„Verschwunden“: Kleine Helle

Bindungen mit Bestand

Diese Schule war Bremens erste „städtische höhere Lehranstalt für Mädchen“: Die Kleine Helle – später spöttisch auch mal „Kleine Hölle“ genannt – zur Eröffnung im Jahr 1916. - Foto: Senatorin für Kinder und Bildung

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Früher war die Kleine Helle an der Kleinen Helle zu finden, heute ist es längst das Alte Gymnasium. Verwirrend? Nun, an der Straße „Kleine Helle“ (in der Nähe: Am Wandrahm, Daniel-von-Büren-Straße) öffnete vor 100 Jahren Bremens erste „städtische höhere Lehranstalt für Mädchen“. 1987 zog das Alte Gymnasium von der Dechanatstraße in das Schulgebäude an der Kleinen Helle um. Die Schule Kleine Helle war damit Geschichte. Heute ist sie Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Verschwunden schon, aber nicht vergessen. Der 100. Jahrestag der Schulgründung wurde dieser Tage mit einem Festakt im Alten Gymnasium an der Kleinen Helle ganz groß gefeiert. Im Internet gibt es einen Blog mit Erinnerungen an die Ende der 80er Jahre aufgelöste Schule.

Seit der Schließung trifft sich das frühere Kollegium jedes Jahr, um sich gemeinsam zu erinnern und auch, um aktuelle Erfahrungen auszutauschen. Der (verlorene) Kampf um den Erhalt der Schule Ende der 80er Jahre hat offenkundig Bindungen geschaffen, die bis heute Bestand haben. Mindestens 25 Lehrer sind bei den Treffen in der Regel dabei.

„Das ist schon eine Leistung, wenn man bedenkt, dass die Schule seit rund 30 Jahren nicht mehr existiert“, sagt Gabriele Rogge, ehemalige Lehrerin an der Kleinen Helle – und dieser Tage eine der Organisatorinnen des Festes. Gut 400 Ehemalige aus allen Teilen Deutschlands und aus vielen Ländern Europas hatten sich dazu angemeldet.

1916, mitten im Ersten Weltkrieg, hatte sie aufgemacht, die „höhere Mädchenschule“. Zwei Jahre zuvor, 1914, war mit den Arbeiten für das rote Ziegelgebäude mit der mächtig wirkenden Pfeilerfassade begonnen worden. Die erste „städtische höhere Lehranstalt für Mädchen“ war eine Besonderheit. Bis dahin nämlich waren Gymnasien für Mädchen ausschließlich in privater Hand gewesen.

Höhere Schule für Mädchen? In einem zeitgenössischen Zeitungsartikel wurde das Thema durchaus gönnerhaft behandelt. Zitat: „Mit der Errichtung dieser Schule ist unsere erste staatliche höhere Lehranstalt für das weibliche Geschlecht ins Leben getreten. Mit Rücksicht auf die Eigenart des weiblichen Geschlechts wurde die Stoffverteilung so geregelt, dass das, was die Knaben in neun Jahren lernen, für die Mädchen auf eine zehnjährige Schulzeit bei einer Höchtszahl von 30 Stunden in der Woche zugeschnitten wurde.“ Nun, die neue Schule entwickelte sich gut.

„1925 wurde ein humanistischer Zweig eröffnet“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark durch Bomben beschädigt – und wieder neu aufgebaut (auch mit der Hilfe von Schülerinnen). Die Nachkriegsjahre sind eng verbunden mit dem Namen der Schulleiterin Elisabeth Wilhelmine Forck (1900 bis 1988). Später folgte der Wechsel von einer reinen Mädchenschule zur Koedukation.

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