Eulenbruchs Verteidiger spricht von „tendenziösen Aussagen“

Versicherer berichtet im „Harms“-Prozess

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Hans Eulenbruch (rechts) und sein Verteidiger im Prozess gegen den Bremer Kaufhaus-Inhaber.

Bremen - Von Steffen Koller. An Tag zehn im Prozess um den Großbrand bei „Harms am Wall“ sind am Freitag zwei Versicherungsexperten zu Wort gekommen. Der wegen schwerer Brandstiftung und Versicherungsbetrugs am Landgericht angeklagte ehemalige Geschäftsführer des Textilhauses, Hans Eulenbruch (64), hatte mit beiden Männern nach dem Brand Kontakt.

Die Aussage eines Mannes ärgert Eulenbruch bis heute, war sie wohl mitverantwortlich für die Inhaftierung des 64-Jährigen. Am 6. Mai 2015 brennt das Traditionshaus Harms vollständig aus, sechs Wochen später wird Hans Eulenbruch zum ersten Mal festgenommen. Der Vorwurf: Er soll zusammen mit dem Mitangeklagten Thomas M. (53) einen Raubüberfall vorgetäuscht und später das Geschäft angezündet haben. 

Nach und nach wird deutlich, auf welcher Grundlage die beiden Männer ins Visier der Ermittler geraten sind. Es sind Aussagen, die von Eindrücken geprägt sind, und meist wenig an Beweislast zu bieten haben. So wie am Freitag, als der verantwortliche Sachbearbeiter der Versicherung als Zeuge aussagt. Eulenbruch habe, so berichtet der Versicherungskaufmann (54), fünf Tage nach dem Brand seine Version des Tatgeschehens in einem Gespräch geschildert. 

Es geht um den mutmaßlichen Raub, um Videoaufzeichnungen und die wirtschaftliche Lage des Geschäfts. Für den Versicherer scheinen aber ganz andere Details von Bedeutung zu sein. So gab der Versicherungskaufmann bei der Polizei später an, dass Eulenbruch „übertrieben gestriegelt“ erschienen sei. Seine Art, die Geschehnisse vorzutragen, habe „gekünstelt und unglaubwürdig“ gewirkt. Außerdem sei der 64-Jährige ein „sehr geschickter Verhandlungsführer, der seinen Vorteil erkennt“.

Brand habe sich gelohnt 

Für Eulenbruchs Verteidiger Erich Joester eine „sehr tendenziöse Aussage“, die mitverantwortlich sei für die damalige Inhaftierung seines Mandanten. „Da habe ich mich falsch ausgedrückt“, entgegnet der Zeuge am Freitag, den die Polizei auch gefragt habe, ob er glaube, dass sich der Brand für Eulenbruch gelohnt habe. Seine Antwort laut Akten: „Selbstverständlich.“ Durch das Feuer habe dieser sich des alten Inventars „entledigen“ können und „wäre Mitarbeiter los gewesen“, wird der Zeuge zitiert.

Die Summe, die Eulenbruch für Inventar und Kleidung bekommen hätte, liegt bei 4,6 Millionen, sagt der Zeuge. Allein 1,17 Millionen Euro davon wären laut Eulenbruch in die Wiederbeschaffung bereits bezahlter Ware geflossen. Der Rest von 3,34 Millionen Euro wäre für laufende Personalkosten von 24 Monaten gewesen. „Ich hätte davon gar nichts gehabt. Ich hatte die Versicherung ja extra so abgeschlossen, dass ich niemanden entlassen muss“, rechtfertig sich Eulenbruch. Für die Schäden am Gebäude erhält er nichts, er ist lediglich Mieter der Immobilie.

Ein zweiter Zeuge (50), der vom Versicherer beauftragt wurde, hatte nach dem Brand insgesamt drei ausführliche Gespräche mit Eulenbruch und mehreren Mitarbeitern. Der Experte für Schadensmanagement führt gestern aus, seiner Ansicht nach hätten die Täter „sehr strukturiert“ gehandelt. „Das Vorgehen zeugt von Insiderwissen.“ In Unterhaltungen mit Angestellten habe er außerdem „zwei klar gespaltene Lager“ innerhalb der Belegschaft erkannt. „Eine Seite war pro Eulenbruch, die andere contra. Da wurden viele Gerüchte produziert.“

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