„Oh Yeah!“: Focke-Museum bereitet Ausstellung über „Popmusik in Deutschland“ vor

Ich singe ein Lied für Dich!

Goldene Schallplatte von Elvis – aus der Sammlung von Richard Weize („Bear Family Records“) und bald Teil der Pop-Ausstellung des Focke-Museums. - Foto: Luther/Focke-Museum

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Hast Du etwas Zeit für mich? Dann singe ich ein Lied für Dich! Popmusik hat einst Generationen getrennt. Heute verbindet sie Generationen. Eltern mögen die gleichen Songs wie ihre Kinder. Die Oma verbindet ebenso wie der Enkel Lebenserinnerungen mit der Musik von Nena, Helene Fischer oder wem auch immer.

Pop ist omnipräsent im Alltag und damit reif für eine urbürglerliche Kultureinrichtung, die sich längst auch dem Alltag geöffnet hat – reif fürs Museum. „Oh Yeah!“ Unter diesem Titel präsentiert das Bremer Focke-Museum demnächst eine groß angelegte Pop-Ausstellung – vom 30. September bis zum 16. Juli 2017, um genau zu sein. Eine Laufzeit, die ja noch deutlich länger ist als ein Doppelalbum. Folglich bereiten die Museumsleute auch ein großes Begleitprogramm mit Talkrunden und Konzerten vor.

„Popmusik in Deutschland“, das ist der Untertitel und zugleich der Fokus der Schau, die für das Museum zugleich den Aufbruch in neue Zeiten markieren soll. „Wir wollen Ausstellungsformate ausprobieren, die etwas Neues bringen und stärker die Gegenwart berühren“, sagt Dr. Frauke von der Haar, die Direktorin des Schwachhauser Museums.

Hören und Sehen – so wird die Ausstellung auch in Bremen aufgebaut werden. Die Besucher können sich in „Soundkugeln“ einstöpseln. - Foto: Hannes Saxer/Museum für Kommunikation, Bern

Auf der Suche nach Neuem stießen von der Haar und Kurator Jan Christoph Greim auf eine Pop-Ausstellung in der Schweiz, deren Technik sie nun für die Bremer Schau übernommen haben – die nach Bremen bei Kooperationspartnern in Frankfurt/Main, Berlin, Leipzig und Stuttgart zu sehen sein wird. Technik bedeutet hier vor allem: Hören und Sehen. Musik, Filme und Videos, Informationen in Form von Hörfunkmoderationen – zu verdanken einer Zusammenarbeit mit dem Musikfachmann Dr. Wolfgang Rumpf (Nordwestradio).

Pop lebt von der Inszenenierung und durch mediale Verbreitung – das greift die Ausstellung in ihrer Inszenierung auf. Sie ist in drei Teile gegliedert. Eine „Main Road“ präsentiert Epochen, wie Schallplattensammler sind ja auch Museumsleute leidenschaftliche Sortierer und Einordner. In „Sound Lounges“ können Besucher die Hörbeispiele von der „Main Road“ noch nach Wunsch vertiefen . Von Conny Froboess bis Rammstein – oder auch beides. 

Im „Backstage-Bereich“ schließlich geht es um Nostalgie und die Kraft populärer Musik, sich mit persönlichen Erinnerungen zu verknüpfen: Plattencover und Plakate sollen hier genau diese Erinnerungen wecken. Der Weg durch die Popgeschichte ist immer auch eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit.

Kein Besucher soll dabei atemlos durch die Epochen hecheln müssen. „Jede Soundkugel funktioniert für sich allein“, sagt Greim. Streng chronologisches Vorgehen ist möglich, aber nicht nötig, heißt es.

„Pop in Deutschland“, das bedeutete lange Zeit vor allem: Pop aus Amerika und England. Die Ausstellung aber setzt früher an. Die Geschichte der populären Musik beginnt mit den Möglichkeiten ihrer massenhaften, sprich: industriellen Verbreitung – und damit in den 20er Jahren, als das Radio und die Schallplatte praktisch zur gleichen Zeit aufkamen. Und so spannt „Oh Yeah!“ unter anderem einen A-cappella-Bogen von den „Comedian Harmonists“ bis zu den „Prinzen“, von den „Goldenen 20ern“ bis zu den Wiedervereinigungsjahren.

Elvis und die Beatles, die Beat-Ära, die Entdeckung der deutschen Sprache für den Pop, Punk-Protest in West und Ost, Schlager, Hiphop und Techno sind weitere Themen. Oft finden sich Verbindungen nach Bremen. Der „Beat-Club“ revolutionierte von hier aus das Fernsehen, Stars wie James Last kamen von der Weser. Heintje hat in Bremen Hits aufgenommen, die „Toten Hosen“ gaben 1982 im Schlachthof ihr erstes Konzert.

Und schon sind wir wieder bei den Erinnerungen. Zugleich aber spiegelt Pop stets auch den Geist seiner Zeit wider – mal mit Absicht, mal ohne. „Hast Du etwas Zeit für mich?“ Der Text von Nenas „99 Luftballons“ etwa entstand vor dem Hintergrund des atomaren Wettrüstens im Kalten Krieg. Aber er funktioniert losgelöst aus diesem Zeitzusammenhang ebenso – auch das ist Pop.

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