Neue Amerika-Ausstellung im Übersee-Museum 

Vielfalt, Mythen, Widersprüche

Amerikanische Mythen – vom Tellerwäscher zum Millionär werden, als Goldgräber zu hart erarbeitetem Wohlstand kommen, den „amerikanischen Traum“ leben. Diese Fotografie aus dem historischen Archiv  des Übersee-Museums zeigt Goldgräber in der Zeit um 1900.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir können Amerika im 21. Jahrhundert nicht ohne Einwanderung verstehen“, sagt Professorin Wiebke Ahrndt, die Direktorin des Übersee-Museums. Wie berichtet, ist in dem Haus ab 5. November die komplett neu konzipierte und gestaltete Amerika-Dauerausstellung zu sehen. Das Begleitbuch dazu kommt schon jetzt heraus. Das Übersee-Museum widmet Amerika die akuelle Ausgabe seines „Tendenzen“-Jahrbuchs.

„Das Buch zur Ausstellung ist mehr als ein Katalog“, so Ahrndt. Im Grunde folgt es der Struktur der Ausstellung mit den Themenschwerpunkten Einwanderung, Religion, Politik und Gesellschaft sowie Welthandel. Zusätzlich aber werden einzelne Themen vertieft oder aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Wie kommt es, dass Nord- und Südamerika so unterschiedlich sind? Wie hat sich die religiöse Vielfalt – vom „protestantischen Flickenteppich in den USA bis zum Totenkult in Mexiko – entwickelt? Wie geht es zu im Spannungsfeld zwischen Imperialismus und „Weltpolizei“? Lauter Themen, die in dem Buch behandelt werden.

Eingestreut sind – unter anderem – Ausflüge in Flora und Fauna von den Dinosauriern bis in den Amazonasregenwald. Ein Aufsatz dreht sich um Kakteen: „Es ist schwer, sich eine andere Pflanzengruppe vorzustellen, die so charakteristisch für Amerika ist wie die Familie der Kakteen mit ihren mehr als 1 450 Arten“, heißt es da.

Und es geht – natürlich – um das Wirken und Wandern des Menschen. Die Ausstellung präsentiert Amerika als Einwanderungskontinent. Es ist die Grundthese, um die sich alles Weitere dreht; die These, die eben den Schlüssel dazu bieten soll, das Amerika der Gegenwart zu verstehen – in all seiner Vielfalt, mit all seinen Mythen und Widersprüchen. Ein markantes Datum ist da die „Entdeckung“ Amerikas im Jahr 1492. „Der Mensch hat diesen Kontinent mehrfach komplett umgekrempelt“, so Ahrndt.

Eine zusätzliche Perspektive bieten Beiträge, die nichts anderes sind als ganz persönliche – sprich: subjektive – Blicke auf den Kontinent Amerika. Dr. Hartmut Roder etwa, Leiter der Abteilung Handelskunde, beschreibt, wie sich sein USA-Bild verändert hat. Von der schwärmerischen und emotional geprägten Einstellung des Nachkriegsjungen und Jugendlichen hin zur kritischen Sicht des Erwachsenen – vom Vietnamkrieg in den 60ern bis zur US-Außenpolitik der Gegenwart.

Ein wilder Ritt durch die zurückliegenden Jahrzehnte ist ein Beitrag des früheren Diplomaten Carl Goerdeler, der seit 30 Jahren als Zeitungskorrespondent aus Brasilien berichtet und mehrere Bücher über das Land geschrieben hat. In Brasilien gehe es zu wie auf einem Jahrmarktskarussell, fasst er seine Erfahrungen so knapp wie schonungslos zusammen: „Auf und ab und immer im Kreis.“

Wiebke Ahrndt (Herausgeberin): Amerika. 180 Seiten, Preis: 15,80 Euro.

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