„Bremen zur See“: Weserkahn „Franzius“ ist ein Plattbodenschiff-Nachbau

Schiff mit Seitenschwertern

Unter Vollzeug: Die „Franzius“, ein weitgehend originalgetreuer Nachbau des traditionsreichen Weserkahns, schippert auf der Unterweser vor Bremerhaven. - Foto: Kaack

Bremen - Von Ulf Kaack. Im 17. Jahrhundert entstand in der Hansestadt ein spezieller Schiffstyp: der Weserkahn. Er war von der Konstruktion her besonders auf die Verhältnisse des bremischen Stroms und des vorgelagerten Wattenmeers ausgelegt. Erfahren Sie mehr darüber in dieser Folge unserer Reihe „Bremen zur See“.

Der Weserkahn, auch als Bremer Kahn bezeichnet, kam für den Transport von Gütern und Waren zwischen Bremen, Vegesack, Bremerhaven und die kleinen Häfen der Weserregion zum Einsatz, ebenso in der Binnen- und Küstenschifffahrt. Dabei handelte es sich um flachgehende Schiffe mit Seitenschwertern von einer Länge von zwölf bis 25 Metern. Sie verfügten über einen oder zwei Masten und waren bis zu 120 Bruttoregistertonnen groß. Am Heck befand sich ein flacher Spiegel, am Bug eine beträchtliche Deckswölbung und große Laderaumöffnungen mit spitzdachartigen Lukendeckeln mittschiffs. Die Besatzungen bestanden je nach Schiffsgröße aus zwei bis vier Seeleuten.

Im 19. Jahrhundert erlebte dieser Schiffstyp seine Blütezeit und sicherte die Stellung Bremens als Hafenstadt. Es war die Zeit der Weserversandung, in der Schiffe mit großem Tiefgang den Warenumschlagplatz an der Schlachte nicht erreichen konnten. Die Weserkähne wurden als Leichter eingesetzt, entluden die Frachter in der Außenweser und transportierten die Güter nach Bremen. Mit der 1895 vollendeten Weserkorrektion durch den Wasserbauingenieur Ludwig Franzius war es großen Seeschiffen wieder möglich, die Unterweser bis nach Bremen zu befahren. Nahezu zeitgleich setzte sich die Dampfmaschine als Antrieb für Wasserfahrzeuge durch. Die Zeit der Weserkähne war vorbei.

Ein Original dieses typisch bremischen Schiffstyps blieb nicht erhalten. Allerdings entstand ab 1994 auf der Werft „Bremer Bootsbau Vegesack“ eine Replik des Weserkahns. Das 28,57 Meter lange und 6,36 Meter breite Schiff hat eine Segelfläche von 273 Quadratmetern und wurde am 25. Januar 1999 auf den Namen „Franzius“ getauft. Das Rigg ist mit Groß, Besan, Selbstwendefock, Klüver und Flieger gaffelgetakelt. Das Plattbodenschiff entstand nach historischen Plänen in moderner, formverleimter Bauweise aus Holz. Es entspricht allen für Traditionsschiffe geltenden Sicherheitsvorschriften. Dabei verfügt es über einen 240 PS starken MTU-Dieselmotor, der bei Flaute und Manövern angelassen wird. Die Kommunikations- und Navigationsanlagen entsprechen dem neusten Stand der Technik.

Dort, wo einst die Ladung gestaut wurde, befindet sich auf der „Franzius“ die Messe. Denn das Schiff sticht regelmäßig zu Gästefahrten in See. Wie in früheren Zeiten sind die Mündungen von Weser und Elbe mit dem vorgelagerten Wattenmeer sowie die Nord- und Ostfriesischen Inseln das Heimatrevier. Aber auch Törns zu niederländischen Häfen und in die westliche Ostsee werden unternommen.

Auf diesen Reisen befinden sich in der Regel der Kapitän, sein Steuermann sowie zwei Decksleute an Bord, deren Kojen sich im Achterschiff befinden. Bei Tagesfahrten finden 30 Gäste Platz an Bord. Bei mehrtägigen Törns können 16 Personen mitsegeln, schlafen dabei im Vorschiff und mittschiffs.

Unter der fachkundigen Anleitung des Skippers und seiner Stammcrew sind die Gäste in die Arbeiten eingebunden und als Trainees unmittelbar in das Bordleben integriert. Eigner des Schiffes ist der Verein „Bremer Weserkahn Franzius“, dessen Mitglieder es in ehrenamtlicher Arbeit betreiben.

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