Prozess gegen mutmaßlichen Axtmörder fortgesetzt

Eine lange Drogenkarriere

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Der Angeklagte Ferdi M. erscheint in kurzer Hose und Badelatschen vor Gericht.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Axtmörder Ferdi M. vor dem Landgericht Bremen ist am Freitag fortgesetzt worden.

Wieder kam Ferdi M. mit kurzer Hose und Badelatschen in den Gerichtssaal. Von zwei Straftaten und drei Gefängnisaufenthalten in Bulgarien und seiner langen Drogenkarriere sprach er fast im Plauderton, so als habe alles nichts mit ihm zu tun. Da er im Gefängnis wieder mit Drogen erwischt wurde, ist seine Auskunftsfähigkeit fraglich.

In einer verlesenen Erklärung zu den Vorwürfen gibt der Angeklagte an, am 12. Februar in Brake in das Haus eines Nachbarn eingestiegen zu sein, weil er Geld brauchte. „Ich glaubte, bei meinen Nachbarn wäre etwas zu holen“, heißt es. Der Angeklagte behauptet, der plötzlich zurückgekehrte Hausbewohner habe ihn mit einer Vase angegriffen, woraufhin er sich mit einer Flasche verteidigt habe. Er habe versucht, den Heimkehrer bewusstlos zu schlagen. Als dieser blutend am Boden lag, ging er dennoch davon aus, dass dieser wieder zu sich kommen würde. „Ich konnte auch wegen meiner fehlenden Deutsch-Kenntnisse keinen Arzt holen“, sagte der Angeklagte. 

Ferdi M. erinnert sich nur lückenhaft

An die zweite ihm vorgeworfene Tat erinnerte sich Ferdi M. nur lückenhaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm den Einbruch in ein Parzellengrundstück in Bremerhaven sowie den Angriff auf den auftauchenden Besitzer mit einer Axt oder einem scharfkantigen Gegenstand vor, was Hirnblutungen und dessen Tod zur Folge hatte. Der Angeklagte gab an, bei der Parzelle einen Aktenkoffer gesehen zu haben. „Irgendwie glaubte ich, der sei randvoll mit Geld“, so der Angeklagte. Er habe den Koffer geholt, der Mann habe ihn verfolgt, woraufhin er ihn mit einem herumliegenden Metallstab geschlagen habe. 

An die dritte angezeigte Tat erinnert sich Ferdi M. laut Erklärung gar nicht. Der Vorwurf: Er sei in eine Bremerhavener Wohnung eingestiegen und habe den Bewohner mit einer Stehlampe gegen den Kopf geschlagen und ihm dann mit einem Messer im Gesicht verletzt. In ein anderes Licht rückt der Angeklagte ein viertes Delikt, den Angriff mit einer Gipsfigur und Fäusten auf einen Mann in dessen Wohnung. Ferdi M. gibt zu, gemeinsam mit dem Mann Kokain konsumiert zu haben. Er selbst wäre aber von dem Mann mit einem Stock angegriffen worden. „Er ist ausgeflippt“, heißt es in der Erklärung. Der Angeklagte habe sich mit einem herumliegenden Küchenmesser gewehrt. Auch soll der Mann bei Ferdi M. 60 Euro Schulden gehabt haben. 

Aussagefähigkeit zweifelhaft

Der Anwalt des Angeklagten wies zu Beginn der Sitzung auf Zweifel an der Aussagefähigkeit seines Mandanten hin. Der Grund: Dieser sei schwer drogenabhängig und sei in seiner aktuellen Haft sowohl beim Drogenkonsum und Drogenhandel erwischt worden. So beantwortete der Angeklagte zwar keine Frage zu den einzelnen Tathergängen, wohl aber Fragen zu seinen Verhältnissen und zu Straftaten und Gefängnisstrafen in seinem Heimatland Bulgarien. Dort war er von 2010 bis 2015 dreimal im Gefängnis, insgesamt zweieinhalb Jahre – wegen des Diebstahls von Autobatterien und Laptops sowie einer verspäteten Rückkehr aus einem Hafturlaub. 

Allerdings waren die Aussagen teilweise so widersprüchlich, dass sie zu sichtlichen Irritationen bei der Vorsitzenden Richterin und anderen Anwesenden führten. Der Angeklagte gab an, im Januar zum Arbeiten nach Deutschland gekommen zu sein. Wegen des schlechten Stundenlohns von vier Euro habe er nach drei Wochen gekündigt. Er habe mehrere tausend Euro durch Glücksspiel verdient und Vorschüsse vom Arbeitgeber sowie Geld von seinem in Deutschland arbeitenden Vater und Freunden erhalten. Er gehöre der türkischen Minderheit in Bulgarien an. Erste Erfahrungen mit Drogen habe er im Alter von 14 Jahren gemacht. 

Der Prozess wird am Freitag, 26. August, fortgesetzt. Es deutet sich an, dass neben den bislang geplanten 13 Sitzungen weitere Verhandlungstermine angesetzt werden.

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