„Mein Kunst-Stück“ mit Heinz Cymontkowski: „Weite, Wandel und Form“

Die Ur-Form der Landschaft

Ursprüngliche Landschaften sind selten geworden. Heinz Cymontkowski macht sie sichtbar. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Weite, Wandel und Form“ heißt Heinz Chymontkowskis Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Im Panoramaformat zeigt es eine flache Naturlandschaft in leicht milchigem Sommerlicht.

Mit Öl auf Leinwand schuf Heinz Chymontkowski „Weite, Wandel und Form“, das in der Breite 185 Zentimeter misst. Es gibt Platz für einen fast umlaufend wirkenden Horizont. Die Wolken scheinen einem Sog zu folgen und in Bewegung zu sein. „Ich möchte die Stille einfangen und zu einer Ur-Form der Landschaft zurückkommen“, erklärt der Maler, der eins seiner Ateliers im Teufelsmoor bei Worpswede hat. Dort gäbe es noch immer solch ursprüngliche Natur, trotz des durch Torfabbau und Agrarindustrie fortschreitenden Wandels des Landschaftsbildes. Manche Menschen fänden im Teufelmoor nach diese verbliebene Ur-Form der Natur nicht mehr, erzählt Cymontkowski, andere bemerkten den landschaftlichen Wandel in ihrem modernen Alltag nicht. Dem Künstler macht es Spaß, diesen „digitalen Blick“ auf ein Landschaftsbild zu brechen. Cymontkowski sieht sich aber nicht als Landschaftsmaler. Nie geht er mit einer Staffelei ins Grüne, um das Gesehene abzumalen. Seine Arbeit beginnt erst, wenn er zurück im Atelier ist.

Cymontkowski ist in die Kunst „hineingeboren“, wie er sagt. Obwohl es in seiner Familie über Generationen hinweg keinen Künstler gegeben habe, habe er von klein auf gemalt und gezeichnet. Seine Fertigkeiten erarbeitete er sich selbst. Ein Meisterschüler wollte er nie werden. Er zeigt sich froh darüber, Kunst nicht studiert zu haben; so sei er ganz er selbst geblieben. Die Technik müsse man aber, wie in allen anderen Berufen auch, beherrschen. Und: „Ohne eine künstlerische Idee ist ein gemaltes Birkenblatt nur ein Birkenblatt“, merkt der Wahlbremer an. 90 Prozent eines Bildes entstehen bei ihm aus dem Bauch heraus, zehn Prozent der Pinselstriche werden kritisch und ganz bewusst gesetzt. Für gewöhnlich geht Cymontkowski zwischen sieben und acht. „Bei aller Ernsthaftigkeit“, betont Cymontkowski, „stehen Spaß und Lust aber immer obenan“.

Ob wir Kunst brauchen? „Überall um uns herum hängen zwar Bilder, doch wenn jemand Kunst studieren will heißt es: ,Oh Gott, bloß nicht!‘ “, merkt der Künstler an. Auf den zweiten Blick sehe man aber, dass Kunst einen gesellschaftlichen Auftrag hat. „Die Kunst ist frei, alles andere regelt ein Gesetz“, lautet dann Cymontkowskis Lieblingssatz. Er selbst sieht sich als einen kritischen Künstler, der die Freiheit hat, auch mit einer gewissen Distanz von außen auf die Gesellschaft zu schauen und auf Dinge aufmerksam zu machen.

Zu den Künstlern, die für Cymontkowski besonders bedeutend sind, zählen Joseph Beuys (1921 bis 1986) und die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907). Beuys hat, findet Cymontkowski, die Malerei vollständig verstanden und Modersohn-Becker in der Kürze ihres Lebens ein so großes Werk hinterlassen; Beuys sei der Spannendste überhaupt und die Worpswederin habe kompromisslos ihre Kunst verfolgt.

Wenn Cymontkowski jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge sein „Gedankenfreiraum“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie scheint dem Künstler etwas orientierungslos mit dem Begriff Freiheit umzugehen, da sie uns in immer neue Sachzwänge packe. Chymontkowski hat keine Internetseite. Alle, die seine Bilder sehen wollen, sind in sein Atelier eingeladen. Noch bis 25. September sind seine Werke in der Sonderausstellung „Wie Gerste im Moor“ immer sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Dorf Teufelsmoor (Adresse: Zur kleinen Reihe, am Ende des sandigen Weges) zu sehen.

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