„Bremen zur See“: Modell-Gigant der „Bremen“ liegt im Technik-Museum Speyer

Die Reise ins Guinness-Buch

Im August 1999 wurde die „Bremen“ für eine Ausfahrt auf dem Rhein ein letztes Mal zu Wasser gelassen. Im Hintergrund der Dom von Speyer. Foto: Technik-Museum Speyer

Bremen - Von Harald Focke. Eines Tages würde er dieses Schiff als Modell bauen... Seit der damals 13-jährige Günter Buse 1939 den Schnelldampfer „Bremen (IV)“ des Norddeutschen Lloyd an der Columbuskaje in Bremerhaven gesehen hatte, ließ ihn seine Idee nicht wieder los. Allerdings wollte er sie nicht für die Vitrine zu Hause, sondern als schwimmfähiges und seetüchtiges Großmodell. Der kleine Junge aus Osnabrück wollte selbst in seiner „Bremen“ fahren. Die Geschichte erzählen wir in unserer heutigen Folge der Serie „Bremen zur See“.

Der Zweite Weltkrieg verzögerte Buses Modellbau-Plan. Erst 1947 konnte er loslegen, als es sein Vorbild schon nicht mehr gab. 1941 war das Original an der Columbuskaje in Bremerhaven ausgebrannt. Baupläne hatte Buse nicht, ihm mussten Fotos und ein winziges Plastikmodell genügen. Nach drei Jahren bekam er Unterstützung von seinem Freund Günter Bos. Ihr Modell sollte im Maßstab 1:25 entstehen. Kein Wunder, dass es bei dieser Größe weitere zwölf Jahre lang dauerte, bis Bos und Buse fertig waren.

Als sich der Erfolg abzeichnete, kam Hilfe aus Bremen: Der sonst so knauserige Norddeutsche Lloyd (NDL) ließ sich anstecken und erkannte den Werbewert des Mini-Liners: Er stiftete den Osnabrückern zwei 38 PS-Dieselmotoren, die sonst Mercedes-Limousinen antrieben. Im Gegenzug bekam der NDL die Zusage, das Modell auf einer Tour in den USA zu zeigen, um seinen Passagierdienst zwischen New York und Bremerhaven noch bekannter zu machen. Die fahrtüchtige kleine „Bremen“ war zwölf Meter lang, knapp 1,80 Meter breit und gut 3,50 Meter hoch. Sie wog zehn Tonnen und brauchte zwei Mann Besatzung. Gefahren wurde das Modell vom Steuerstand unterhalb der Brücke, die sich zum Einstieg hochklappen ließ. Von hier aus ließen sich auch die Motoren regeln, die für sieben Knoten sorgten, etwa 13 Kilometer pro Stunde. Der Ausblick nach vorn war nur durch eine kleine Öffnung möglich, sofern der Steuermann es nicht vorzog, die Deckenklappe zu öffnen, um freie Sicht zu haben.

Nach den ersten Vorführungen auf der Weser brachte ein Lloyd-Frachter die kleine „Bremen“ in die USA. Die Amerikaner waren voller Anerkennung, als sie in New York auftauchte. Als Bos und Buse mit ihrem Mini-Liner die Freiheitsstatue passierten, waren ihre jahrelangen Anstrengungen vergessen.

In New York begann das Modellschiff seine drei mit dem Lloyd vereinbarten Reisen: Die eine ging über Philadelphia und Baltimore nach Washington, eine weitere über Albany nach Buffalo am Eriesee und die dritte führte an der Ostküste der Vereinigten Staaten entlang nach Boston. Auf dieser Fahrt bewies das Großmodell seine Seetüchtigkeit. Erst bei mehr als vier Windstärken musste es im Hafen bleiben.

Bos und Buse bereisten danach Flüsse und Seen in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Zur folgenreichen Belastungsprobe wurde eine Fahrt nach Helgoland. Nach dem langen Törn durch die Nordsee war das Modellschiff stärker mitgenommen als erwartet. Weder das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven noch das Übersee- oder das Focke-Museum in Bremen hatten Interesse, es auszustellen. Das Technik-Museum Speyer holte die „Bremen“ 1997 in die Pfalz.

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