Verwandlung in Bronze

„Mein Kunst-Stück“ mit Emilia Kaus

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Emilia Kaus präsentiert die Skulptur „Torso“. Diese soll den Betrachter unter anderem einladen, in eine Rolle zu schlüpfen und sich zu verwandeln.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Torso“ heißt Emilia Kaus‘ Skulptur, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Wie ein geöffnetes Gewand zeigt sich die bronzene Form. Es ist kein Körper darin. Vielleicht lädt sie ein, in eine Rolle zu schlüpfen und sich zu verwandeln.

Noch misst der „Torso“ 22 Zentimeter. Doch Emilia Kaus wünscht sich, den „Torso“ mindestens hundertmal so groß im Freien zu sehen. Er stehe für Metamorphose und Wandlung, sagt die Malerin und Bildhauerin, die das Schauspiel liebt. Als Studentin wirkte sie in einem experimentellen Theater in Danzig mit. Diese Zeit trägt sie im Herzen. „Wenn ein Schauspieler auf die Bühne geht, schlüpft er in seine Rolle und verwandelt sich zur Figur eines Stückes“, sagt Kaus. In diesem Sinne könne auch die Skulptur betrachtet werden und würde gut vor ein Theater passen.

Den „Torso“ arbeitete die Künstlerin zuerst aus Ton. Von ihm wurde die Form für den Bronzeguss genommen. Bei großen Bronze-Statuen gelte es zwei Hindernisse zu überwinden, so die Bildhauerin. Erstens braucht man einen Platz, an dem das Kunstwerk stehen darf. Und zweitens müssten Guss und Transport finanziert werde. Das könne ein Künstler alleine nicht. „Es gibt auch kaum noch Gießereien in Deutschland oder sie sind zu teuer“, erzählt die gebürtige Polin. Viele Künstler ließen deswegen in Italien gießen. Zudem machten kleinere Arbeiten viel Aufwand bei wenig Gewinn. Für größere Projekte aber brauche man Sponsoren oder eine Gemeinschaft, die die Kosten trage, inklusive Transport, Sockel und Aufbau. „Es gab Zeiten, in denen man gerne etwas für die Kunst ausgab. Heute ist das anders“, sagt Kaus. 

„Ich habe immer schon gerne improvisiert"

Auf Kunst ist die gebürtige Polin „etwas verrückt“. Im Alter von 14  Jahren sei sie von der Musikschule in Danzig abgehauen. Eigentlich sollte sie zur Musikhochschule und im Orchester spielen. Doch ihr Kunstlehrer hatte sie so begeistert, dass sie sich für die bildenden Künste entschied. „Ich habe immer schon gerne improvisiert und auch gern Jazz gehört“, sagt Kaus, „das wurde damals nicht gern gesehen.“ Statt der ständigen Wiederholung von Stücken, die jemand anderes geschrieben hat, durfte sie in der bildenden Kunst selbst komponieren und experimentieren. Die Lehrer und Professoren an der Kunstakademie hätten ihr die Welt eröffnet. Allerdings waren ihre Eltern damals noch in Sorge, wegen des wilden Äußeren und des unsicheren Einkommens ihrer Tochter.

Die Herausforderung des Künstleralltags sei es, sich jeden Tag in die Kunstwelt zu begeben. Es sei schwierig, diesen Raum für die professionelle Kunst freizuhalten, wenn man Kinder und Familie hat. Er sei aber notwendig, denn einen künstlerischen Gedanken könne man nicht mal eben an- und ausschalten. Ihre Projekte plant Kaus präzise und am Computer. Erst dann geht es an die Umsetzung. Ob wir Kunst brauchen? – „Ich weiß nicht, ob wir Kunst brauchen“, antwortet die Wahlbremerin, „ich weiß nur, dass ich Kunst machen muss.“ Kunst ist ihr ein Genuss und ein Bedürfnis.

Zu den Künstlern, die für Kaus besonders bedeutend sind, zählen die Bremer Bildhauer Bernd Uiberall (1943 bis 2003) und der Zeitgenosse Wolfgang Zach. „Bernds abstraktes Denken spricht mich an“, sagt Kaus. Bei Zach komme eine technische Komponente hinzu, die Kaus mag.

Wenn sie jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Objekt aus dem Zyklus „Hommage an Wüstenblume Waris Dirie“ an eben diese. Das österreichische Model Waris Dirie hat somalische Wurzeln und setzt sich im Kampf gegen die in Afrika praktizierte weibliche Genitalverstümmelung ein. 2002 gründete Dirie die Organisation, „Desert Flower Foundation“. Kaus möchte ihr mit dem Kunstwerk zeigen, dass man ihre Botschaft weiterverbreitet und unterstützt.

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