Das Bremer Versorgungsunternehmen SWB manövriert in einem schwierigen Markt

Die Suche nach der Balance

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Block 6 im Hafen dürfte in absehbarer Zeit Geschichte sein. Das Versorgungsunternehmen SWB verdient an der konventionellen Stromerzeugung nicht mehr gut. Block 6 soll ungefähr im Jahr 2025 außer Betrieb genommen werden, hieß es gestern.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das Bremer Versorgungsunternehmen SWB (früher: Stadtwerke) will Stellen abbauen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat der Konzern einen Gewinn von 18,9 Millionen Euro (2014: 6,5 Millionen Euro) erwirtschaftet. Die Einzelgesellschaft SWB AG schloss mit einem Verlust von 4,4 Millionen Euro ab.

Die Konzern-Umsatzerlöse sind leicht von gut 1,4 Milliarden Euro auf knapp 1,3 Milliarden Euro gesunken, sagte Finanzvorstand Timo Poppe. Mit Blick auf das Konzernergebnis sprach er von einem „wirklich zufriedenstellenden Jahr“. „Nicht zufriedenstellend für den Anteilseigner“ sei hingegen das Ergebnis der SWB AG, die damit für 2015 „nicht dividendenfähig“ ist. Ziel sei es, in „den nächsten zwei bis drei Jahren“ zu einem positiven Jahresabschluss zurückzukommen.

Einfach dürfte das nicht werden, denn der Energiemarkt verändert sich drastisch. Mehr erneuerbare Energie, mehr Strom aus Sonne und Wind – das bedeutet auch: konventionelle Stromerzeugung in Kohlekraftwerken wird zunehmend unrentabel. „Die Zeichen stehen auf Neuausrichtung“, hieß es gestern denn auch in der SWB-Zentrale an der Theodor-Heuss-Allee (Bürgerweide). Es gelte, eine „Balance“ zwischen konventioneller und erneuerbarer Energieerzeugung zu finden.

„Wir brauchen Themen, die nennenswerte Ergebnisbeiträge leisten“, so Vorstandschef Dr. Torsten Köhne. Als Beispiele nannte er E-Mobilität und den Breitbandausbau. „Da sind wir vorneweg.“ Im Umgang mit den Kunden solle es „mehr digitale Elemente“ geben. Motto: Zählerstandsübermittlung per Smartphone-Foto – warum nicht?

Während in Infrastrukturprojekte wie den Neubau des Schalthauses Rönnebeck (Kosten: 3,5 Millionen Euro) und die neue Gasübernahmestation in Brinkum (2,9 Millionen Euro) investiert wird, während Ende des Jahres ein neuer Wärmespeicher in Betrieb gehen soll, geht es andernorts um Stilllegung – eben im konventionellen Bereich. Block 6 im Hafen ist so ein Thema. Er soll etwa 2025 außer Betrieb genommen werden – und bis dahin „mit weniger Personal“ laufen. „Anlagen dieses Typs haben in Deutschland keine Zukunft“, sagte Köhne.

Auch das jahrzehntealte Fernwärmenetz in der Vahr – eine (so der Vorstandschef) geradezu „archaische“ Form der Versorgung – wird nicht ewig bleiben. Ab etwa 2030, so die Planung, soll es „was anderes“ geben. Was genau? Das herauszufinden, sei „eine Herausforderung für die nächsten Jahre“, hieß es.

Neu ausrichten wird sich auch die Personalstruktur des Unternehmens. Um die Profitabilität zu steigern, will der Vorstand bis Ende 2017 etwa 140 Stellen streichen – sozialverträglich etwa über Vorruhestandsregelungen, wie es gestern hieß. Das Durchschnittsalter der SWB-Beschäftigten liege bei 49 Jahren. „Es fehlen die Jungen und die Alten“, so Köhne. „Wir sind ein überaltertes Unternehmen“, so Poppe. Der SWB-Konzern hat (inklusive Teilzeit) 2.165 Mitarbeiter. Hinzu kommen 109 Auszubildende.

140 „Vollbeschäftigteneinheiten“ abbauen – damit will das Unternehmen zehn Millionen Euro an personalkosten einsparen, so der Vertriebs- und Personalvorstand Frank Priewe. Zudem wurde die betriebliche Altersversorgung mit Blick auf die Kosten gekündigt. Gegenwärtig laufen Verhandlungen um eine neue Vereinbarung.

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