Die schwedische Bestsellerautorin Liza Marklund erhält den Krimipreis

Verbrechen in der Idylle

Die schwedische Bestsellerautorin Liza Marklund las im Rahmen des Bremer Krimi-Festivals auf der „Oceana“. Sie wurde bei der Lesung mit dem Radio-Bremen-Krimipreis ausgezeichnet. - Foto: Radio Bremen/Bahlo

Bremen - An Bord der „Oceana“ gab es am Montagabend zwar keinen echten Mord, aber dafür Verbrechen im Dreierpack, starke weibliche Hauptfiguren und als krönenden Abschluss die Verleihung des Radio-Bremen-Krimipreises an die schwedische Bestsellerautorin Liza Marklund.

Während die „Oceana“ lautlos an Steigenberger, Schlachte und Stadion vorbeizog, lasen die Krimiautoren Liza Marklund, Andreas Pflüger und Michael Lüders aus ihren jüngsten Romanen. Marklund, gebürtige Schwedin, arbeitete als Journalistin, bevor sie als Krimiautorin berühmt wurde. Ihre „Annika-Bengtzon“-Romane verkauften sich 13 Millionen Male in 30 Sprachen. Mit viel Temperament stellte die Preisträgerin im Rahmen des Krimi-Festivals ihre Protagonistin vor, die im jüngsten Roman reif für die Couch ist. Für Marklund war von Anfang an klar, dass sie mit Bengtzon eine Figur erschaffen wollte, mit der sie sich selbst identifizieren konnte. Eine Frau mit allen Facetten, keine, die einem Ermittler hinterherläuft und vernascht wird oder asexuell ist. Ihre Annika Bengtzon hat Mann, Familie, Liebhaber, sie weint auch mal und ist einfach menschlich, sagte Marklund, die von Sylvia Schuchardt gedolmetscht wurde.

Die Beliebtheit schwedischer Krimis erklärt sich Marklund durch den Kontrast zwischen idyllischer Landschaft und der Grausamkeit von Verbrechen. Auch das Friedvolle mache Lust auf Krimi, denn fiktive Gewalt habe dort schlechte Karten, wo die reale Gewalt direkt vor der Haustür liege. „Es gibt keine Kriminalromane in Diktaturen. Vorwiegend in stabilen Demokratien werden Krimis geschrieben und gelesen“, sagte die Autorin.

Im Gegensatz zu Marklunds Bengtzon, ist die Romanfigur von Andreas Pflüger eine ganz außergewöhnliche Frau. Der Autor und Drehbuchautor nimmt in seinem Thriller „Endgültig“ die Perspektive seiner blinden Heldin Jenny Aaron ein. Sie war Mitglied einer Elitetruppe der Polizei und verlor bei einem Einsatz ihr Augenlicht. Pflüger entführte die Gäste mit seiner Leseprobe in die Wahrnehmungswelt einer blinden Action-Heldin, die trotz geschärfter Sinne in höchster Gefahr schwebt. Detailgenau und dramatisch las Pflüger, wie die Flucht über eine viel befahrene Straße zu einem akustischen Spießrutenlauf wird. Jenny rettet sich gerade noch auf die Deichsel eines fahrenden Lkws. Sie tastet nach Halt, krallt sich in die Lüftungsschlitze und hofft auf akustische Zeichen, die eine rote Ampel ankündigen. Über ein halbes Jahr recherchierte der Autor und Drehbuchautor von unter anderem mehr als 20 Fernseh-„Tatorten“ intensiv, um die Welt aus Aarons Perspektive schildern zu können.

Während Pflüger mit der weiblichen und blinden Protagonistin auf besondere Fähigkeiten setzte, entschied sich Michael Lüders für eine Frau, um seine Figur im Polit-Thriller „Never say anything“ eine Wandlung vollziehen zu lassen. „Die Wandlungsfähigkeit sehe ich eher im Weiblichen verortet“, erklärte Lüders. Seine Protagonistin Sophie Schelling wird Zeugin eines Drohnenangriffs, der ein marokkanisches Dorf vernichtet. Entgegen der offiziellen Berichterstattung handelte es sich um eine Drohne der USA. Schelling gerät in das Netz der Geheimdienste und in die Machenschaften geopolitischer Interessen, erzählt der Autor und Islamwissenschaftler. Sie kann ihr bisheriges, normales Leben nicht weiterführen. Cybermobbing-Attacken treiben sie an ihre persönlichen Grenzen. „Ich wünschte“, sagte Lüders, „dass das alles nur erfunden wäre. Aber in diesen Bereichen gibt es nichts, das es nicht gibt.“

Der spannende Krimipreis-Abend wurde mit Folk und Blues von dem Deutsch-Aus-tralier Jamie Faulkner abgerundet und von Hilke Theessen moderiert.

Von Ilka Langkowski

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