Polizei: Dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung

Rückkehr in die Normalität im Weserpark

SEK-Beamte der Bremer Polizei am Mittwochabend am Einkaufszentrum Weserpark. Das komplette Center wurde auf der Suche nach einer verdächtigen Person evakuiert. Die Durchsuchung dauert bis gestern Morgen. - Foto: dpa

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke und Jörg Esser. Bis in die Morgenstunden hat die Polizei mit einem Großaufgebot den Weserpark durchsucht. Stück für Stück, Quadratmeter für Quadratmeter. Nach einem als gefährlich eingestuften jungen Mann. Und nach Sprengstoff. Oder Waffen. Davon ist am Vormittag nichts mehr zu spüren. „Es ist schnell wieder Normalität eingekehrt“, sagt Center-Managerin Monika Mehrtens.

Das Geschäft läuft, der Rubel rollt. „Und das ist auch gut so“, sagt ein Ladenbesitzer. Ein „komisches Gefühl“ bleibt – bei Geschäftsleuten, bei Kunden. „Beim Einkaufen abgeknallt zu werden, das will ich mir nicht vorstellen“, sagt eine junge Frau. Eine, die am Vorabend just ein Schokoeis schleckte, als sie evakuiert wurde. Ein Mann aus Hastedt (etwa 45 Jahre alt), der nicht live dabei war, gibt sich am Morgen danach trotzig: „Irgendwann ist eh Schluss“, sagt er. „Und ich will mir von irgendwelchen durchgedrehten Psychos nicht vorschreiben lassen, wie ich mein Leben lebe.“ Mehrtens sagt: „Die Stimmung lässt sich mit Erleichterung am besten beschreiben.“

Viel Feedback habe sie am Morgen über die „professionelle und besonnene Evakuierung bekommen“, fährt die Center-Managerin fort. Positives Feedback. Der Verweis auf einen „technischen Defekt“, der eine Räumung notwendig mache, hat offenbar zur Entspannung der Situation beigetragen. Eine junge Frau erinnert sich: „Das kam mir komisch vor. Aber als ich nachgedacht habe, war ich schon draußen.“

Mehrtens lobt den „sehr kompetenten und besonnenen“ Einsatz von Polizei und Feuerwehr. Und sie betont auf Nachfrage, dass das Thema Sicherheit im Weserpark immer ernstgenommen werde. „Wir passen unser Sicherheitskonzept bei Bedarf an neue Herausforderungen an.“ Details verrät sie nicht. Und auch die Umsatzverluste ließen sich nicht beziffern.

Wie berichtet, war ein 19-jährige Asylbewerber aus Algerien am Mittwochmorgen aus der Psychiatrie in Bassum geflohen. Dabei hatte er laut Polizei Diepholz gegenüber einer Ärztin gedroht: „Ich sprenge Euch in die Luft.“ Die Polizei schloss eine Eigen- und Fremdgefährdung nicht aus. Zudem soll der Jugendliche sich zur Amoktat in München und dem IS-Terror geäußert haben. In die Psychiatrie war er erst am Sonntag eingeliefert worden. Zuvor hatte ihn die Polizei wegen Hausfriedensbruchs und Diebstählen festgenommen. Da er sich, wie es heißt, im Gewahrsam mehrfach selbst verletzte und auch Drogen im Spiel waren, schickte ihn ein Richter in die Klinik.

Lesen Sie auch: Innensenator Ulrich Mäurer im Interview zum Großeinsatz und zur Sicherheitslage im Land Bremen

Nach seiner Flucht fahndete die Polizei Diepholz vergeblich nach ihm und bat die Bremer Kollegen um Hilfe, die dann am Nachmittag den Hinweis eines Zeugen bekamen, dass sich ein „Verdächtiger“ im Weserpark aufhalte. Den Angaben nach soll sich der Mann immer wieder umgeschaut haben, Dinge in seinen Rucksack gesteckt und rausgenommen haben und den Zeugen angegangen sein, er solle nicht gucken. Auf einem Foto identifizierte der Zeuge den 19-Jährigen. Da der Verdächtige verdeckt nicht gefunden wurden, entschied sich die Polizei zur Evakuierung des Centers mit seinen 170 Läden und durchsuchte den Weserpark bis in den frühen Morgen. Weder der Jugendliche noch gefährliche Gegenstände wurden gefunden, heißt es. Unterdessen nahm die Bundespolizei den Psychiatrie-Patienten um Mitternacht am Bremer Hauptbahnhof fest, als er nach Syke fahren wollte. Sie übergab ihn der Polizei Diepholz. Ohne nach den Vorkommnissen der vergangenen Stunden erneut einen Psychologen hinzuzuziehen, setzte sie den Algerier, den sie noch am Abend für gefährlich gehalten hatte, auf freien Fuß. Die Polizisten glaubten ihm, dass er seine Terrordrohung nicht ernst gemeint habe. Im Weserpark will er auch nicht gewesen sein. Ganz sicher könne man sich da „natürlich nicht sein“, so die Polizei. Der Unterbringungsbeschluss gegen den jungen Mann war übrigens bereits am Mittwoch aufgehoben worden, was er bei seiner Flucht aber noch nicht wusste.

Warum der 19-Jährige nicht zurück in die Psychiatrie kam, warf zumindest in der City Fragen auf. „Allein nach den Erlebnissen wie Flucht aus der Klinik und Festnahme hätte er vielleicht Hilfe gebraucht“, sagte eine Mittvierzigerin. „Es ging doch auch um Drogen und Selbstverletzung. Das soll so schnell besser sein?“ fragte sich ein 58-Jähriger.

Am Großeinsatz nahmen rund 100 Beamte aus Bremen und Niedersachsen teil. Ein Bremer Polizeisprecher lobte die „hervorragende Kooperation“ mit der Landespolizei Niedersachsen. Und er betonte, dass die Polizei dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung auf Verdächtiges sei. „Es ist gut, wenn die Menschen sensibel sind“, sagte er.

Mehr zum Thema:

Neddener Advent

Neddener Advent

Martfelder Christkindl-Markt

Martfelder Christkindl-Markt

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Adventsmarkt in Otterstedt

Adventsmarkt in Otterstedt

Meistgelesene Artikel

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

32-Jähriger bei versuchtem Diebstahl schwer verletzt

32-Jähriger bei versuchtem Diebstahl schwer verletzt

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Kommentare