Prozessauftakt: 44-Jähriger soll Ex-Frau erstochen haben

Tödliche Messerattacke

Yüksel S. (Mitte) soll seine Ex-Frau mit einem Küchenmesser erstochen haben. Er ist wegen Totschlags vor dem Landgericht angeklagt. Seine Aussage vor Gericht wurde durch eine Dolmetscherin (l.) übersetzt. Rechts im Bild: sein Verteidiger Alexander Ukat. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Emotionaler Auftakt im Prozess wegen Totschlags am Landgericht Bremen: Yüksel S. (44) muss sich seit gestern wegen einer tödlichen Messerattacke auf seine Ex-Frau verantworten. Im März soll er die 42-Jährige in Bremerhaven so schwer verletzt haben, dass sie drei Wochen nach den Stichen trotz mehrerer Notoperationen starb. Laut Anklage war sich der Mann ganz genau bewusst, was er tat.

Yüksel S. kam mit „Träumen und Hoffnungen“ nach Deutschland, wollte nach eigener Aussage mit seiner damaligen Frau ein neues Leben in Wohlstand und Sicherheit beginnen. 1997 war das. Beide führten eine Ehe, die er selbst als gut bezeichnet. Heute, fast 20 Jahre später, ist von diesen Träumen nichts geblieben. S. sitzt auf der Anklagebank des Landgerichts und starrt auf seine Hände, nur wenige Meter entfernt müssen die gemeinsame Tochter und drei Geschwister der getöteten Frau mit anhören, was der 44-Jährige am 13. März ihrer Mutter und Schwester angetan haben soll.

Laut der Anklage hat S. in der Wohnung der damals 42-Jährigen in Bremerhaven zweimal mit einem Küchenmesser auf sie eingestochen. Ein Stich traf die Lunge der Frau, ein zweiter verletzte Brusthöhle und Zwerchfell. Trotz mehrerer Notoperationen starb die Frau am 5. April infolge der schweren Verletzungen. „Der Angeklagte war sich der tödlichen Wirkung seines Handels bewusst“, sagt die Staatsanwältin und fügt an: „Herr S. hat einen Menschen getötet, ohne Mörder zu sein.“ Für die heute 18-jährige Tochter des Angeklagten wird die emotionale Belastung zu groß, sie verlässt unter Tränen den Gerichtssaal, als ihr Vater davon zu erzählen beginnt, wie er seine damalige Frau in der Türkei kennenlernte, heiratete und kurze Zeit später mit ihr nach Deutschland auswanderte.

Die ersten Jahre seien hart gewesen, berichtet S. Er habe keine Arbeitserlaubnis besessen und sich mit illegalen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Es folgte der Versuch, einen Kiosk zu eröffnen, später machte er eine Kneipe auf. Beide Vorhaben scheiterten, Schulden häuften sich an. „So ging das Leben weiter“, übersetzt eine Dolmetscherin für den Angeklagten, der berichtet, immer mehr in ein schlechtes Umfeld abgerutscht zu sein. Bald darauf, so schildert es der 44-Jährige, seien Drogen und Alkohol hinzugekommen. „Jeder Mist war dabei. Ich bin zugrundegegangen, egal, was ich getan habe.“ Nachts sei er oft nicht nach Hause gekommen, habe lieber gefeiert als sich um seine Familie zu kümmern.

Trotz aller Schwierigkeiten habe seine Ex-Frau immer zu ihm gehalten, auch dann noch, als sie erfuhr, dass er mit einer anderen Frau einen Sohn gezeugt hatte. Heute wünsche er sich, sie hätte ihn einfach verlassen, sagt S., zumal er selbst bemerkt habe, wie jähzornig er in den Wochen vor der Tat gewesen sei. „Ich habe Türen eingetreten und das Telefon durch die Wohnung geschmissen. Ich kann das nicht steuern.“

Zur Tat selbst will sich der Angeklagte gestern nicht äußern. Sein Verteidiger Alexander Ukat deutet aber an, dass sein Mandant am nächsten Verhandlungstag, am 11. Oktober, ausführlich aussagen wird.

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