gestattet, doch auch hartgesottene Horrorfans müssen ein ums andere Mal ganz tief durchatmen.

Haken werden durch die bloße Haut gebohrt, um später Seile daran zu befestigen. Spritzen kommen zum Einsatz, Nägel werden durch die Nase gehauen, Blut ist zu sehen. „Oh Gott! Oh, mein Gott!“, rufen einige Zuschauer durch das 1 400 Menschen fassende Zirkuszelt. Würde es nicht so dunkel sein, manch einem würde man wohl die fehlende Gesichtsfarbe sofort anmerken.

Zeichnet sich die zweite Hälfte der Show durch eine reine Reizüberflutung aus, bei der man gar nicht so recht weiß, wohin man als erstes schauen soll, kann der Anfang der Darbietung getrost als Kindergeburtstag bezeichnet werden. Nicht im Sinne der dargebotenen Akrobatik, der Feuershow und der Clownseinlagen. Nein, eher im Sinne dessen, was später an Abstrusitäten zu sehen ist. Untermalt mit Musik von Marylin Manson und der Band „Rammstein“ erklimmen Artisten das „Rad des Todes“, lassen sich in fast zehn Metern Höhe durch die Luft wirbeln, Frauen verbiegen ihre Körper, als wäre ihnen der Begriff „Wirbelsäule“ komplett fremd – und Clowns werden in Leichensäcken vorgefahren.

Dieser Zirkus ist anders und hat wohl auch genau dort seine Stärken – und sein spezielles Publikum. Das geht bereits am Eingang los. Anstatt locker-lässig sich seinen Platz zu suchen, werden die Besucher durch ein „Labyrinth der Angst“ geführt.

An jeder Ecke warten Untote, Clowns, Männer mit Kettensägen – und sogar kleine Kinder mit Kunstblut und Messer „attackieren“ die Zuschauer. Akrobatisch sind viele Nummern gut, zeugen von Körperbeherrschung und fordern großen Respekt ab. Doch können sie im Vergleich zu anderen Zirkussen nichts vollends überzeugen. Eine Zuschauerin sagt nach der Show: „Schlechte Nummern gut verpackt.“ Soweit zu gehen, würde dem Ganzen nicht gerecht werden, überzeugt „Inquisition“ doch vor allem mit Atmosphäre und Details.

"Zirkus des Horrors“ in Bremen

Gerade die ausgefallenen Kostüme, die Lichtshow und verschiedenen Charaktere wirken authentisch. Hinzu kommen Popcorn mit Kunstblut aus Lebensmittelfarbe oder blubbernde Getränke mittels Trockeneis, die den Besuch zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Wer auf hochklassige Akrobatik setzt, wird vielleicht enttäuscht werden, doch ein Besuch im „Zirkus des Horrors“ lohnt sich allemal. Denn eines steht fest: Das Konzept ist mutig. Und Mut sollte belohnt werden.

Die Show ist noch bis zum 21. August auf der Bürgerweide zu sehen.

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