Erzählfestival „Feuerspuren“

Voller Körpereinsatz

Ragnhild Morch erzählt mit den Armen, ihrem Gesicht und zusätzlich auf Deutsch und Norwegisch eine Geschichte über Gier und das Salz im Meer. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Trotz Regens ist am Sonntag einiges los auf der Lindenhofstraße in Gröpelingen. Feuerkünstler erobern die Bühne und sind schnell von einer Menschenmenge umgeben. Auch, wenn das Wetter keine Hilfe für das Erzählfestival „Feuerspuren“ ist, kommen die Gäste und suchen zügig die offenen Geschäfte auf, die den Erzählern als Bühne dienen.

Ragnhild Morch, geboren in Norwegen und mittlerweile in Berlin lebend, nutzt ein Jurte-Zelt als Auftrittsort. Morch erzählt wie eine Schauspielerin, abwechselnd auf Norwegisch und Deutsch. Auch die Arme und der Einsatz des Körpers gehören zu ihrer Erzählung. Sie erzählt von zwei Brüdern, der eine reich, der andere arm. Beide heißen Hans. Als der arme Hans den reichen zu Weihnachten um etwas Holz und Essen bittet, bekommt er einen Schinken, muss aber die Anweisung seines Bruders erfüllen. Diese ist recht schlicht: „Fahr zur Hölle!“ 

Morch stellt das aufbrausend dar, ein wenig wie ein Snob, ein wenig wie ein Monster im Horrorfilm. Danach springt sie sofort in die Rolle des zusammenzuckenden Bruders, der kleinlaut von dannen geht. Er sucht und findet die Hölle und tauscht dort beim Teufel persönlich den Schinken gegen eine magische Handmühle, die Wünsche erfüllt. Einfach die Mühle nach rechts drehen, den Wunsch sagen, dann die Mühle nach links drehen und schon wird der Wunsch erfüllt. 

So wird der arme Hans reich. Sein reicher Bruder kauft ihm schließlich die Mühle ab, bestellt zwei Schlösser und dazu noch zwei Paläste. Schließlich ordert er versehentlich so viel Suppe, dass er fast darin umkommt. Der Schreck sitzt tief. Er muss seinem ehemals armen Bruder noch einmal Geld geben, damit er die furchtbare Zauber-Mühle zurücknimmt.

Der ehemals arme Hans verkauft die Mühle nochmal, diesmal an einen reichen Salzhändler. Als dieser mit der Mühle auf seinem Schiff abreist, kann er es gar nicht erwarten, sie in Betrieb zu nehmen. Er wünscht sich eine Unmenge Salz. Der Wunsch wird erfüllt. Das Schiff geht unter. „Noch heute liegt die Mühle auf Meeresgrund und macht das Meer salzig“, sagt Morch am Ende des norwegischen Volksmärchens, das unter sehr verschiedenen Namen im Umlauf sei.

Nicht so professionell, aber dafür bunt sind Erzählungen an einem Kamishibai-Fahrrad. Am Lenker befindet sich eine Mini-Bühne mit Bildern zum Herausziehen. Auf dem Rad ein bunter Schirm. Man sieht sofort: Die Kunstform kommt aus Japan. „In den 50er Jahren fuhren die Kamishibai in die kleinen Dörfer, verteilten dort Süßigkeiten und erzählten Geschichten mit Bildern dazu“, sagt Dominika Pioskowik vom Verein „Kultur vor Ort“.

Sie hat mit 13 Jugendlichen aus einem Vorkurs der Oberschule Gröpelingen zwei Erzählungen vorbereitet. Zusammen mit den Bildern können auch Sprachanfänger Geschichten erzählen wie „Nataschas Abenteuerreise“ über ein Mädchen, das auf einer Weltreise viele Sprachen lernt und schließlich bei einem Wettbewerb ein Hotel gewinnt. Bei dieser Gelegenheit können auch Migranten in ihrer Muttersprache und im neugelernten Deutsch etwas beitragen.

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