Silvia Brockfeld: „Passage interdit“

„Mein Kunst-Stück“: Quirliger Moment

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In Silvia Brockfelds „Passage interdit” überlagern sich Wahrnehmungsfragmente eines Moments. Die Künstlerin präsentiert das Bild in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Passage interdit“ heißt Silvia Brockfelds Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es vereinigt fast gleichzeitig wahrgenommene Eindrücke aus der Pariser Metro. Das quirlige Geschehen überlagert sich.

„Das Leben an den unterirdischen Stationen der Metro ist beeindruckend“, sagt Silvia Brockfeld, „Menschen eilen vorbei, in den Gängen spielen Straßenmusiker, Züge fahren ein, überall sieht man Hinweisschilder.“ Als Vorlage für „Passage interdit“ dienten ihr eigene, ältere Fotografien – eine wahre Fundgrube. „Hätte ich die Fotos heute gemacht, würden die Menschen wohl alle nach unten, auf ihr Smartphone schauen“, merkt sie amüsiert an. Die Fotografien entstanden mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, Unschärfen und Ausschnitten. Auf transparenten Fotoabzügen konnte sie die Motive überlagern und in Fotogrammen entfremden. Aus ihnen entwickelte sich das Konzept für „Passage interdit“ (Durchgang verboten).

Auf 1,70 Meter mal zwei Meter gibt Brockfeld eine künstlerische Kostprobe vom geschäftige Treiben in der Metro. Die Flut der Eindrücke können unsere Sinne nur flüchtig und fragmentarisch erfassen. Einige Details werden selektiv wahrgenommen. So bleibt auch auf dem Bild vieles im Unklaren. Räume und Personen vermischen sich. Wer ganz genau hinschaut, sieht beispielsweise in der rechten Bildhälfte schemenhaft ein Gesicht: sehr nah, übergroß und transparent. Auf dem Foto, knapp über der rechten Schulter der Künstlerin, erkennt man das Augenpaar mit Brille.

Für die ersten Schichten des Bildes verwendete Brockmann Pastellkreide und Acryl. Später kommen Öl und Graphit dazu. „Bei diesem Bild habe ich stark mit Lasuren gearbeitet“, sagt die Malerin. Dadurch ließen sich Zeit und Bewegung darstellen. Es gibt aber auch ganz andere Bilder von Brockfeld.

In der Reihe „Memorys“ beispielsweise scheint die Zeit stillzustehen, der Moment aus der Nähe für immer festgehalten. Augenblicke und Detailszene zeigen sich in ruhigen, flächig verarbeiteten Farben. Die Figuren und Motive zeigen sich deutlich, aber leise, als hätte man den Ton ausgeschaltet.

Der Weg zur Kunst war bei Brockfeld schon in der Familie vorherbestimmt. „In unserem Haus wurde immer gemalt, vom Großvater bis zur Mutter. Brockhaus selbst, machte aber erst mit 29 Jahren ernst. Ihre Malerei wurde immer intensiver. „Ich brauchte mehr Raum für die Kunst, als ein paar Malkurse und begann Kunst zu studieren“, erzählt sie. Die Künstlerin kann dank ihrer Arbeit an der Wilhelm-Wagenfeld- Schule für Kunst, Design und Medien in Huchting ohne Existenzdruck malen. Die Zeiten für ihr eigenes künstlerisches Schaffen seien ihr heilig. „Ich bin kein Langschläfer. Und ich trinke auch keinen Rotwein, während ich arbeite“, sagt sie und lacht. Am liebsten gehe sie morgens direkt an ihre Bilder, noch bevor es etwas gibt, was sie ablenken könnte. Vier Stunden ist ihre Mindesteinheit für die Atelierarbeit. „Es erfordert Konzentration, denn ich weiß vorher nicht, was die Bilder bringen und muss im Arbeitsprozess wach reagieren.“ Die große Herausforderung sei es, der eigenen Kunst genügend Raum zu geben. Das Gestalten sieht Brockfeld als ein Grundbedürfnis der Menschen. Kunst fülle einen wichtigen Sektor außerhalb einer konkreten Verwertbarkeit. Sie gebe einen außergewöhnlichen Raum zur Reflexion.

Zu den Künstlern, die für Brockfeld besonders bedeutend sind, zählen die französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926) und Edgar Degas (1834–1917). Beide sind bekannt für ihre Alltagsszenen auf der Straße, im Café oder beim Ausflug. Ihr Blick sei beobachtend, aber nicht engagiert, sagt die Bremerin.

Wenn Brockfeld jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge es posthum an den niederländischen Schriftsteller Harry Mulish. Beim Lesen seiner Texte denke sie oft: „Ja, genauso ist es!“ Das Bild wäre ein Dank für die Dinge, die Mulish in Worte fasste.

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