„Marum“-Roboter „Quest“ erkundet unbekannte Unterwasserwelten / 400. Einsatz

Tauchen in der Tiefsee

Die Steuerzentrale an Bord der „Meteor“. Von hier aus wird „Quest“ durch die Tiefsee navigiert. - Foto: DFG/Christoph Straub

Bremen - Von Viviane Reineking. Wenn Volker Ratmeyer auf Reisen geht, hat er meist schweres Gepäck bei sich. Wie jetzt gerade, an Bord des Forschungsschiffes „Meteor“ vor den Azoren. Der promovierte Geologe ist am Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) der Universität Bremen als Projektleiter unter anderem zuständig für „Quest“, einen knapp vier Tonnen schweren, unbemannten Tiefsee-Roboter.

Vor 13 Jahren war er der erste Tauchroboter, der in Deutschland in der Meeresforschung eingesetzt wurde. Mehr als 30 Forschungsreisen hat „Marum-Quest“ seitdem mitgemacht. Vor der Inselgruppe der Azoren feierten Wissenschaftler und Besatzung der „Meteor“ jetzt seinen mittlerweile 400. Tauchgang.

„Arbeitstier“ – so nennen die Mitarbeiter am Marum den Roboter. Denn obwohl „Quest“ bereits viele Jahre im Dienste der Forschung hinter sich hat, geht er noch lange nicht in Rente. Im Vergleich zu anderen Systemen sei er immer noch hochaktuell, sagt Ratmeyer, sein Können in der Forschung stark nachgefragt.

„Quest“ ist ein so genanntes Remotely Operated Vehicle, kurz ROV. „Tauchroboter haben in den vergangenen Jahren die Tiefseeforschung revolutioniert“, sagt Marum-Direktor Prof. Dr. Michael Schulz. Ursprünglich wurde „Quest“ als Industriegerät für Konstruktionen in der Tiefsee konzipiert, am Marum dann für den wissenschaftlichen Einsatz umgerüstet.

Zur Zeit ist der Tauchroboter an Bord des 30 Jahre alten Forschungsschiffes „Meteor“ vor den portugiesischen Atlantikinseln im Einsatz. Dafür muste nicht nur „Quest“ selbst an Bord gebracht werden, sondern auch das dazugehörige Equipment, darunter das lange Versorgungskabel. 45 Tonnen wiegt das gesamte System, das in mehreren Containern untergebracht ist.

Einsatz des knapp vier Tonnen schweren Tauchroboters „Marum-Quest“ auf dem Forschungsschiff „Meteor“. Jetzt feierten Wissenschaftler und Besatzung seinen 400. Einsatz für die Forschung. - Foto: Marum/Diekamp

Von Deck aus wird der Tauchroboter ferngesteuert. In Tiefen bis zu 4000 Metern fungieren die Greifarme und Kameras des ROVs als Augen und Arme der Wissenschaftler. Es liefert etwa Bilder von Lebensgemeinschaften am mittelatlantischen Rücken in 2 800 Metern Tiefe und misst Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius an Hydrothermalquellen, die mit den in ihnen gelösten Stoffen die Grundlage für komplexe Ökosysteme bieten. Mit „Quest“ lassen sich beeindruckende Foto- und Filmaufnahmen sowie unterschiedlichste Proben und Messdaten vom Meeresboden gewinnen. So können Forscher zum Beispiel die komplexen Austauschprozesse zwischen Gestein und Meerwasser, die Symbiose zwischen Bakterien und Tieren an Fluidaustritten sowie – wie auf der Reise vor den Azoren – ozeanische Plateaus untersuchen.

Damit die Wissenschaftler auf See sicher und effektiv arbeiten können, ist eine „dynamische Positionierung“ der Schiffe eine wichtige Voraussetzung: „Die ‚Meteor‘ kann ihre Position gegen gewissen Wind und Strömung automatisch halten, nach GPS-Koordinaten und sehr genau“, sagt Ratmeyer an Bord des Forschungsschiffes. Das sei gerade für Arbeiten mit einem ROV unerlässlich, da dies am Meeresboden so nicht von einer Drift des Mutterschiffes beeinflusst wird.

„Jede Reise mit ‚Quest‘ ist spannend und aufregend“, findet der Wissenschaftler. „Man stößt nahezu immer an vollkommen unbekannte Orte auf unserem Planeten vor, an denen sich völlig Unerwartetes entdeckt lässt.“

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