Der „Miniverse“-Erfinder und Fotograf Ulrich Graf-Nottrodt im Gespräch

Die Welt im Kleinen

Mit der Leiter den Pilz erklommen – „Miniverse 237“, eine Arbeit des Bremer Fotografen Ulrich Graf-Nottrodt. - Foto: Graf-Nottrodt

Bremen - Von Ulla Heyne. Wenn am Sonntag, 5. Juni, beim Schwachhauser „Kulturspaziergang“ mehr als 20 Künstler ihre Ateliers und Werke präsentieren, lädt auch Ulrich Graf-Nottrodt zur Finissage der Fotoausstellung „Miniverse“ ein. Seit Februar stellt der Bremer Künstler im Medienhaus an der Schwachhauser Heerstraße seine skurrilen Fotografien mit kleinen Modellbaufiguren im Maßstab 1:87 aus. Wir sprachen mit dem Fotografen über sein 365-Tages-Projekt und die Hintergründe.

Was macht die Faszination der Welt im Kleinen für Sie aus?

Ulrich Graf-Nottrodt: Es sind die Größenunterschiede, die den Reiz ausmachen. Sie laden dazu ein, in die Lilliput-Rolle zu schlüpfen, Bildszenen zu schaffen, die schräg oder witzig sind.

Wie sind Sie auf die Miniaturwelten gekommen?

Graf-Nottrodt: Inspiriert haben mich die Arbeiten von Slinkachu, einem britischen Streetart-Künstler. Ein weiterer wichtiger Impuls war ein Besuch im „Miniatur-Wunderland Hamburg“. Die Geschichten und Szenen, die dort durch die vielen Figuren erzählt werden lassen die Modelleisenbahnen in den Hintergrund treten.

Und wie kam es zur 365-Tages-Challenge, deren Ergebnisse die Grundlage für die Ausstellung im Medienhaus bilden?

Graf-Nottrodt: 2009 hatte ich schon mal ein Foto-Jahresprojekt durchgeführt, aber ohne besonderes Thema. 2013 habe ich mich mit dem Figuren-Motto selbst noch einmal herausgefordert – herausgekommen ist „Miniverse“.

Die Szenen leben ja von sehr detaillierten Figuren. Woher bekommen Sie die?

Graf-Nottrodt: Einige habe ich mir auf Ebay besorgt, andere bei deutschen Herstellern bezogen, die auch das „Miniatur-Wunderland“ beliefern. Mittlerweile habe ich einen Schuhkarton voll; um die 500 werden es wohl sein.

Wie entstehen Ihre Szenen? Haben Sie eine Idee vor dem geistigen Auge – oder gehen Sie von den Gegenständen oder den Figuren aus?

Ulrich Graf-Nottrodt, Fotograf und „Miniverse“-Erfinder aus Schwachhausen. - Foto: Heyne

Graf-Nottrodt: Das kann in jeder Richtung funktionieren. Einerseits hatte ich besondere Figuren und habe mir überlegt: „Was können die machen?“ Andererseits hatte ich zum Beispiel einen Schokokuss und habe mich gefragt: „Was kann mit dem passieren?“. Bis ich auf die Taucher kam, die darin abtauchen. Manche Motive sind geplant, wie die Mausefalle mit umgekehrten Rollen – Mäuse fangen den kleinen Mann –, aber die meisten sind spontan entstanden.

Immer auf der Suche nach Motiven aus der Sicht der kleinen Leute: Sieht man die Welt anders? Und lässt sich diese Blickweise überhaupt noch abschalten?

Graf-Nottrodt: Ich achte schon mehr auf Details – selbst in der Küchenschublade finden sich Motive. Während des 365-Tage-Projekts wurde das schon mal zur Obsession. Aber es gab auch andere Momente, wenn sich kein Motiv einstellen wollte, wo ich kurz vor dem Abbruch stand. Dann meinte meine Frau: „Mach weiter, ich habe da noch eine Idee!“ Sie hat so meine Motivation gefördert.

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