„Mein Kunst-Stück“ mit Karin Friedrichs und ihrem Bild „Island in the sun“

Temperament braucht Ruhe

Karin Friedrichs‘ „Island in the sun“ schmückte viele Jahre die Bremer Bank. Das Pendant hängt in der Commerzbank. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Island in the sun“ heißt Karin Friedrichs‘ Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das große Ölbild zeigt eine entspannte Strandszene. Zu „Island in the sun“ gehört ein zweites Bild mit dem Namen „Grenzenlos“.

„Island in the sun“ und „Grenzenlos“ stehen für die zwei Seiten von Karin Friedrichs. Sie ist ein temperamentvoller Mensch. „Meine Mutter sagte, ich sei grenzenlos“, erzählt sie und lacht. Wegen dieser wilden Seite sehne sie sich als Ausgleich zwischendurch nach Ruhe, eben nach „Island in the sun“. Im Gegensatz zum Bild „Grenzenlos“, das einen bewegten Pinselstrich voller Energie und in „lauten“ Farben zeigt, strahlt „Island in the sun“ Gelassenheit aus. Ihr Feriendomizil in Spanien hat Friedrichs zu dem Motiv inspiriert. Auch heute noch nimmt sich die umtriebige Künstlerin regelmäßig eine Auszeit zum Nachdenken oder für ein gemütliches Beisammensein mit Freunden in der Sonne: „Ruhe ist das, wonach ich mich zwischendurch sehne.“

Die gebürtige Bremerin genoss eine klassische Gesangsausbildung, war Dolmetscherin, Sängerin und viel in der Welt unterwegs. Aus ihren Asienaufenthalten sind kalligrafische Elemente in ihre Werke eingeflossen. Die bewegten Figuren haben ihre Quelle in der Zusammenarbeit mit dem Bremer Tanztheater. Musik spielte und spielt im Leben der 1936 geborenen Künstlerin eine große Rolle: „Ich arbeite mit Musik, aber ohne Wein“, erzählt sie, „und am liebsten morgens.“ Dabei könne sie entspannen und sich gleichzeitig voller Konzentration in eine andere Welt begeben.

Die künstlerische Begabung wurde ihr vererbt, erzählt Friedrichs. Sie kann sich noch daran erinnern, wie sie als kleines Kind ihre Eltern vierhändig Klavier spielen sah. Sie selbst wollte damals ein zweite Callas werden. Mit drei Kindern ließ sich der Wunsch, an die Oper zu gehen, allerdings nicht realisieren. Dafür setzte die Familienmutter voll auf die Kunst. Mutig stellte sie sich bei einer Londoner Galerie vor und bekam dort ihre erste Ausstellung. In den 80er Jahren arbeitete sie mit dem Tanztheater um Reinhild Hoffmann und Johann Kresnik zusammen. Ende der 90er Jahre entstanden auch Skulpturen und Installationen. Inhalt ihrer Werke seien vorwiegend ganz ursprüngliche menschliche Beziehungen, unabhängig von Geschlecht, Zeitgeist oder Menschenbild, sagt sie.

„Kunst gibt Gelegenheit, hinter die Dinge zu schauen“, findet Friedrichs. Kunst sei gut für die Seele. „Manche Räume wären ohne Kunst gar nicht bewohnbar“, fügt sie hinzu. Friedrichs selbst könne ohne Kunst nicht leben. Bei der eigenen Arbeit achtet sie darauf, ehrlich gegenüber sich selbst und den Bildern zu sein, sich nicht von Trends beeinflussen lassen. Das Wichtigste sei es, immer dran zu bleiben. „Wenn man das nicht tut, verliert man etwas von der zeichnerischen Leichtigkeit.“ Gleichzeitig brauche man Mut, um eine energische Linie durchs Bild zu ziehen – und Mut, sich bei den Galeristen vorzustellen.

Zu den Künstlern, die für Friedrichs besonders bedeutend sind, zählen der Schweizer Alberto Giacometti (1901 bis 1966) und der in Russland geborene französische Maler Marc Chagall (1887 bis 1985). Giacometti fasziniert Friedrichs wegen der starken Ausdruckskraft seiner extrem reduzierten Figuren, Chagall vor allem wegen seines „Hohelieds der Liebe“, bei dem ein Brautpaar mit einem geflügelten Pferd durch den Himmel fliegt. „Ich bin sehr glücklich verheiratet und glaube, dass die Liebe der Menschen untereinander auch im allgemeinen Sinn wieder wachsen sollte. Dazu braucht es Toleranz.“

Wenn Friedrichs jemandem ein Werk als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein architektonisches Modell von ihr an den Bremer Senat. Es ist ein Herz in Kristallform, das auf vier gläsernen Aufzügen steht. „Dessen Umsetzung könnte statt des geplanten Baus auf dem Bahnhofsvorplatz stehen. Jeder, der aus dem Bahnhof tritt, wüsste dann: Ich bin in Bremen.“

www.karinfriedrichs.de

Unsere Serie

Bremen ist reich an bildenden Künstlern. Diese möchten wir Ihnen mit unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ näherbringen. Die Künstler stellen ihre Lieblings- arbeit vor und plaudern über ihre Arbeit.

Lesen Sie auch

„Mein Kunst-Stück“ mit Heinz Cymontkowski: „Weite, Wandel und Form“

„Mein Kunst-Stück“ mit Marina Krasnitskaya und ihrem Bild „Erfahrung“

„Mein Kunst-Stück“ mit Rosita Jahns-Höher: „Pinot Gris“

Mehr zum Thema:

Kreismusikfest der Spielmannszüge

Kreismusikfest der Spielmannszüge

"Magie des Tanzes" - Show im Haus Drübberholz

"Magie des Tanzes" - Show im Haus Drübberholz

Comedy-Abend „Trude träumt von Afrika“

Comedy-Abend „Trude träumt von Afrika“

Pasta bei Dolce & Gabbana, Fußball bei Stella Jean

Pasta bei Dolce & Gabbana, Fußball bei Stella Jean

Meistgelesene Artikel

Festnahmen nach Auseinandersetzung

Festnahmen nach Auseinandersetzung

Zicht legt Mandat nieder

Zicht legt Mandat nieder

Spontandemo gegen Fremdenfeindlichkeit

Spontandemo gegen Fremdenfeindlichkeit

Abends eine E-Mail an den Prof

Abends eine E-Mail an den Prof

Kommentare