Weg damit! Aber wohin?

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Das Sammeln von Altkleidern lockt dubiose Geschäftemacher

Bremen - Von Lars Kattner. Einmal im Jahr muss es einfach sein. Wenn der Schreibtisch überquillt, dunkle Ecken mit immer mehr Krams, „den man vielleicht nochmal gebrauchen könnte“ gefüllt sind oder der Kleiderschrank aus allen Nähten platz: Dann beginnt das große Entrümpeln, dann ist es Zeit für den Frühjahrsputz.

Umso praktischer, dass derzeit fast wöchentlich kleine Flyer im Briefkasten liegen, die auf die nächste Altkleidersammlung aufmerksam machen. Schnell und unkompliziert werden Schuhe, Kleider und andere Textilien abgeholt. Das schafft Platz, und eine gute Tat ist inklusive.

Doch was sich in der Theorie so schön anhört, hat leider einen gewaltigen Haken. Denn im Geschäft mit den Altkleidern wimmelt es nur so vor schwarzen Schafen. Die Sammler nennen sich „Kinderhilfe“ oder „Hilfe für Behinderte“, werben mit „Pater Rodriguez“ und „Bischof Capalla“ um Spenden gegen die Armut in der Welt. Häufig verbergen sich hinter wohlklingenden Namen allerdings zweifelhafte Geschäftemacher.

Phantasievolle Vereinsnamen oder Symbole, die an kirchliche oder gemeinnützige Organisationen erinnern, sollen den Eindruck erwecken, es werde für einen karitativen Zweck gesammelt. „Es ist davon auszugehen, dass durch diese Vorgehensweise höhere Sammelmengen erzielt werden“, sagt Thomas Ahlmann vom Dachverband FairWertung.

So ist in Bremen derzeit zum Beispiel ein Flyer, deklariert als so genannte „Bürgerinformation“, in Umlauf, auf dem ein weißes Kreuz auf rotem Grund prangt. Die Assoziation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) könnte näher kaum liegen. „Wir haben das juristisch prüfen lassen, haben aber keine Handhabe, dagegen vorzugehen. Schließlich sind wir das Rote Kreuz, nicht das weiße“, sagt Lübbo Roewer, Pressesprecher des DRK Bremen. Und er ergänzt: „Wir in Bremen führen schon seit etwa 15 Jahren keine Sammlungen in dieser Form mehr durch. Wer etwas abgeben möchte, kann das bei unseren Kleiderkammern an der Hastedter Heerstraße 250 oder der Meinert-Löffler-Straße 15 in Bremen-Nord machen.“

Ein Vorgehen, zu dem auch Ahlmann rät: „Es ist schon sinnvoll, auch aus ökologischen Gründen, zu spenden. Gewerbliche Sammlungen lehnen wir als Verband gemeinnütziger Sammler auch nicht ab, aber es sollte klar sein, was mit den Kleidern und dem Geld aus einem Weiterverkauf passiert. Hier ist Transparenz gefragt.“ Neben den Kleiderkammern könne man in Bremen zum Beispiel auch auf die Arbeit des Secondhand-Ladens ProShop in Hemelingen vertrauen.

Ganz allgemein gelte: Je vager die Angaben auf dem Zettel im Briefkasten sind, desto eher ist von einem gewerblichen Sammler ohne karitativem Hintergrund auszugehen. So heißt es im vorliegenden Fall auf zwei unterschiedlichen „Bürgerinformationen“ wortgleich: „Wir sind eine Initiative, die arbeitslosen Menschen wieder zu einem Vollzeitarbeitsplatz verholfen hat. Darum bitten wir Sie, uns durch Ihre Mitwirkung bei der Altkleidersammlung zu unterstützen.“ Im einen Fall sei das „Sammelzentrum Wehye“ verantwortlich, im anderen das „Bremen Einsatzfahrzeug“. Weitere Informationen gibt es neben einer Handynummer, die entweder gar nicht vergeben ist oder nur mit Mailbox arbeitet, aber nicht.

Schlechte Erfahrungen mit Altkleidersammlungen hat auch die AWO in Bremen gemacht. So habe man vor etwa sechs bis sieben Jahren kurzzeitig mit einem Unternehmen zusammengearbeitet, das die Altkleidersammlungen im Namen der AWO durchgeführt habe. Im vergangenen Sommer seien dann plötzlich alte Sammelkörbe mit den entsprechenden Handzetteln mit einem rosa Herz in Bremen aufgetaucht. Verantwortlich: das Sammelzentrum Weyhe, inklusive einer nicht existierenden Mobilfunknummer. „Wir haben uns daraufhin mit unseren Anwälten beraten. Aber da wir an die Verantwortlichen nicht herankommen, wäre nur eine Unterlassungsklage gegen Unbekannt möglich gewesen“, sagt der Bremer AWO-Vorstand Herbert Kirchhoff. „Fakt ist: Wir haben keine vertraglichen Verabredungen, dass irgendjemand in unserem Namen etwas sammeln soll. Und wir wollen so etwas auch nicht wieder machen.“

Übrigens: Auch der Gemeinde Weyhe ist eine Organisation unter dem Namen „Sammelzentrum Weyhe“ nicht bekannt, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung. Und weiter: „Die Gemeinde Weyhe empfiehlt dringend, sich an die bekannten gemeinnützigen Organisationen zu wenden, die Altkleider sammeln.“

Wer also seinen Kleiderschrank ausmistet, der sollte sich ganz genau überlegen, was mit den alten Klamotten passieren soll. Das gilt übrigens nicht nur für die bequeme Abholung von der Bordsteinkante. Auch bei zahlreichen der aufgestellten Sammelcontainer mangelt es oft an Transparenz, dubiose gewerbliche Händler versuchen, ein Stück vom Kuchen mit dem Altkleidergeschäft zu ergattern.

Denn die Mengen, um die es geht, sind enorm: „Geschätzte 750.000 Tonnen Altkleider werden im Jahr in Deutschland gesammelt. Das entspricht in etwa einer LKW-Schlange von Kiel bis München. Und das ist noch eine eher konservative Annahme“, erläutert Thomas Ahlmann.

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