Staatsanwaltschaft sieht „Ungereimtheiten“ / Durchsuchungen und Festnahme

"Harms"-Inhaber tatverdächtig

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Der Großbrand im Textilhaus „Harms am Wall“ soll vom Inhaber selbst gelegt worden sein – davon geht jedenfalls die Staatsanwaltschaft Bremen aus. Der Inhaber wurde heute vorläufig festgenommen.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Spektakuläre Neuigkeiten im Fall „Harms am Wall“: Inhaber Hans Eulenbruch soll den Großbrand selbst gelegt haben, davon geht jedenfalls die Staatsanwaltschaft Bremen aus. Das bestätigte heute Abend Oberstaatsanwalt Frank Passade gegenüber unserer Zeitung. Eulenbruch wurden den Angaben zufolge heute vorläufig festgenommen. Ein Haftrichter setzte ihn wieder auf freien Fuß, da er keinen dringenden Tatverdacht sah.

Es sind schwere Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen den langjährigen Inhaber des Mode- und Textilhauses erhebt. Sie wirft ihm besonders schwere Brandstiftung, versuchten Betrug und das Vortäuschen einer Straftat vor. Wie Passade bestätigte, wurden heute das Wohnhaus Eulenbruchs im niedersächsischen Umland, eine Filiale in Bremerhaven und ein Bürotrakt im zerstörten Gebäude am Wall durchsucht. Interessant: Der Bereich war bisher nicht zugänglich gewesen, jetzt konnten Polizei und Staatsanwaltschaft rein. Welches Material sichergestellt wurde, welche weiteren Hinweise in Sachen Tatverdacht sich bei den Durchsuchungen ergaben, dazu machte Passade keine Angaben. Zeitgleich mit den Durchsuchungen wurde der „Harms“-Inhaber festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Dieser wollte allerdings den von der Staatanwaltschaft beantragten Haftbefehl nicht ausstellen. Den Angaben zufolge sah er keinen dringenden Tatverdacht. So durfte Eulenbruch wieder gehen.

Für die Bremer Staatsanwaltschaft ist der Eigentümer weiterhin tatverdächtig. Sie wird jetzt, wie Passade sagte, die Begründung für die Ablehnung des Haftbefehls abwarten und gegebenenfalls Beschwerde einlegen oder aber auch weitere Indizien beziehungsweise weiteres Beweismaterial vorlegen. Von Anfang an, so der Oberstaatsanwalt, habe es Ungereimtheiten gegeben. Zusammen mit der Auswertung der Ermittlungsergebnisse habe sich für die Staatsanwaltschaft schließlich ein dringender Tatverdacht ergeben.

Bei dem Feuer im historischen Gebäude aus dem Jahr 1909 war am Abend des 6. Mai ein Millionenschaden entstanden, auch das komplette Inventar wurde vernichtet. Vor etwa einem Monat wurde daher für das 150 Jahre alte Modehaus ein Insolvenzantrag gestellt. Die Straße Am Wall ist wegen der Aufräumarbeiten immer noch gesperrt, da sämtliche Dachziegel von Hand abgetragen werden müssen. Es besteht Einsturzgefahr. Brandexperten fanden schnell Hinweise darauf, dass das Feuer an mehreren Stellen gezielt gelegt wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Raubes, vorsätzlicher Brandstiftung und sogar wegen Mordversuchs – denn Inhaber Eulenbruch hatte vor der Polizei angegeben, er sei am Abend von zwei Männern überfallen und eingesperrt worden. Er habe sich befreien und mit Videoaufnahmen vor den Flammen flüchten können. Mit Sequenzen der Aufnahmen gingen die Ermittler an die Öffentlichkeit. Die Bilder zeigten einen masksierten Mann mit humpelndem Gang, der mit einem Hammer in der Hand eine zersplitterte Glastür des Geschäftes betritt. Eine zweite Person machte die Staatsanwaltschaft nicht aus. Unter anderem werteten die Ermittler anschließend auch Funkzellenabfragen aus.

Feuer in viergeschossigem Gebäudekomplex

Erst wenige Minuten vor der spektakulären Wende im Fall des Großbrandes hatte es heute Abend geheißen, Eulenbruch wolle „Harms“ in Kürze in Nachbarschaft zum alten Standort wieder aufbauen. Das Geschäft sei deutlich kleiner, die Belegschaft solle 20 statt wie bisher 50 Mitarbeiter haben, hatte die Kanzlei Schultze & Braun gegenüber Radio Bremen bestätigt. Die Kanzlei kümmert sich um das Insolvenzverfahren. Den Angaben nach solle das kleinere Geschäft aber nur eine „Übergangslösung“ sein, Eulenbruch wolle das Traditionshaus wieder komplett aufbauen.

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