Was in diesem Fall als Miniaturaufnahme im Zoo gefilmt wurde, erschien einige Monate später – beim Viertelfest 2008 – meterhoch auf einer Hausfassade im Steintor. Dort erweckte die Projektion bei den Zuschauern den optischen Eindruck, als würden riesige Ameisen das Gebäude zerteilen und abtragen. Dazu musste die Videoprojektion passgenau auf die Architektur des Hauses zugeschnitten werden. Erst dadurch entwickelten sich die faszinieren Effekte. „Die architektonischen Elemente werden aktive Mitspieler“, sagt Engels. Für diese Verbindung von Architektur, Fiktion und Licht erhielt „Urbanscreen“ jüngst den „Silbernen Löwen“ des „Cannes Lions International Advertising Festivals“.
„Urbanscreen“ bringt ganze Häuser „zum Träumen“. Die Gebäude samt Fenstern, Erkern und Winkeln werden in die Videodarstellung miteinbezogen und genutzt, um eine individuelle Geschichte zu erzählen. Je moderner die Architektur, desto größer die Herausforderung, erzählt Engels. So beispielsweise auch bei dem jüngst ausgezeichneten Projekt „555 Kubik“, das die Hamburger Kunsthalle gut 17 Minuten lang in einen „lebenden“ Körper verwandelte. Mauersteine spielten La Ola, spiegelten die Umgebung wider, brachen auf, verschwanden.
Begonnen hatten die späteren Firmengründer Till Botterweck, Thorsten Bauer und Engels 2006 mit etwas weniger komplexen Projekten. Zum Beispiel mit einem interaktiven Flipperspiel an einer Hausfassade auf dem Viertelfest 2007: Von der Straße aus bedienten die Zuschauer den projizierten Flipperautomaten. Die Kugel aus Licht sauste über die Hauswand, Fenster blinkten auf und entsprechende Geräusche begleiteten das Spiel. Bei einer anderen Installation kletterten fiktive Menschen an einer Fassade von Fenster zu Fenster, verschwanden im Inneren oder hangelten sich hinaus. Zum Teil wurden diese Abläufe an einer maßstabsgetreuen Kulisse mit Artisten gefilmt, zum Teil wurden die Effekte rein digital erzeugt.
Mittlerweile gibt „Urban screen“ internationale Workshops und arbeitet mit verschiedenen Hochschulen zusammen. Das junge Unternehmen beschäftigt bis zu zehn freie Mitarbeiter und einen Auszubildenden.
Nächstes Jahr zeigt es unter anderem eine mehrstündige Projektion für eine Opernkulisse des Bremer Theaters. „Das wird richtig spannend, mit komplexen und sich ändernden Bühnenbildern“, freut sich Engels.
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