Freiheit unter Vorbehalt

Landgericht verurteilt Werder-„Ultras“ zu Bewährungsstrafen

+

Bremen - Von Steffen Koller. Auf den Tag genau fünf Monate nach Prozessbeginn gegen die Werder-„Ultras“ Valentin S. (22) und Georg S. (23) hat das Landgericht Bremen jetzt die Angeklagten unter anderem wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen.

Ins Gefängnis muss dennoch keiner der jungen Männer. Ausgelassen, als wüssten sie, was gleich passieren würde, nahmen Valentin S. und Georg S. am Dienstag auf der Anklagebank des Saals 218 Platz. 90 Minuten später folgte das Urteil, das sich so in den vergangenen Wochen nicht unbedingt abgezeichnet hatte.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Manfred Kelle verurteilte Valentin zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe, der 23-jährige Mitangeklagte erhielt ein Jahr und acht Monate, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss Georg S. ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro an eines der Opfer zahlen. Bei beiden Strafen wurde eine Bewährungszeit von drei Jahren festgelegt.

Bei Valentin, der seit Juli vergangenen Jahres mit Unterbrechungen in U-Haft saß, stellte das Gericht in insgesamt sechs Fällen der gefährlichen Körperverletzung, der versuchten Körperverletzung und der versuchten Nötigung die Schuld des 22-Jährigen fest. Besonders schwer wog bei der Strafzumessung ein Steinwurf auf einen Fotografen bei einer Demo in Rostock, „bei dem nicht viel zum bedingten Tötungsvorsatz“ gefehlt habe, meinte Kelle.

Lust an Prügeleien

Außerdem – und der Grund für die Inhaftierung Valentins – habe er sich im April 2015 an einer Schlägerei beim Nordderby in Bremen beteiligt, seinem Opfer Tritte gegen Gesicht und Kopf zugefügt. Trotz der öffentlich zur Schau gestellten linken Gesinnung der Angeklagten hegte Kelle Zweifel an einer ausschließlich politischen Motivation für die Taten. „Es ging nicht nur darum, Nazis Grenzen aufzuzeigen. Sie hatten schlicht Lust, sich zu prügeln“, sagte der Vorsitzende auch in Richtung Georg S., der ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen wurde.

Kelle verurteilte die Taten der Männer als „feige und überdurchschnittlich brutal“, berücksichtigte beim Urteil aber auch, dass Valentin ein „gewisses Maß an Einsicht“ gezeigt habe und Teilgeständnisse abgelegte. Die späte Einsicht habe letztlich auch dazu geführt, dass das Gericht auf eine Bewährungsstrafe entschied und somit deutlich unter der geforderten Strafe von Staatsanwalt Benedikt Bernzen blieb.

Dieser plädierte bei seinem Schlussvortrag auf dreieinhalb Jahre Haft für Valentin. Bei Georg hingegen legte das Gericht auf die Forderung des Anklagevertreters drei Monate drauf, am Ende ein Jahr und acht Monate.

Ab jetzt komme es auf die Angeklagten an, meinte Kelle, der einen ausdrücklichen Appell an die Männer richtete: „Machen Sie was draus. Wir haben ein scharfes Auge auf Sie.“ Mit Blick auf ihre Zukunft sei es vielleicht angebracht, auch ihrem gewohnten Umfeld mit „erheblichem Aggressionspotenzial“ zu entsagen. Valentins Verteidiger Horst Wesemann zeigte sich glücklich über das Urteil.

Lesen Sie auch:

- Valentin S. auf freiem Fuß

- Viel erzählen, nichts sagen

- Werder-„Ultra“ schweigt

Mehr zum Thema:

Jubiläum der Grundschule Horstedt

Jubiläum der Grundschule Horstedt

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Werder-Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

500 Zivilisten in Aleppo getötet

500 Zivilisten in Aleppo getötet

Meistgelesene Artikel

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

Prozess-Auftakt: Fußgänger stirbt nach Unfall

Prozess-Auftakt: Fußgänger stirbt nach Unfall

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare