Bürgerschaftspräsident wird 70

Christian Weber: „Wunderschöne Aufgabe“

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Same procedure as every year: Der Präsident testet den neuen Matjes.

Bremen - Von Jörg Esser. Er ist ein Vollblutpolitiker, ein sozialdemokratisches Urgestein. Und Christian Weber ist der Präsident. Präsident der Bremischen Bürgerschaft. Seit Juli 1999. Heute wird der „gelebte und bewusste Hastedter“ 70 Jahre alt.

„Bürgerschaftspräsident, das ist eine wunderschöne Aufgabe“, sagt Weber. Er ist in seine Aufgabe reingewachsen, mittlerweile quasi festgewachsen. „Das Parlament ist das Wichtigste“, sagt Weber, „alles andere ordnet sich da ein.“ Politiker, Parteien.

Weber, geboren am 1.  Juli  1946 im schlesischen Krobsdorf, landet während des Lehramtsstudiums Mitte der 70er Jahre in Bremen (und eben in Hastedt). Und er engagiert sich in der neuen Heimat politisch – bei der SPD, der er seit 1972 angehört. Willy Brandt gehört „mit seiner Gradlinigkeit und Biographie“ zu den Menschen, die ihn politisch motiviert haben. Und Gustav Heinemann.

Weber wird Ortsvereinsvorsitzender in Hastedt, Beiratssprecher in Hemelingen, Sprecher des Gesamtbeirats. Basisarbeit eben. Am 10. September 1990 zieht er in die Bürgerschaft ein. Die SPD regiert noch mit absoluter Mehrheit, Klaus Wedemeier ist Bürgermeister und Präsident des Senats. Es kommen Ampel-Zeiten und dann im Mai 1995 eine desaströse Wahl für die Sozialdemokraten, die nur noch ganz knapp vor der CDU landen. Es folgt eine Urabstimmung der SPD-Mitglieder, die den Genossen Henning Scherf als Regierungschef und eine rot-schwarze Koalition mit zwei nahezu gleichstarken Partnern beschert. Für Weber fällt eine zentrale Rolle ab – er wird SPD-Fraktionschef und laviert die große Koalition mit seinem CDU-Partner Roland-Mike Neumeyer durch vier rot-schwarze Jahre. Weber blickt zurück: „Das waren erfolgreiche Jahre, eine politisch sehr angenehme Arbeitsteilung.“ Und weiter: „In der Stadt herrschte Aufbruchstimmung.“

Platz frei: Ganz oben im Parlament

Neue Wahl, neues Glück. Die SPD hängt die CDU wieder ab, die große Koalition macht weiter. Für Christian Weber springt kein Posten in der Landesregierung ab. Doch einer ganz oben im Parlament. Weber wird am 7.  Juli 1999 zum Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft gewählt. Und eben diese Funktion bekleidet er noch heute. „Dass ich solange im Amt bleibe, habe ich auch nicht gedacht“, sagt er.

Ein „Grüß-August“ wollte Weber nie sein. Ist er auch nicht geworden. Aber Matjes-Liebhaber. Die alljährliche Eröffnung der Matjes-Saison zählt neben Schaffermahlzeit und Stiftungsfest der Eiswette zu den Pflichtaufgaben des Präsidenten. Weber zelebriert die Matjes-Probe mit Hingabe, Leidenschaft und Appetit. Der Hastedter ist Vorsitzender der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe und Präsident des Bremer Turnverbands. Und so weiter.

Zurück ins Hohe Haus. Der Präsident eckt mit Personalentscheidungen schon mal an und fällt auf die Nase, unter anderem, als er seine Genossin, Ex-Sozialsenatorin Karin Röpke, zur Bürgerschaftsdirektorin machen will. Weber – Vater, Opa und Werder-Fan – macht die Bürgerschaft zu einem offenen Haus. „Wir haben unendlich viele Ausstellungen auf die Beine gestellt.“ Das Parlament ist auch zur Theaterbühne geworden. Weber sagt: „Die Bremer haben sich mit diesem Haus angefreundet.“ Das Haus der Bürgerschaft mitten in der Stadt soll „Offenheit und Transparenz“ symbolisieren. Und die Bremer sollen zur Wahl gehen, ihr demokratisches Recht nutzen. Auch dafür kämpft Weber.

Das nach den Plänen des Berliner Architekten Wassili Luckhardt entworfene Parlamentsgebäude wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Und es hat gute Chancen, den international renommierten Architekturpreis „Nike“ zu gewinnen, der alle drei Jahre durch den Bund Deutscher Architekten (BDA) vergeben wird. Das Gebäude ist in der Kategorie „Klassik“ nominiert worden. „Der Charakter dieses Hauses ist einzigartig, von der Liebe und dem unerbittlichen Willen zur Demokratie geprägt“, sagt Weber.

Der Präsident hat nach eigenen Angaben das schönste Büro in diesem Haus. Sein Mietvertrag läuft bis zum Ende des Legislaturperiode, Mitte 2019. Dann ist er 20 Jahre Präsident. Sein Vorvorgänger Dieter Klink hat es auf eine Amtszeit von 24 Jahren gebracht. Heute feiert Weber erst einmal Geburtstag. Und morgen guckt er das EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien. In Hastedt.

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