Focke-Museum: Hünefeld-Repliken aus dem 3D-Drucker

Der Traum von der Büste

Jens Petersen mit der (verkleinerten) Büsten-Kopie für das Museum. Neben ihm Direktorin Frauke von der Haar. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Üblicherweise gehören nur Originale ins Museum. Und dann heißt es: „Anfassen verboten!“ Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen hat das Bremer Focke-Museum (Schwachhausen) präsentiert. Möglich wurde diese Ausnahme durch 3D-Drucktechnik. Jetzt ist Anfassen erlaubt, was dem Museum bei Rundgängen für Kinder oder Sehbehinderte neue Möglichkeiten erlaubt.

Dr. Jens Petersen aus Stuhr, Vorsitzender des Vereins „Wir holen die ,Bremen‘ nach Bremen“, hatte einen Traum. Nicht den Traum vom Fliegen, sondern den Traum von einer Büste. Im Focke-Museum nämlich hatte er eine Büste gesehen, die Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld zeigt. Das war der Initiator des legendären Transatlantikflugs der „Bremen“ im Jahr 1928 – und er war gemeinsam mit den beiden Piloten (Hermann Köhl und James Fitzmaurice) an Bord. Hünefelds Büste steht im Foyer des Museums.

Und da soll sie auch bleiben. Dr. Frauke von der Haar, Direktorin des Hauses, war natürlich nicht bereit, das Original herzugeben, damit Petersen es neben die Junkers W33 in die „Bremen-Halle“ des Flughafens stellen kann.

Dann aber hörte Petersen im Rotary-Club einen Vortrag über 3D-Drucker. Und danach hatte er nicht mehr nur einen Traum, sondern auch eine Idee. Eine Idee, auf die Museumsdirektorin von der Haar sich einließ.

Dank 3D-Druck war es möglich, eine Replik der Hünefeld-Büste anzufertigen, ohne die Büste dabei überhaupt berühren zu müssen, wie von der Haar berichtet. Für einen herkömmlichen Abguss hätte man das (und einiges mehr) machen müssen. Für den dreidimensionalen Druck aber wurden in einem stundenlangen Prozess Daten eingelesen – mehr nicht. Sehr schonend also. Anschließend konnte die 3D-Manufaktur Seevetal die Replik produzieren. Oder besser: die Kopien. Eine etwas kleinere für die Arbeit des Museums und eine 1:1-Kopie für die „Bremen-Halle“, wodurch Petersens Wunschtraum nun in Erfüllung gegangen ist.

Ist das eine Abwertung des Originals? Nein, die Kopie ist ja in diesem Fall erkennbar eine Kopie. Die Repliken bestehen aus einem mit Kupfer umhüllten Kunststoff. „Das Original ist aus Bronze“, so Dr. Jan Werquet, Historiker und im Focke-Museum für die Stadtgeschichte zuständig. Der Bildhauer William Fred Engelmann hatte die Büste 1928 in Chicago gefertigt – gleichsam noch unter dem Eindruck des spektakulären (und historischen) ersten Flugs von Europa nach Nordamerika.

Über die deutsche Gemeinde in Chicago kam die Bronze dann ins Berliner Verkehrsministerium und schließlich in Görings Reichsluftfahrtministerium, so Werquet. 1945 ging sie verloren. In den 80er Jahrengrub der Kampfmittelräumdienst der DDR die Büste aus, in den 90ern landete sie schließlich in Bremen – wo es sie nun gewissermaßen gleich mehrfach gibt.

www.focke-museum.de

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