„The Story“-Tour im Pier 2

Runrig-Konzert: Gälisch für Anfänger

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Bremen - Von Marvin Köhnken. Rund 60.000 Menschen sprechen weltweit gälisch, vor allem im Westen Schottlands. Runrig, die wohl prominentesten von ihnen, standen am Donnerstag im Pier 2 auf der Bühne. Und plötzlich waren es einige Hundert mehr, die diese Sprache beherrschen.

Gemeinsam mit den Folk-Rockern singen sie die teilweise auch in der Heimatsprache der Bandgründer Calum und Rory MacDonald geschriebenen Lieder. Schottland zum Greifen nah – und das ganz ohne die bei anderen Folk-Bands oft unverzichtbaren Dudelsäcke.

Bruce Guthro und Calum MacDonald (v.l.) auf der Bühne im Pier 2.

Landschaftsaufnahmen von den schottischen Inseln flimmern über eine große Videowand und komplettieren das Gefühl von einer Reise in das Land der Whiskys und grünen Schafsweiden. Schlagzeug und Trommeln, einprägsame Keyboard-Klänge und die Stimme von Bruce Guthro – die Musik von Runrig ist über jeden Zweifel erhaben. Was nach 43 Jahren, in denen die Gruppe bereits existiert, keine Überraschung ist. Offensichtliche Abnutzungserscheinungen oder Bühnenmüdigkeit suchen kritische Zuhörer vergebens.

Zwei Stunden lang erzählen die Musiker über Schottland, Amerika, große Emotionen. Da gibt es Lieder über die Liebe, Lieder über die schottische Weiten, Lieder über die pure Freude an der Musik. Und immer wieder die Erinnerung an vergangene Tage, ohne hoffnungslos in Nachdenklichkeit zu versinken oder sich ob des eigenen Alters zu grämen.

Neuestes (und letztes) Studio-Album im Gepäck

„The Story“ lautet so auch konsequenterweise der Titel der aktuellen Deutschland-Tournee, die an diesem Abend in Bremen ihren Anfang nimmt und die das letzte Studio-Album der Band in den Mittelpunkt stellt.

Die gleichnamige Single wirft ebenso einen Blick zurück. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge, wenn der alternde Protagonist des überwiegend auf gälisch gesungenen Liedes sich an seine Frau und den ersten Tanz mit ihr erinnert. Wer das nicht alles zu übersetzen im Stande ist, lässt sich – ein wenig Emotionalität vorausgesetzt – durch die Szenen auf der Videowand von der Sehnsucht dieser Geschichte anstecken.

Mit Trommeln ausgerüstet rücken die Schlagzeuger zur Mitte der Show in den Vordergrund.

„Wir sind noch nicht tot, es ist nur unser letztes Studio-Album“, glättet Sänger Guthro Befürchtungen, Runrig könnte mit einem baldigen Ende ihrer beispiellosen Karriere liebäugeln. Da gebe es einige Projekte, die die Band noch auf dem Zettel habe, hatte Rory MacDonald schon Anfang das Jahres zur Veröffentlichung der aktuellen Platte verkündet. So sind Fans und Künstler miteinander im Reinen. Jeder Musiker findet auf der Bühne seinen musikalischen Raum. Guthro lässt dem Publikum die Zeit, die großen Zeilen wie „Beat the drum“ („Pride of the Summer“), „Loch Lomond“ und „A Dance Called America“ mitzusingen und beschwert sich auch nicht, als die Stimmen aus der Halle mitunter nur zaghaft, dafür aber umso leidenschaftlicher an seine Ohren dringen.

Guthro: „Großer Respekt vor Rory und Calum“

„Ich habe großen Respekt vor Rory und Calum, die seit mehr als 40 Jahren immer wieder neue Ideen für ihre Songs finden“, sagt Guthro, der vor 18 Jahren in die Fußstapfen von Sänger Donnie Munro getreten ist und sich seitdem immer wieder neu als würdiger Nachfolger beweisen muss. Immerhin gilt Munro, der mittlerweile solo musiziert, für viele Fans bis heute als „Stimme Schottlands“ ohnegleichen.

Runrig - The Story im Pier 2

„Ich verstehe nicht alles, was Rory und Calum ausdrücken wollen, aber das, was ich weiß, ist, dass ihre Musik mein Herz berührt,“ huldigt Guthro den Runrig-Songwritern. Die Fans, die am Donnerstag nach Bremen gekommen sind, können dieser Aussage ohne jeden Zweifel zustimmen.

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