Die „Wilde Bühne“ bereitet ein Stück über die Abstinenzlerin Ottilie Hoffmann vor

Struktur, Halt und Echtheit

Darsteller Kai-Michael Henze im Bühnenbild der Ottilie-Hoffmann-Stücks „Unser Flüssigbrot“. Die „Wilde Bühne“ bringt das Stück im November heraus. Thema ist der Kampf gegen Alkohol. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Unerfunden, richtig wahr.“ Mit diesen Worten beschreibt die „Wilde Bühne“ sich und ihre Arbeit. Das Theater mit eigener Spielstätte im Volkshaus an der Hans-Böckler-Straße (Walle) schöpft seine Themen aus dem, was gerne „wahres Leben“ genannt wird: Essstörungen, Gewalt an Schulen, Fußball-Ultras und Rechtsextremismus. Jetzt ist ein Stück über die Bremerin Ottilie Hoffmann (1835 bis 1925) in Vorbereitung, die sich im Kampf gegen den Alkohol engagierte.

„Alkohol gibt es auch bei uns nicht“, sagen Jana Köckeritz und Michaela Uhlemann-Lantow, die Leiterinnen der 2003 als Tourneetheater gegründeten „Wilden Bühne“. Das irritiere manche Besucher. Aber es ist eben auch Teil des Konzepts.

Die „Wilde Bühne“ arbeitet mit ehemals drogen- und alkoholabhängigen Menschen, die das 14-köpfige Ensemble bilden. Wenn sie in Diskussionen etwa nach Aufführungen in Schulen über Gewalt- und Suchterfahrungen sprechen, dann hat das durchaus eine besondere Wirkung und Resonanz. Diese Darsteller schöpfen aus ihrem eigenen Leben.

Es liegt an der „Echtheit“, wie Kai-Michael Henze es sagt. Am Unerfundenen, am richtig Wahren eben – „wenn wir auf der Bühne erzählen, was wir durchgemacht haben“. Seit drei Jahren sei er „clean und trocken“, sagt Henze. Zum Theater kam er, weil es ihm in der Drogenentwöhnung empfohlen worden war: „Such‘ Dir ein Theaterprojekt, um Dich besser kennenzulernen“, hieß es da.

„Das war für mich eine neue Welt“, sagt Henze über seine Begegnung mit der Bühne. Theater bedeute für ihn, Grenzen auszuleben und kennenzulernen. „Wut habe ich zu Anfang nicht kontrollieren können.“ Freunde habe er bei der „Wilden Bühne“ gefunden. Und das Theater gebe ihm: Struktur.

Grenzen, Halt, Struktur – die Arbeit am Theater bietet all das. Zugleich kreisen seine Themen auch um diese Begriffe. Auch im Zusammenleben der Gesellschaft wird nach Halt und Struktur gesucht. „Es ist nicht mehr so klar, welche Werte haben wir eigentlich“, sagt Jana Köckeritz. Zum Beispiel Gewalt: „Wo hören wir auf und sagen, jetzt schlage ich nicht mehr zu?“

Konflikte in Schule und Familie

Sucht- und Gewaltprävention, Grenzerfahrungen, Umgang mit Lebenskrisen – die „Wilde Bühne“ spielt regelmäßig in ihren Räumen im Volkshaus und gastiert aber auch bundesweit in Schulen, Jugendhäusern und Theatern. Mit dem Stück „Hungerstreik“ (Thema: Essstörungen und Schönheitskult) etwa war das Ensemble im vergangenen Jahr auch in Syke, Bassum und Twistringen. Konflikte in Schule, Freundeskreis und Familie sind Ausgangspunkt des interaktiven Stücks „Spiel Dein Leben“, das die „Wilde Bühne“ in der neuen Saison noch einmal im Volkshaus zeigt – Donnerstag und Freitag, 29. und 30. September, jeweils um 10 Uhr.

Am Freitag, 18. November, steht dann um 20 Uhr die Premiere des Ottilie-Hoffmann-Stücks an. „Unser Flüssigbrot“ beschäftigt sich mit dem Kampf der Bremer Pädagogin gegen den Alkohol. Stätten der Abstinenzlerbewegung hießen „Ottilie-Hoffmann-Häuser“, es gab sie in Bremen (am Osterdeich, heute „Ambiente“) und auch in Oldenburg.

„Warum haben Menschen damals Alkohol getrunken, was bedeutete das für die Familien?“ Um Fragen wie diese gehe es im Stück, sagt Jana Köckeritz. Die gleichen Fragen würden zudem auch mit Bezug auf die Gegenwart gestellt. Da landet man dann schnell wieder beim Unerfundenen und richtig Wahren.

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