Die Risikoabwägung

Faulenquartier: Abtransport einer 20-Zentner-Bombe

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Bremens Sprengmeister Andreas Rippert hatte am Sonntag einen schon wegen der Größe des gefundenen Blindgängers außergewöhnlichen Einsatz. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Entschärfung der amerikanischen 20-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Bauarbeiten im Stephaniviertel gefunden wurde, war am Sonntag nicht möglich – zu schlecht war der Zustand der Zünder. Sie seien zu deformiert für eine Entschärfung, so ein Sprecher der Bremer Polizei. Eine dann eingeleitete kontrollierte Sprengung am Fundort wurde wegen einer in der Nähe verlaufenden Gasleitung wieder abgesagt.

„Das war schon bekannt, als wir von einer Entschärfung ausgingen, aber für eine Sprengung war das zu riskant“, sagte ein Polizeisprecher. Nach einer Risikoabwägung hätten sich der Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes und der Einsatzleiter für einen Abtransport entschieden, so der Sprecher weiter.

Mit einem Bagger wurde die amerikanische 20-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg Sonntagvormittag freigelegt. 

Die Bombe wurde dann in das nahegelegene Güterverkehrszentrum (GVZ) gebracht. Sprengmeister Andreas Rippert entschied sich später für eine Örtlichkeit nahe dem Ende der Autobahn 281, um die Bombe dort kontrolliert detonieren zu lassen. Für die Sprengung um 17.20 Uhr wurde zur Sicherheit ein Radius von einem Kilometer abgeriegelt.

Da das Gebiet um die Bombe nahe der Stephanibrücke bereits weiträumig von Menschen geräumt worden war, bestand keine Notwendigkeit, für den Transport zum GVZ weitere Evakuierungen vorzunehmen.

Ein Radius von 600 Metern war evakuiert worden. Etwa 2. 500 Bewohner beidseitig der Weser hatten ab acht Uhr ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Auch der Schiffsverkehr auf der Weser war gesperrt. Innerhalb dieses Radius lag auch das Funkhaus von Radio Bremen. In einem Abstand von 1500 Metern wurde luftschutzmäßiges Verhalten vorgeschrieben. Menschen sollten sich nur in Gebäuden aufhalten und immer nur auf der weserabgewandten Seite. Fenster auf der Weserseite, die der Bombe zugewandt waren, sollten offengehalten werden. Auch in diesem größeren Radius sollte es möglichst keinen Personenverkehr geben. Erst am frühen Nachmittag, nach dem erfolgreichen Transport der Bombe ins Güterverkehrszentrum, wurden die Sicherheitsmaßnahmen dann wieder aufgehoben.

Nach der Evakuierung des Funkhauses von Radio Bremen, das ganz in der Nähe des Bomben-Fundorts liegt, haben 70 Sender-Mitarbeiter ihre Arbeit am Sonntag an anderen Orten erledigen müssen. Die Hörfunkprogramme Radio Bremen Eins und Funkhaus Europa zogen in das Radio-Bremen-Studio Bremerhaven um. Bremen Vier sowie die Nachrichten- und Online-Redaktion gingen ins Parlamentsstudio im Haus der Bürgerschaft.

Die mobile Fernsehtechnik wurde in die Stadthalle verlegt. Bereits am Freitag wurde mit Hochdruck an dem Notkonzept gearbeitet (wir berichteten). Am Sonnabend begannen dann die Umzüge. Wie viel das gekostet hat, konnte Radio-Bremen-Sprecher Michael Glöckner im Vorfeld nicht abschätzen. Dafür war der Stress im Funkhaus zu groß.

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