Baustelle der Extreme

Das „Theater Gajes“ sorgt beim „La Strada"-Auftakt für kollektives Staunen

+
Am Anfang stand die Selbstinszenierung, nur kurze Zeit später platzt das Großbauprojekt wie eine Seifenblase: Das „Theater Gajes“ hat mit seiner Aufführung zum Auftakt von „La Strada“ das Publikum auf dem Domshof verzaubert.

Bremen -  Von Steffen Koller. Was für ein Auftakt! Das „Theater Gajes“ hat am Donnerstagabend zum Beginn des 22. Straßenzirkusfestivals „La Strada“ für einen fulminanten Start gesorgt.

Zeigte sich der Anfang der Vorführung noch verhalten und sorgte eher für verdutzte Blicke, steigerte sich die Vorstellung auf dem Domshof nach und nach zu einer Show der Extreme. Mittendrin: das Publikum. Scheinwerfer an den Ecken, Kräne mitten auf dem Domshof, ein Bauwagen fristet einsam sein Dasein auf dem grauen Kopfsteinpflaster – kurz vor 22 Uhr deutet nur wenig darauf hin, was in den kommenden gut 60 Minuten passieren wird.

Die letzten Sonnenstrahlen erleuchten die Türme des Bremer Doms, verdutzt blicken einige Zuschauer um sich. Da flitzt auch schon der erste Clown durch die Menge, ein Mann auf einer Leiter ruft wirres Zeug Richtung Publikum, das nicht wie sonst auf Rängen oder Tribünen Platz nimmt, sondern als Statisten Teil der Show ist. Teil einer Baustelle der Extreme. Das niederländische Ensemble „Theater Gajes“ erzählt mit „Agora Phobia“ (Platzangst) die Geschichte eines Großbauprojekts mitten in der Stadt.

Ein Platz soll neu gestaltet werden. Nur wie? Genau darüber streiten sich die Darsteller. Unternehmertum auf der einen Seite, Freiraum auf der anderen. Die Argumente werden abgewogen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei Artisten wippen auf einer riesengroßen Konstruktion aus zwei Straßenlaternen, die im rechten Winkel auf eiserne Kutschenräder montiert sind, auf und ab.

Publikum huldigt der Darbietung

Der erste große Applaus hallt durch die Menge, auch wenn dieser wohl mehr der Darbietung als der Entscheidung zu gelten scheint. Denn die Bürgermeisterin macht klar: Sieg für den Kapitalisten und den Beginn eines Projekts, das allen Beteiligten einiges abverlangt. Dramatische Violinenklänge leiten den ersten Spatenstich ein, Bauarbeiter laufen auf Stelzen durch das Publikum, das ab jetzt kaum noch weiß, wo es als erstes hinschauen soll.

Rohre werden verlegt, Gerüste aufgebaut, Balken und Schweißerzelte wandern über die Köpfe der Zuschauer. In der Mitte des Platzes erhebt sich ein riesiges Fließband, ein Betonmischer, so groß wie ein Kleinwagen, dreht seine Runden. Alles läuft nach Plan – zumindest für die Bürgermeisterin. Ihr Traum vom Geschäftsviertel nimmt Form an, während eine dreiköpfige Band durch die Menschenmenge geschoben wird. Wie wahnsinnig wird geplant, geackert, bestaunt und im eigenen Ruhm gesuhlt.

Straßenkunstfestival La Strada beginnt

Doch zu früh gefreut. Bei aller Perfektion, bei all ihrem egoistischen Denken verwandeln sich die Arbeiter, Planer und Entscheider zu ferngesteuerten Robotern – die Sicherungen brennen durch und alle noch so schönen Pläne gehen letztlich mit einem großen Knall in Rauch auf. Nicht umsonst hatte eingangs die Bürgerin auf Wippe bei ihren Argumenten mehrfach betont, es gehe um „die Menschen, die Menschen, die Menschen“.

Weint die Bürgermeisterin am Ende bittere Tränen und wird der Chefplaner in den Betonmischer geworfen, feiert das Publikum die Show mit einem minutenlangen Applaus und darf sich bis Sonntag auf weitere Shows freuen. Das Straßenzirkusfestival dauert bis zum Sonntag. Die Künstler treten an verschiedenen Orten in der Innenstadt auf und spielen „für den Hut“.

www.lastrada-bremen.de

Mehr zum Thema:

FIFA-Klub-WM: Alle bisherigen Sieger

FIFA-Klub-WM: Alle bisherigen Sieger

Volvo hängt auf der Skipiste fest

Volvo hängt auf der Skipiste fest

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Opel Insignia Grand Sport

Opel Insignia Grand Sport

Meistgelesene Artikel

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare