Ausstellung präsentiert kreative Ergebnisse des Bremer „Fotomarathons“

Ungewöhnliche Blicke

Mehr als 1 000 Besucher beschäftigten sich eingehend mit den ungewöhnlichen Motiven und Umsetzungen des zweiten Bremer „Fotomarathons“. - Foto: Heyne

Bremen - Eine Ausstellung, die an nur zwei Tagen zu sehen ist und die eine rekordverdächtige Zahl von nahezu 2 300 Bildern zeigt, die noch dazu von einigen der mehr als 1 000 Besuchern am Ende mitgenommen werden – die Ergebnisse des zweiten Bremer „Fotomarathons“ erwiesen sich in mehr als einer Hinsicht als ungewöhnlich. Präsentiert wurden sie jetzt im Speicher XI in der Überseestadt.

Das Ungewöhnliche legte nicht nur die Präsentation der Werke nahe – 254 an Bauzäunen aufgehängte Filmstreifen im Betonambiente in einem hinteren Raum des Hafenmuseums –, sondern auch die Fotografien selbst. Die waren allesamt an einem Tag im September entstanden (wir berichteten).

An die 300 Teilnehmer hatten sich der Herausforderung gestellt, in neun Stunden zum übergeordneten Motto „Läuft“ neun Themen fotografisch umzusetzen. Dabei bewiesen sie enorme Kreativität: „Von der Rolle“ – das konnte ebenso eine abgewickelte Lakritzschnur sein wie der beherzte Sprung eines Inline-Skaters.

Schnecken und Pommes

„Viele unserer Teilnehmer haben sich vorher Gedanken gemacht und Requisiten mitgebracht“, meint Steffi Urban, eine der Organisatorinnen mit Blick auf Werder-Zwerg, Playmobil-Männchen und das Skateboard, das sich wie ein roter Faden durch die Bilder zieht.

Auffällig: „Dieses Mal sind fast 40 Prozent der eingereichten Serien schwarzweiß“, hat Mitorganisator Uli Graf-Nottrodt festgestellt, „auch ein Mittel, um die geforderte einheitliche Bildsprache zu erreichen.“

Auch das Niveau der eingereichten Beiträge sei deutlich gestiegen: „Statt vielleicht 20 wirklich herausragender Reihen waren es mindestens 40 prämierenswerte“, so „Miniverse“-Fotograf Graf-Nottrodt. Neun von ihnen wurden von einer Jury aus Profis prämiert. Den ersten Platz sicherte sich Florian-David Hellmuth. Seine spannungsgeladene Dramatik mit starken Einzelmotiven, die gleichzeitig jedoch auch harmonisch als Serie funktionieren, überzeugte, so die Jurybegründung.

Dass es bei aller ernsthaften Auseinandersetzung mit Fotografie beim „Fotomarathon“ auch heiter zugeht, zeigte der an Bert Schulze vergebene Sonderpreis: Für seine Umsetzung des Motivs „Deichbremse“ – einen Nagel auf dem Asphalt – wurde ein echter „Deichbremse“-Hocker vergeben. Die Begründung: „Mit dem Motiv hat er einfach den Nagel auf den Kopf getroffen“, so Mitorganisatorin Annica Müllenberg.

Dass neben der Technik vor allem Kreativität und die spielerische Interpretation der Aufgaben belohnt wurden, bewiesen die prämierten Fotostrecken: Das Thema „Läuft!“ konsequent mit Weinbergschnecken als Statisten umzusetzen oder einen „Balanceakt“ mit einer Portion Pommes zu inszenieren, verrät fotografisches Augenzwinkern und ließ Jurymitglieder wie Ausstellungsbesucher mehr als einmal schmunzeln. - hey

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