Studenten mit Elektro-Rennwagen bei Konstruktionswettbewerb in Barcelona

Rasante Beschleunigung

Katharina Hildebrandt hat im Cockpit des neuen Rennwagens aus Bremen Platz genommen. Jonas Fromme prüft den Sitz des Gurtes. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Zum dritten Mal haben das aus Studenten bestehende „Formula Student Electric Team Bremen“ und der dahinter stehende Verein „Bremergy“ ein elektrobetriebenes Rennfahrzeug gebaut, den „Bremo 16“. Vom 25. bis 28. August soll er bei der „Formula Student 2016“, einem Konstruktionswettbewerb von Studenten, in Barcelona auf der Rennstrecke „Circuit de Catalonya“ an den Start.

Der Wagen sieht aus wie ein Fahrzeug aus der Formel 1. Die Front-, Seiten- und Heckflügel sind in nüchternem Schwarz angestrichen. „Die sorgen für Abtrieb, das ist das Gegenteil von Auftrieb“, erklärt Katharina Hildebrandt, die das Fahrzeug neben drei Männern fahren soll. „Das Fahrzeug wird heruntergedrückt, damit es nicht abhebt.“ Die Studentin der Produktionstechnik kennt sich besonders mit der Aerodynamik des Fahrzeugs aus. Die zierliche Frau gehört zu den wenigen im Team, die in das enge Cockpit passen und ihre Beine vor dem Gas- und Bremspedal unterbringen können. Der Rumpf des Fahrzeugs ist überwiegend Weiß, aber auch die Farben Rot, Grün und Schwarz kommen vor. „Das ergibt zusammen die Farben von ,Bremergy', Schwarz und Grün sowie Rot und Weiß für Bremen“, erklärt sie.

Auf allen Flächen sind zudem die Namen von Sponsoren und beteiligten Institutionen aufgedruckt. Das Ganze sieht beeindruckend professionell aus – ein richtiger Rennwagen mit vielen Unterstützern. Hildebrandt hat zwei Fahrräder, fährt manchmal die Autos der Eltern und hat sogar Erfahrungen mit Traktoren. Sie weiß aber genau, dass „Bremo 16“ sich ganz anders verhalten wird. Die zwei Elektromotoren leisten zusammen 190 PS und erreichen das jeweilige Drehmoment im Gegensatz zu Benzinern praktisch sofort. „Die Beschleunigung ist viel stärker als bei Verbrennungsmotoren“, sagt sie. Neben dem Lenkrad befindet sich ein großer roter Notaus-Knopf. Hildebrandt soll in Spanien Beschleunigungsrennen fahren sowie Strecken mit der Form einer großen Acht. „Bei solchen Strecken sind kleine und zierliche Fahrer im Vorteil“, sagt sie.

Genauso leicht wie die Fahrerin wirkt auch der Rennwagen. Er sieht fast aus, als wäre er aus dünnem Holz. Tatsächlich handelt es sich aber um einen modernen Kohlefaserverbundwerkstoff.

Nicht in das Cockpit passt der durchaus schlanke, aber einfach zu große Teamleiter Jonas Fromme. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens ist zugleich Vereinsvorsitzender bei „Bremergy“. „Wir können mit dem Wagen etwa 130 Stundenkilometer erreichen. Mit einem anderen Getriebe wären sogar 300 km/h“, sagt er. „Doch bei den Rennen geht es primär um schnelle Runden. Da ist dieses Getriebe besser, weil es sehr schnell beschleunigt.“

Bevor das passieren wird, müssen die 72 Team-Mitglieder, von denen 20 vor Ort sein werden, noch einmal zittern. Die Sicherheitsprofis der Dekra kommen vor den Rennen und prüfen alle antretenden Fahrzeuge auf ihre Sicherheit. „Ein Drittel der Teams kommt meist nicht an den Start“, sagt Fromme. Dieses Schicksal ereilte im vergangenen Jahr auch die Bremer. „Nachdem wir 2014 mit einem einfachen Minimal-Konzept als unserem ersten Wagen angetreten sind, haben wir 2015 den großen Sprung von der Anfänger- in die Top-Liga probiert.“ Die Folge waren Software-Probleme bei der Steuerung der beiden starken Akkus. Diesmal ist das Team zuversichtlich. Ein Risiko stellen aber die zehn bis 15 Grad höheren Temperaturen in Barcelona dar.

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