Bremer Landesbank eröffnet ihren Neubau

Ziegel, Rundbögen und Licht

Charakteristisch – der ovale Innenhof.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Am Ende haben sie einfach aufgemacht. Ohne Reden, ohne Feier, ohne Brimborium. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit sind die Arbeiten zum Abbruch und Neubau der Bremer Landesbank beendet – am Domshof und zugleich an einem der markantesten Plätze in der Innenstadt, gleich neben dem Weltkulturerbe Rathaus. Die Landesbank öffnete ihren Neubau gestern dennoch in unruhiger Zeit – durch die Schifffahrtskrise ist das Haus in schweres Fahrwasser geraten.

„Wir wollten keinen Anlass für Kritik bieten“, begründet Vertriebsvorstand Dr. Guido Brune den Verzicht auf die sonst üblichen Eröffnungsfeierlichkeiten. „Die Schifffahrtskrise setzt sich fort, da wird nicht so schnell Entspannung kommen.“

Charakteristisch – der ovale Innenhof.

Einzige Ausnahme ist ein für heute, Dienstag, geplanter Empfang für alle, die an den Bauarbeiten beteiligt waren. „Als Dank“, so Brune. Auch die Standbetreiber vom Domshof-Markt hat er schon einmal durchs neue Haus geführt – als „Verbeugung“ vor ihrer Geduld während der Bauphase. Mit der Eröffnung ist das Projekt im Zeitrahmen geblieben – und auch die geplanten Kosten von etwa 50 Millionen Euro wurden nicht überschritten, sagt Brune. Das entspreche Herstellungskosten von unter 2.000 Euro je Quadratmeter. In den Kosten seien auch die Maßnahmen zur Sicherung der historischen Fassade (an der Seite zum Liebfrauenmkirchhof) und deren Sanierung enthalten.

Alt und neu – die erhaltene und nun integrierte historische Fassade und die neue Fassade der Bremer Landesbank. Kran und Fensterputzer-Fahrkorb gehören zum Haus. - Foto: Kuzaj

Der Haupteingang indes liegt dort, wo zuvor der Landesbank-Bau von 1969/70 gestanden hat, der als nicht mehr zeitgemäß für die Abläufe einer modernen Bank galt – am Domshof, der durch den Landesbank-Bau und auch die Aktivitäten auf der gegenüberliegenden Seite („Manufactum“ und Markthalle im früheren Gebäude der Bremer Bank) einen deutlichen Entwicklungsschub bekommt. Landesbank-Kunden betreten die Kassenhalle mit dem zwölf Meter langen Tresen nun durch ein kunstvoll gemauertes Portal mit ohne Schablone gemauerten Rundbögen, das auch noch eine zweite Scheibe bekommt – eine nämlich ging beim Einsetzen kaputt, wie Brune berichtet. Innen dominieren Holztöne neben dem Stein: Eiche, dunkel gebeizt und geraucht. „Damit verliert die Eiche das Gelbe.“

Blick in die Eingangshalle der Landesbank, die sich gleich hinter dem Domshof-Portal öffnet. - Foto: Kuzaj

Die Ziegel wiederum stammen aus der Ziegelei Deppe in der Grafschaft Bentheim. Die Fassade, deren Struktur auch Elemente des Nachbarbauwerks Rathaus zitiert und in die Gegenwart führt, ist ein detailliert durchkomponiertes Werk (Architekt: Peter St. John von Caruso St. John Architects, London). „64 verschiedene Ziegel“, so Brune. „Das ist logistisch nicht ohne.“ Die feine Arbeit – „echtes Handwerk“, lobt der Banker. Die Eingangshalle ist hoch, aber nicht laut, die Akustik wirkt gut. Zu verdanken ist das einer Spezialdecke. Dazu erzählt Brune eine weitere Geschichte aus der Bauzeit: „Die Decke war gerade fertig, das Gerüst abgebaut – da ist übers Wochenende eine Taube hereingekommen und hat dann vergeblich versucht, wieder herauszufinden.“ Anschließend musste das Gerüst wieder aufgebaut werden, um die Akustikdecke zu sanieren.

Keine Decke braucht ein weiterer „Hingucker“ des Landesbank-Neubaus – der ovaler Innenhof. Er sorgt dafür, dass natürliches Licht in die Büroräume fällt. Und er ist tagsüber öffentlich zugänglich. Ein schöner Platz – ganz ohne Brimborium.

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