Kabarettist präsentiert sein eigenes Programm zur Popmusik-Ausstellung „Oh,Yeah“

Pago Balke: „Du sitzt mir im Kaffee drin“

Pago Balke erzählt von der Entstehung der Punk-Musik. Der Abstecher in die 70er Jahre ist eine Station auf seinem Trip durch die Ausstellung „Oh, Yeah“ im Focke-Museum. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der Schauspieler und Kabarettist Pago Balke präsentiert mit seinem Programm „Pop mit Pago“ eine schwungvolle und lustige Ergänzung zu der Ausstellung „Oh, Yeah“ über Popmusik in Deutschland im Focke-Museum. Der Besuch lohnt sich, denn Balke hat die Popmusik vom Untergrund des Dritten Reiches bis heute förmlich im Blut. Das bewies er am Dienstag bei der Premierenführung.

„Rock’n’Roll will never die.“ Aber Stars sterben. „Elvis besaß Millionen und wusste nicht, was er damit machen soll. Er kam nicht auf die Idee, Präsident zu werden. Und starb zugekokst und fett mit 42 Jahren“, sagt Pago Balke. Es habe viele Elvis-Nachmacher gegeben, darunter Peter Kraus. „Der hat heute eine künstliche Hüfte, mit der er wackelt“, so der Satiriker. Ein Zuschauer ergänzt: „Oh, ja. Eine batteriegetriebene.“ Die Leute und Balke lachen. Pago erzählt: „Ich bin der unbekannteste Elvis-Nachmacher. Von dem ganzen Trubel um Elvis schwappte natürlich auch etwas in die DDR rüber. Dort verstand man ihn nicht so gut. Ich liefere die Übersetzung gleich mit.“ Der Song „I can’t stop loving you“ beginnt. Sanft singt Pago Balke die erste Strophe. Danach liefert er in einem Dialekt von irgendwo zwischen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit leicht kommentierender Stimme die Übersetzung. Und die ist mäßig genau. „Ich kann nicht aufhören, Dich zu lieben. Du sitzt mir im Kaffee drin…“ Der Song provoziert Lachattacken.

Immer wieder wechselt Balke das Kostüm und einmal auch das Geschlecht. Mit dunkler Perücke und kurzem Rock erobert er die Bühne des „Beat-Clubs“. „Hallo, mein Name ist Uschi“, sagt er. Das Vorbild, die „Beat-Club“-Moderatorin Uschi Nerke, ist derweil auf Bildschirmen im Hintergrund zu sehen. „Meine sehr geehrten Damen und Herren, die sie Beat-Musik nicht mögen, wir bitten um ihr Verständnis“, zitiert Balke. Es folgt ein Leserbrief mit wüsten Beschimpfungen. „Mit eisernem Besen wird dieses unrasierte Volk aus unserem Deutschland herausgefegt werden.“ Ein Irrtum. Der „Beat-Club“ brachte mit dem „Musikladen“ eine Nachfolgesendung hervor.

Immer wieder hat der Kabarettist faszinierendes Insider-Wissen parat. Er selbst lebte Anfang der 80er Jahre in einer Kommune auf dem Land in der Nähe des Wohnortes der Bandmitglieder von „Trio“ in Großenkneten. Daher weiß er auch etwas über die Entstehung des Hits „Da da da“. „Die Band hatte einen Bauern besucht und sich den Hof zeigen lassen. Der Bauer erklärte ihnen, da sind die Ferkel, da sind die Schweine, da sind die Sauen“.

Mit Sonnenbrille, Hut und ganz in Schwarz gibt der Comedian auch einen markanten Udo Lindenberg ab. „Hi Leute, nicht, dass ihr denkt, ich pass schon ins Museum, so mit Wachsfiguren und so“, sagt er und erinnert etwas später an eine besondere historische Leistung des Panik-Rockers. „Ich habe es geschafft, bei meinem Auftritt im Osten von 1 600 Stasi-Leuten überwacht zu werden. Ich habe Honecker damals eine Lederjacke geschenkt. Er hat mir eine Schalmei geschenkt. Ich wusste gar nicht, was das ist.“ Aber das Instrument würde immer noch in seiner Luxus-Suite an der Alster hängen, direkt neben dem Cello. Natürlich folgt darauf der Lindenberg-Klassiker „Cello“.

Reinhard und Lydia Clausen sind begeistert: „Besonders diese Kombination von Musik und Darstellung ist toll“, sagt Reinhard Clausen.

Die nächste Führung mit Pago Balke durch die Pop-Ausstellung steht am Sonntag, 27. November, um 17 Uhr auf dem Spielplan.

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