Theaterstück zur Situation von Asylbewerbern

Das Ringen ums Verstehen

Das deutsch-afghanische Regieteam von „For Safety Reasons“ Solveig Hörter (Mitte) und Reza Abbasi (rechts) mit Roien Fazli, der als Übersetzer und Darsteller mitwirkt. - Foto: Bremer Volkshochschule

Bremen - Sicherheit, was bedeutet das für Asylbewerber in Bremen? Das deutsch-afghanische Regieteam Solveig Hörter und Reza Abbasi stellt diese Frage in einem Theaterstück, das am Freitag, 15. Juli, an der Volkshochschule Bremen (VHS) Premiere feiert.

Die Akteure dieses „Theater-Wirklichkeits-Clashs“, wie es genannt wird, sind ehemalige Teilnehmer eines Deutschkurses. „Sie setzen das Ringen um das gegenseitige Verstehen szenisch um – irgendwo zwischen dokumentarischem Theater und Fiktion“, sagt Alexandra Albrecht, Sprecherin des Kulturressorts. Gefördert wird das Projekt „For Safety Reasons“ von der Senatorin für Kinder und Bildung und unterstützt von der Volkshochschule.

Vor einigen Monaten trafen sich die beiden Theatermacher Solveig Hörter und Reza Abbasi an der VHS in einem Einsteigerkurs Deutsch. Hörter unterrichtete, Abbasi war ihr Schüler. Da die Teilnehmer nicht aus Syrien, Eritrea, dem Iran oder Irak kommen und damit keine gute Bleibeperspektive haben, gab es für sie keine Fortsetzung in einem Integrationskurs. Abbasi ist vor acht Monaten aus Afghanistan geflüchtet und muss, wie viele seiner Kurskollegen, warten, bis sein Status abschließend verhandelt ist. Erst dann darf er Integrationskurse besuchen.

Doch die Asylbewerber wollten die Zeit nutzen, so entstand die Idee zu einem Theaterprojekt. Claudia Oefele aus dem VHS-Fachbereich „Deutsch als Fremdsprache“ setzte sich für eine Förderung aus dem Bildungsressorts ein. Die VHS stellte die Probenräume und die Bühne im Julius-Bamberger-Saal zur Verfügung.

Das Stück nähert sich, wie es im Vorfeld heißt, auf zwei Ebenen der komplexen Thematik rund um Krieg und Konflikte in den Herkunftsländern, um Flüchtlingsabkommen und Asylverfahren an – erst konkret aus der Deutschkurs-Situation heraus, dann auf der politischen Ebene, beispielsweise angesichts des Asylabkommens mit der Türkei und der Probleme in Griechenland. „Das Theaterstück entsteht nach und nach aus der Arbeit mit der eigenen Situation“, erläutert Hörter.

Abbasi ergänzt: „Das ist interessant und schwierig zugleich. Nicht nur wegen der belastenden Thematik, über die es viele Diskussionen gibt, sondern auch wegen sprachlicher Hürden.“ Hörter und Abbasi haben keine gemeinsame Sprache, um sich auf dem abstrakten Niveau, das ihr Anliegen erfordert, zu verständigen. Manchmal schalten sie deshalb telefonisch einen Übersetzer zu, wenn keiner anwesend sein kann. „Unser Ziel war es, gemeinsam etwas entstehen zu lassen. Und das funktioniert.“

Solveig Hörter hat Theaterpädagogik studiert und gibt zur Zeit Deutschkurse an der VHS. Demnächst geht es weiter mit dem Masterstudium. Außerdem ist sie in Theaterprojekten aktiv. Reza Abbasi hat in Afghanistan einen eigenen Dokumentarfilm gedreht und für einen privaten Fernsehsender gearbeitet.

Insgesamt sind 15 Frauen und Männer aus Afghanistan, Albanien, Iran und Deutschland an dem Theaterstück beteiligt. Nicht alle stehen auf der Bühne. Auch hinter den Kulissen arbeiten einige als Grafikdesigner oder Musiker.

Die Vorstellungen von „For Safety Reasons“ finden am 15. und 16. Juli sowie am 10. September jeweils um 19 Uhr in der VHS, Faulenstraße 69, Julius-Bamberger-Saal, 1. Etage, statt. Der Eintritt ist frei, es wird jedoch um Spenden gebeten. - gn

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