BSC spielt zum 111. Geburtstag des Botanischen Gartens in blühender Umgebung

Shakespeare durch die Blume gesehen

Im Vordergrund: Romeo und Julia (Markus Seuss und Erika Spalke), im Hintergrund sitzend: Shakespeare und Puck (Christian Bergmann und Andrea zum Felde). - Foto: Niesmann

Bremen - Von Isabel Niesmann. Verzweifelt sitzt William Shakespeare am Schreibtisch. Mit der Schreibfeder in der Hand, dem Tintenfass und einem leeren Blatt Papier vor sich, sucht er nach Inspiration für sein Stück, hat „aber noch nicht mal ein kleines Stück von dem Stück“. Ihm fällt einfach nichts ein. Deswegen hat er sich bereits gemeinsam mit Puck, dem eifrigen und energiegeladenen Kobold aus dem „Sommernachtstraum“, aufs Land zurückgezogen.

Am Freitag- und am Sonnabendabend führte die Bremer Shakespeare-Company (BSC) bei bestem, wenn auch etwas kaltem Wetter und in blühender Umgebung „Shakespeare durch die Blume“ auf. Anlässlich des 111. Geburtstages des Botanischen Gartens und Shakespeares 400. Todestags entstand diese ungewöhnliche Kombination aus Musik, Literatur, Schauspiel und Botanik in wunderschöner Kulisse, dem Schmuckhof des Botanischen Gartens. Weil Shakes-peare mehr als 120 Pflanzen in seine Stücke einbaute und ihnen oft durch florale Metaphern einen Rahmen gab, liegt die Verbindung nahe. Der Chor „Plan B“ unter Leitung von Marco Nola sorgte für den stimmigen musikalischen Rahmen.

Blumige Szenen und Lieder aus „Hamlet“, „Romeo und Julia“ oder „Macbeth“ deutet die Bremer Shakespeare-Company völlig neu und schafft so ein rasantes Stück, in dem die Schauspieler Christian Bergmann, Markus Seuss, Tobias Dürr, Ulrike Knospe, Erika Spalke und Andrea zum Felde Figuren und Kostüme im Minutentakt wechseln. Denn zu Shakes-peares Aufheiterung kommen Komödianten aus der Stadt zu Besuch, die seine eigenen Figuren und Verse neu interpretieren und ihn so inspirieren möchten. Die Figuren sind stark abgewandelt, modernisiert und oft mit komischen Elementen untersetzt.

Die Gebrüder Loro und Enzo, zum Beispiel, zwei aufgedrehte Südeuropäer, die an Pater Lorenzo aus „Romeo und Julia“ erinnern, erklären im Deutschen stark lispelnd die Kraft der Natur: „Im frischen Blatt des kleinen Blümchens hier steckt sowohl Gift als Lebenselixier: Riecht man daran, belebt es Sinne, und schmeckt man daran, hält gleich der Herzschlag inne. In Menschen wie in Kräutern herrscht ein Krieg, Gewalt und Güte kämpfen um den Sieg.“

Elfen und Kobolde oder die drei Hexen aus Macbeth tauchen auf, mixen Säfte und Gifte aus Kräutern und Pflanzen oder trimmen auch schon mal einfach den Rasen. Hauptsache, man sieht „Shakespeare durch die Blume“. Die Original-Verse wechseln mit moderner Alltagssprache ab, die Bilder ändern sich schnell, sind ausgefallen und manchmal etwas schräg, aber immer unterhaltsam.

Irgendwann stellt Puck resigniert fest: „Es hat alles nicht funktioniert, der Chef ist immer noch frustriert“. Dann aber beginnen die Verwicklungen, Zaubereien und Verwirrungen aus dem „Sommernachtstraum“ mit „Amors Blumensaft“ und Shakespeare ruft: „ Vielleicht ist das die Lösung: Liebe! Nicht Gewalt oder Mord.“ Auch der traurige Dichter findet so am Ende Liebe und Inspiration.

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