Die Krimi-Anthologie „Tod im Ratskeller“ verbindet Spannung, Alkohol und Lokalkolorit

„Viel mörderische Phantasie“

„Syndikats“-Vertreter im Kaiserzimmer des Ratskellers – von links gesehen: Toby Martins, Jürgen Alberts und Peter Gerdes vom Leda-Verlag, in dem die Anthologie „Tod im Ratskeller“ erschienen ist. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Es ist sehr viel mörderische Phantasie hier in Bremen und umzu“, sagt Toby Martins. Er muss es wissen, schließlich ist er ein Krimiautor. Die mörderische Phantasie wiederum konzentriert sich dieser Tage auf den Ratskeller. Martins und sein Kollege Jürgen Alberts haben eine Anthologie herausgegeben, deren Titel Bände spricht: „Tod im Ratskeller“.

Gestern präsentierten sie den 224-Seiten-Band, der auch als E-Book zu haben ist, am Ort des Geschehens – im Ratskeller eben, um den sich die Geschichten der 21 Autoren drehen, die sich an der Sammlung beteiligt haben. „Böse bechern in Bremen“, das ist der Untertitel. Wie kommt man auf so etwas? Nun, zum Beispiel, wenn man regelmäßig beieinander hockt und etwas trinkt, Alkohol zum Beispiel.

900 Kriminalautoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind mittlerweile im „Syndikat“ miteinander verbunden, sagt Alberts. Untergruppen des „Syndikats“ sind 35 Stammtische. Und der produktivste davon? „Der Bremer Krimistammtisch. Es gibt keinen, der mehr Publikationen hat. So beweist sich doch, dass Bremen die eigentliche Krimihauptstadt ist.“

Und die Bremer kamen eines Tages auf die Idee für das Ratskeller-Buch. Eine Liste mit Alkoholika, die auf der Karte der Ratskeller-Gastronomie stehen, wurde herumgereicht. „Die Autoren mussten sich zuordnen“, so Alberts. Anschließend wurde (mutmaßlich nüchtern) geschrieben. Nun kreisen die Ratskeller-Krimis um Wein, keine Frage, aber auch um Bier, Gin und Aquavit. Prost.

Nicht allein Autoren aus Bremen und dem Umland haben mitgemacht. „Es sind auch Gäste dabei“, sagt Martins. Die Hamburger Autorin Regula Venske zum Beispiel mit dem Wein-Krimi „Elbling und Fingerhütchen“. „Ihre Geschichte ist wundervoll und poetisch“, sagt Martins.

Ein weiterer Gast ist bereits tot. Allerdings starb er nicht im Ratskeller. Krimiautor-Urahn Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) ist auch in dem Band vertreten – mit der vor 170 Jahren erstmals veröffentlichten Geschichte „Das Faß Amontillado“ (noch mit „ß“). „Poe ist der Begründer unserer Zunft“, sagt Martins klipp und klar. „Das Faß Amontillado“ sei zudem „die erste Kriminalgeschichte mit Alkohol“. Und damit ist sie wie gemacht für diese Anthologie, wenngleich Poe das natürlich nicht ahnen konnte.

Und sonst? Mal spielt der Freimarkt eine Rolle, mal wird „Das letzte Beck‘s“ erviert. Die Bremer Autorin Gesine Reichstein hat einen plattdeutschen Ratskeller-Krimi beigesteuert. Und Personen aus dem realen Leben tauchen ebenfalls auf. Der „3nach9“-Moderator Giovanni di Lorenzo zum Beispiel.

Und wo viel getrunken wird, da muss auch gegessen werden. Ratskeller-Chefkoch Arnd Feye rundet den Band mit ein paar Rezepten ab – für jede Jahreszeit eins. Und immer ist Alkohol dabei. Im Wein liegt die Wahrheit, das gilt auch im Krimi.

Der Ratskeller bietet zudem drei „Dinner-Lesungen“ aus dem Buch „Tod im Ratskeller“ an, bei denen jeweils drei Geschichten zu hören sein werden – am Sonntag, 25. September, im Verbund mit einem „Feinschmecker-Teller“ und Käseauswahl (18 Uhr, 53 Euro); am Sonnabend, 1. Oktober, mit Drei-Gang-Menü (18 Uhr, 59 Euro) sowie am Sonnabend, 8. Oktober, mit Büfett (18 Uhr, 59 Euro).

„Tod im Ratskeller – böse bechern in Bremen“, herausgegeben von Jürgen Alberts und Toby Martins. Leda-Verlag, Preis: 9,99 Euro.

www.leda-verlag.de

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