Bessere Verwertung von GFK-Material

Rotorblätter und Spuckstoffe

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Neocomp-Betriebsleiter Victor Maier greift in einen Berg von Ersatzstoffen – die Hand steckt vorsorglich aber in einem Plastikbeutel.

Bremen - Von Ralf Sussek. Nach einjähriger Entwicklungs- und Tesphase hat die Neocomp GmbH eine Aufbereitungsanlage für glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) in Betrieb genommen, mit der ein umweltgerechter und geschlossener Verwertungskreislauf entsteht – und damit nach eigenen Angaben ein in Europa einzigartiges System.

GFK gilt als Material mit vielen Vorteilen, das in zahlreichen Branchen wie dem Schiffbau, der Automobilindustrie, der Energiewiertschaft und der Luftfahrt zu Einsatz kommt. Doch was tun, wenn die Deponierung (wie seit rund zehn Jahren der Fall) verboten, der Stoff schlecht brennbar ist und einen (zu) hohen Aschegehhalt hat? Nehlsen hat dafür eine Lösung gefunden. Die Firma Neocomp, eine Tochter der Nehlsen-Gruppe und von Neowa (Lüneburg), einem Betreiber von Anlagen in der Abfallwirtschaft, bereitet GFK-Produktionsrückstände auf.

Viel Staub, viel Wasser: Normalerweise werden die Rotoren direkt von Ort zertrennt. Gestern geschah dies zu Demonstrationszwecken auf dem Hof der Neocomp. 

Rotorblätter von Windkraftanlagen bestehen zu einem gehörigen Teil aus Glasfaserverbundstoffen. So wie auch Produktionsrückstände aus der Automobil-, Freizeit- und Elektroindustrie, der Maritimen Wirtschaft und der Luftfahrt. Weil Materialien aus oder mit GFK – das können auch Surfbretter oder ausgediente Ski sein – schlecht (ver)brennen, werden ihnen später sogenannte Spuckstoffe aus der Papierherstellung beigemischt. Zuvor wurden Bestandteile wie Siliziumoxid ausgesondert. Vorteil dieses Verfahrens: Die in der Neocomp-Anlage produzierten Ersatzstoffe werden einer vollständigen Verwertung zugeführt, das heißt, entweder werden sie wiederverwendet (zum Beispiel in der Zement- sowie in der weiterverarbeitenden Industrie) oder sie können eben nun bestmöglich verbrannt werden. Damit gibt es für Glasfaserverbundstoffe zum ersten Mal europaweit ein „Zero-Waste“-Konzept („null Abfall“).

Und weil nun, am Ende des Lebenszyklus, die ersten Windparks rückgebaut werden, gibt es so einige Rotorblätter, die auf diese Weise verarbeitet werden können. Sie werden zunächst vor Ort in Stücke von sechs bis acht Metern Länge geschnitten und nach Oslebshausen auf das Neocomp-Betriebgelände transportiert. Auf rund 25 Prozent Anteil beziffert Neocomp-Geschäftsführer Frank Kroll den Anteil bisher. In den nächsten Jahren soll der noch gesteigert werden. „Derzeit produzieren wir mit der Anlage in zwei Schichten täglich 100 Tonnen Ersatzbrennstoff. Mit Blick auf die hohe Nachfrage am Markt planen wir bereits den Ausbau der Kapazitäten“, sagt Neocomp-Vertriebschef Mika Lange.

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